100 Tage Primar Wacha: Spezialist für das Tabuthema Enddarm

100 Tage Primar Wacha: Spezialist für das Tabuthema Enddarm

Mag. Claudia Greindl Mag. Claudia Greindl, Tips Redaktion, 01.11.2018 11:33 Uhr

FREISTADT. Im Juni 2018 übernahm Dr. Michael Wacha als neuer Leiter die Abteilung für Chirurgie am Landes-Krankenhaus Freistadt. Seit gut 100 Tagen ist der gebürtige Linzer nun im Mühlviertel tätig und hat sich als Primar, Vorgesetzter, Kollege und ausgewiesener Experte im Bereich Koloproktologie – dem Fachbereich für Erkrankungen des Dick- und Enddarms – bereits gut etabliert. Grund genug, den Allrounder im und außerhalb des Operationssaals näher vorzustellen. 

„Das Landes-Krankenhaus Freistadt hat mit Prim. Michael Wacha nicht nur einen führenden Koloproktologen bekommen, sondern auch einen hervorragenden Viszeralchirurgen“, betont Harald Schöffl, Mitglied des gespag-Vorstands. „Die Bestellung von Prim. Wacha zeigt auch, dass Hochspezialisierung in der Medizin nicht nur in den Ballungsräumen wichtig ist. In allen Bereichen nah am Menschen zu sein, ist eines unserer Ziele und gerade im Spezialbereich Proktologie, wo die Hemmschwellen extrem hoch sind, ist eine wohnortnahe Versorgung unerlässlich. Spitzenmediziner ins Mühlviertel zu holen festigt den guten Ruf der regionalen Spitäler der gespag.“ Auch für den ärztlichen Direktor am LKH Freistadt,  Norbert Fritsch, ist Prim. Wacha zweifellos ein Wunschkandidat.

Von Linz ins Mühlviertel

In seiner 18-jährigen Tätigkeit am Med Campus III (früher AKH Linz) machte sich der 48-Jährige als Leiter der proktologischen Ambulanz sowie als leitender Oberarzt einen Namen. Als Experte in der Viszeralchirurgie (Chirurgie der Bauchorgane), für die er 2008 auch die Zusatzfacharztausbildung abgeschlossen hat, und der Koloproktologie (Erkrankungen des Enddarms) ist Wachas Know-how nicht nur in Notfällen sehr gefragt. Nach dem Studium in Wien, dem Turnus im ehem. AKH Linz und der Landes- Frauen und Kinderklinik, (heute Med Campus IV) absolvierte er seine chirurgische Facharztausbildung zuerst im LKH Rohrbach und später im AKH Linz. Auch im Landes-Krankenhaus Freistadt war der erfahrene Chirurg schon vor der Abteilungsübernahme kein Fremder: „Prim. Wacha war zwei Jahre lang die Vertretung von Prim. Reindl und konnte sich mit dem Team und dem Haus vertraut machen. Noch reibungsloser könnte ein Wechsel an der Spitze einer so wichtigen Abteilung nicht laufen“, freut sich der ärztliche Direktor.

Personalführung mit Herz und Einfühlungsvermögen

Gefragt nach der Motivation und den Zielen seiner neuen Tätigkeit, hebt Michael Wacha zuerst seine Rolle als „Lehrender“ hervor: „Die qualitative Arbeit mit Jungärzten hat für mich einen enorm hohen Stellenwert. Ich möchte nicht nur fachliches Können vermitteln, sondern auch Entscheidungsfähigkeit und den Mut zur Eigenständigkeit. Genau zu wissen, was man kann, macht souverän und das wiederum hilft, in Stresssituationen ruhig zu bleiben. Diese Qualitäten brauchen wir im OP.“

Auch inhaltlich und als Teil eines großen Teams hat sich Wacha viel vorgenommen: „Die interdisziplinäre Zusammenarbeit mit allen Abteilungen des Hauses und der Pflege haben schon bisher sehr gut funktioniert, das möchte ich in jedem Fall beibehalten und behutsam noch weiter ausbauen, ebenso die tageschirurgischen Angebote. Inhaltlich liegt mir ein Bereich am Herzen, der auf den ersten Blick recht unspektakulär erscheint, aber für die Betroffenen einen enorm hohen Leidensdruck bedeutet – nämlich die Diagnose und Behandlung von Erkrankungen des Enddarms und des Afters. Kaum ein medizinischer Bereich ist mit größerer Scham belastet. Das möchte ich ändern“, so Wacha.

