Geplante Kindergartengebühr lässt Mütter auf die Barrikaden steigen

Geplante Kindergartengebühr lässt Mütter auf die Barrikaden steigen

Mag. Susanne  Überegger Mag. Susanne Überegger, Tips Redaktion, 27.11.2017 15:50 Uhr

BEZIRK FREISTADT. „Schockiert“ zeigt sich Beatrice Raber aus Gutau von den Plänen der oberösterreichischen Landesregierung, Gebühren für die Nachmittagsbetreuung im Kindergarten einzuführen. „Das ist ein Schlag ins Gesicht für Alleinerzieherinnen und Teilzeit arbeitende Mütter“, sagt die Mama zweier Söhne.

„Für Alleinerziehende, die meist nur Teilzeit arbeiten können, aber auch für viele Familien mit mehreren Kindern ist die Nachmittagsbetreuung im Kindergarten nur schwer oder auch gar nicht zu finanzieren. Es schockiert mich, dass in einem Sozialstaat wie Österreich bei den Kleinsten gespart wird“, sagt die Gutauerin.

Das Betreuungsangebot in Gutau ist sehr gut

Sie selbst hat zwei Kinder, acht und fünf Jahre alt, und arbeitet 30 Wochenstunden als Projektmitarbeiterin in Linz. Ihre Söhne werden an drei Nachmittagen in der Woche im Kindergarten beziehungsweise im Hort betreut. „In Gutau ist das Angebot sehr gut. Im Kindergarten können die Kinder bis 16 Uhr bleiben, die Schüler im Hort sogar bis 17 Uhr.“

„Gruppen kommen vielleicht nicht zustande“

Die Großeltern sind noch nicht in Pension, weshalb im Notfall sogar schon die Urgroßeltern eingesprungen sind und auf die Kinder aufgepasst haben. „Ich selbst bin in der privilegierten Lage, einen gut bezahlten Job zu haben und einen Mann, der Vollzeit arbeitet. Insofern würde sich eine kostenpflichtige Nachmittagsbetreuung finanziell bei uns ausgehen. Aber was hilft uns das, wenn andere Eltern sich die Betreuung nicht leisten können und die Gruppe nicht zustande kommt?“, fragt sich Beatrice Raber. Und sie überlegt weiter: „Wer sich die Nachmittagsbetreuung nicht leisten kann, muss die Kinder zu Mittag pünktlich abholen. Wie soll sich das zeitlich ausgehen, wenn man vielleicht auch noch von der Arbeit in Linz nach Hause fahren muss?“

„Schon lange hat mich nichts mehr so wütend gemacht“

Auch Angelika Palzer-Reindl aus Neumarkt hat „schon lange nichts mehr so wütend gemacht“ wie die geplante Einführung der Gebühr für den Kindergartenbesuch am Nachmittag. „Die meisten Mütter leben ohnehin, wie auch ich, in einem Eineinhalb-Verdiener Familienmodell. Wir müssen uns als Frauen damit arrangieren, dass wir dadurch im Alter wohl weniger Pension zur Verfügung haben als unsere Männer. Durch die Einführung der Kindergartengebühr wird dieses Einkommensmodell und der damit einhergehende Einkommensunterschied noch verstärkt“, meint die Neumarkterin, selbst Mutter dreier Kinder im Alter von 15, 13 und sechs Jahren.

„Angriff auf Frauen und Mütter dieses Landes“

„Viele von uns sind Pendlerinnen und können es selbst bei Teilzeitanstellungen gar nicht schaffen, die Kinder um 13 Uhr wieder vom Kindergarten abzuholen, wenn wir den anstehenden Gebühren entgehen wollen“, wertet Palzer-Reindl die geplanten Gebühren als „Angriff auf die Frauen und Mütter dieses Landes“.

Befürchtung: Arbeitsplätze gehen verloren

Die Kinderfreunde Mühlviertel weisen auf einen weiteren Aspekt hin: „Sperren Kindergärten am Nachmittag zu, gehen auch Arbeitsplätze für Helferinnen und Pädagoginnen verloren.“ Mit einer bezirksweiten Kampagne macht die SPÖ Freistadt die Eltern auf die Kürzung in der Kinderbetreuung aufmerksam: „Wenn weniger Kinder am Nachmittag angemeldet werden, bedeutet das weniger Nachmittagsgruppen. In weiterer Folge wird es auch die Kindergärtnerinnen im Bezirk treffen, die nach Stundenkürzungen mit Einkommensverlusten rechnen müssen“, befürchtet Bundesrat Michael Lindner (SPÖ).

 

 

Die oö. Landesregierung plant, ab 1. Februar 2018 Gebühren für die Nachmittagsbetreuung in oö. Kindergärten einzuheben, was dem Land 13 bis 15 Millionen Euro bringen soll. Die Beiträge werden sozial gestaffelt – voraussichtlich zwischen 42 und 110 Euro pro Monat und Kind.

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Kommentare

  1. Gastuser 29.11.2017 10:07 Uhr

    jammern auf hohen Niveau - Ich muss mich doch sehr wundern wie unsere Eltern es geschafft haben Kinder zu erziehen. Die Kindergarten gebühr war bis vor ein paar Jahren üblich. Jetzt auf einmal ist es ein Problem. Man bedenke wer bezahlt den Kindergarten, wenn er gratis ist? Ganz klar jeder von uns! Auch diejenigen die jetzt jammern müssen dafür zahlen, nur auf Umwege! Vielleicht sollte jeder mal überlegen für was man Geld ausgibt. Fast jeder hat heutzutage ein Handy das im Monat mehr kostet als die geplante Kindergartengebühr. Vielleicht muss auch den Kindern von heute wieder den richtigen Umgang mit Geld lernen, dass man nicht alle wünsche erfüllen kann.

    1   0 Antworten
    • Gastuser 03.12.2017 21:01 Uhr

      Fehlende Betreuungszeiten!!! - Haben sie den Artikel vollständig gelesen? Die beiden Frauen jammern nicht wegen des Geldes, sondern wegen der fehlenden Kinderbetreuung am Nachmittag!

      0   0 Antworten
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