Sozialer Einsatz in Afrika: Für Lisa Tomasiak geht ein Kindheitstraum in Erfüllung

Sozialer Einsatz in Afrika: Für Lisa Tomasiak geht ein Kindheitstraum in Erfüllung

Karin Seyringer Karin Seyringer, Tips Redaktion, 19.08.2014 12:00 Uhr

FRANKENBURG/MEKANISSA. 18 Jahre jung, gerade die Matura erfolgreich abgelegt, und jetzt ein Jahr ins Ausland: Die Frankenburgerin Lisa Tomasiak erfüllt sich einen lang gehegten Traum und geht nach Äthiopien, um sich vor Ort sozial zu engagieren.

Auf ein Jahr voller neuer Eindrücke und Erfahrungen freut sich die Frankenburgerin Lisa Tomasiak. Sie ist eine von 17 Jugendlichen österreichweit, die ab Mitte August über den Verein „Volontariat bewegt“ auf Auslandseinsatz geht.   Die 18-Jährige, die heuer am ORG der Franziskanerinnen in Vöcklabruck die Matura abgelegt hat, wird im Rahmen ihres Volontariats in der Region Mekanissa, Äthiopien, arbeiten. Für Lisa Tomasiak war es schon als kleines Kind ein Traum, nach Afrika zu gehen. „Warum der entstanden ist, kann ich gar nicht genau sagen. Es war für mich einfach immer schon klar: Nach der Matura folgt ein soziales Jahr.“   Geben und Nehmen   Ihre Motivation ist es, etwas zu geben, aber auch selbst zu lernen. „ Mir ist es wichtig, dass die Europäer von der Ansicht wegkommen, als “reiche, kluge„ Menschen helfen zu müssen. Ich komme nicht nach Äthiopien, um dort als jemand, der es besser weiß, alles umzukrempeln. Ich gehe hin und möchte mich im Gegenteil in das bestehende Leben dort bestmöglich einbringen. Ich möchte aber auch von der Kultur lernen, mich anpassen und mich auf etwas völlig Fremdes einlassen – so gut es geht. Ich glaube, man reift sehr in dieser Zeit. Es prägt bestimmt, weil es nicht nur leichte Zeiten sein werden.“   Das Mekanissa-Projekt war ihr von „Volontariat bewegt“ empfohlen worden. „Äthiopien hat für mich sehr gut gepasst und interessiert mich, weil es sowohl afrikanische Merkmale als auch arabische Einflüsse hat. Dazu kommt die Sprache – man redet dort amharisch, und ich muss das jetzt auch selbst lernen. Es gibt sogar schon Apps am Handy, über die man amharisch lernen kann“, schmunzelt die 18-Jährige. „Im Endeffekt werde ich die Sprache aber erst vor Ort so richtig lernen, wenn ich mit den Kindern arbeite. Es gibt auch arabische Schriftzeichen – das wird eine Herausforderung, aber die neue Sprache reizt mich schon sehr“, freut sich Lisa.   Unterricht   Lisa Tomasiak wird in Mekanissa im Kinderprojekt Don Bosco Youth Center arbeiten. „Ich bin dort im Kindergarten tätig, der mit unserer Vorschule vergleichbar ist. An den Wochenenden ist das Projekt generell offen für Kinder aus der Umgebung. Dann müssen über 500 Kinder versorgt werden. Ich unterrichte Zeichnen, Englisch und Sport – möchte dann, wenn ich mich eingearbeitet habe, aber auch musikalisch mit den Kindern arbeiten. Im Projekt sollten auch ein Klavier und eine Gitarre vorhanden sein. Und einen Chor mit den Kindern gründen, das wäre schon sehr schön“, hofft die musikalische 18-Jährige.   Vorbereitungskurse   Auf den Verein „Volontariat bewegt“ – eine Initiative von „Jugend Eine Welt“ und den Salesianern Don Boscos – ist die Frankenburgerin gekommen, weil schon eine Freundin sehr gute Erfahrungen im Kongo damit gemacht hat. Man wird von der Organisation gut vorbereitet, mit mehreren Kursen. Dabei berichten Ex-Volontäre, zudem gibt„s Workshops zu den Themen “Kulturschock„ oder “Down-Phasen„. Auch Einheimische berichteten selbst über die Einsatzländer. “Man bekommt dabei komplett neue Einsichten. Die Vorbereitung war wirklich wichtig, weil man merkt, dass es in diesem Auslandsjahr nicht nur sonnige Zeiten geben wird und man sich dadurch besser darauf einstellen kann.„   Heimweh wird für Lisa, glaubt sie, kein Problem sein. Fehlen wird ihr aber schon einiges: “Am meisten die Landschaft hier, die grünen Wiesen und Wälder. Und meine Laufstrecke. Das wird schon eine Umstellung werden. Natürlich aber auch die vertrautesten Personen – Familie und Freunde.„ Auch beim Essen wird“s schwierig, so die Vegetarierin: „Man muss essen, was man bekommt, sonst gilt das als unhöflich. Das muss ich mir dann anschauen, wie ich damit umgehe, wenn mir etwa Fleisch angeboten wird.“   Zweite Heimat   Ein paar Tage hat die 18-Jährige noch, die Aufregung steigt, am 28. August geht der Flieger. Und was nimmt sie sich selbst für ihren Aufenthalt vor? „Einfach einlassen, versuchen sich anzupassen. Ich habe schon die Hoffnung, in Äthiopien eine Art zweite Heimat zu finden. Ich glaube, man wird nie komplett Teil dieser mir noch fremden Kultur, weil man sich so sehr wohl nicht ändern kann. Wichtig ist es mir auch, dass ich für die Kinder mehr sein werde, als nur ihre Lehrerin.“   Und auch für die Zeit nach ihrem Auslandsjahr hat Lisa Tomasiak schon Pläne: Sie will „Soziale Arbeit“ studieren, die Aufnahmeprüfung hat sie bereits abgelegt. Vielleicht legt sie davor auch noch ein Jahr Philosophie-Studium ein.   Auch ein zweiter engagierter Jugendlicher aus dem Bezirk wird über „Volontariat bewegt“ ins Ausland gehen: der 18-jährige Mathias Weidinger aus Seewalchen. Er nutzt die Chance, seinen Zivilersatzdienst in einem Kinderprojekt in Ecuador zu leisten.
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