Experte für Tabuthemen

70 bis 80 Prozent aller Menschen haben zumindest einmal im Leben Probleme mit Hämorrhoiden. Erst bei sehr deutlichen und anhaltenden Schmerzen oder Beeinträchtigungen des Alltags wird – zumeist unwillig – medizinischer Rat gesucht. Selbstmedikation und stilles Leiden verschlimmern das Problem. Außerdem können hinter dem so harmlos scheinenden Symptom ernsthafte Erkrankungen stecken: „Obwohl sich Hämorrhoiden in den allermeisten Fällen als relativ problemlos darstellen und ohne operativen Eingriff behandelt werden, kann sich hinter den Ausstülpungen der sogenannten Hämorrhoidal-Schwellkörper ein Mastdarmkrebs verbergen. Auch Analkrebs oder HPV-Infektionen können nur vom Proktologen ausgeschlossen werden. Probleme im Analbereich zu ignorieren, kann also wirklich lebensbedrohlich sein“, warnt der Chirurg.

Dankbarkeit der Betroffenen ist enorm

Das Tabuthema Nummer Eins in der Proktologie ist zweifelsohne die Stuhlinkontinenz. Das Leben mit diesem Symptom ist für Betroffene so schwierig, weil die Hürde darüber zu sprechen für viele kaum überwindbar scheint: „Menschen mit Stuhlinkontinenz brauchen eine sehr vertrauensbildende Atmosphäre. Sie fühlen sich stark stigmatisiert und haben sich meist vom normalen Alltagsleben völlig zurückgezogen. Ist der erste Schritt in Richtung Diagnose getan, liegt oft ein weiter Weg vor ihnen. Nicht selten lässt sich kein offensichtlicher Grund für den Stuhlverlust finden. Therapiemöglichkeiten gibt es natürlich trotzdem. Aber der erste Schritt ist wichtig.

Stiefkind Proktologie

Nicht nur bei den Betroffenen ist das Thema tabubelastet, auch in der Medizin ist die Proktologie oftmals ein Stiefkind. Prim. Wacha kam zufällig dazu und baute sein Wissen zielstrebig aus. Auf nationalen und internationalen Fortbildungen konnte Wacha wichtige Kontakte knüpfen. Mit diesen Erfahrungen im Gepäck gründete er schließlich eine Spezialambulanz in Linz: “Als junger Chirurg will man große Operationen durchführen. Vermeintlich kleine Eingriffe wie Hämorrhoiden scheinen recht unattraktiv. Mein früherer Chef hat mich gebeten, dieses Spezialgebiet zu übernehmen und schon bald wurde mir klar, wie wichtig, aber auch medizinisch spannend, die Proktologie ist. Gerade weil die Betroffenen oft jahrelang still leiden, ist die Freude und Dankbarkeit enorm, wenn oft schon kleine Eingriffe zu einer großen Steigerung der Lebensqualität führen. Das ist der schönste Grund in der Proktologie zu arbeiten.„

Spitzenmedizin als Standortgarantie

Neben der Etablierung seines Spezialgebiets in Freistadt, hat Wacha weitere Pläne für die chirurgische Abteilung. So soll die Hernienchirurgie (Operation von Leisten- und Bauchwandbrüchen) offen und vor allem minimalinvasiv und die Venenchirurgie weiter ausgebaut werden. Ein weiterer Schwerpunkt wird in der Abklärung von Sodbrennen und der chirurgischen Behandlung desselben (Refluxchirurgie) gesetzt werden. All diese Pläne finden beim Ärztlichen Direktor Prim. Fritsch ein offenes Ohr: “Die medizinische Versorgung und unser Haus erfahren durch Prim Wacha eine weitere Aufwertung und ich freue mich schon auf die Zusammenarbeit in den nächsten 100 Tagen und hoffentlich noch lang darüber hinaus.„

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