Masern: harmlose Kinderkrankheit oder folgenschwere Virusinfektion

Masern: harmlose Kinderkrankheit oder folgenschwere Virusinfektion

Mag. Claudia Greindl Mag. Claudia Greindl, Tips Redaktion, 05.02.2019 18:28 Uhr

BEZIRK FREISTADT. Harmlose Kinderkrankheit oder bedrohliche Epidemie? Masern-Erkrankungen in der Steiermark haben auch bei uns die Diskussion ums Impfen wieder kräftig angeheizt. Während sich Gesundheits-Landesrätin Christine Haberlander (VP) für eine allgemeine Impfpflicht gegen Masern ausspricht, sind viele Eltern verunsichert. Was nun – impfen oder nicht?

Eines gleich vorweg: Laut Gesundheitsministerium und Weltgesundheitsorganisation WHO sind die Masern keineswegs als harmlose Kinderkrankheit zu sehen (siehe Infobox). „Aufgrund der möglichen Schwere der Krankheit sollten Eltern ihre Kinder allein schon aus Vernunft gegen Masern impfen lassen“, sagt der ärztlicher Direktor des LKH Freistadt, Primar Norbert Fritsch. „Menschen jeden Alters, die ohnehin schon geschwächt sind, trifft eine Masern-Erkrankung noch schlimmer, es kann zu sehr schweren Krankheitsverläufen und Todesfällen kommen“, sagt der Mediziner. Die Mitarbeiter des Krankenhauses mit Patientenkontakt müssen zum Schutz der Patienten geimpft sein.

Vierfach-Mutter impft nicht

„Wer informiert ist, impft nicht“, hält Maria Hölzl aus Königswiesen dagegen. Die vierfache Mutter verzichtet bei ihren Kindern und auch selbst auf alle angebotenen Impfungen. „Auslöser war, dass mein erster Bub Lukas jeweils nach den ersten drei Impfungen schwer an Keuchhusten erkrankt ist und sogar fast erstickt wäre. Später hat er nie mehr Keuchhusten gehabt“, sagt die Königswiesenerin, die auch beruflich mit Gesundheit zu tun hat. Nach gründlicher Recherche von Für und Wider hat sieh sich gegen weitere Impfungen entschieden, nicht einmal den Pieks gegen Tetanus oder Wundstarrkrampf mutet sie ihren Kindern zu.

„Verbrechen an den Kindern“

„Impfen schützt nicht, man kann trotzdem erkranken. Wie viele von den aktuellen Masern-erkrankten in der Steiermark sind geimpft? Das erfährt man nicht“, kritisiert Maria Hölzl. „Ich mute meinen Kindern keine Sechsfachimpfung zu, das wäre ein Verbrechen an den Kindern! Der Körper kann sich selbst wehren.“„Gefährliches Halbwissen“Für Primar Fritsch ist die Verweigerung von Impfungen nur die Folge gefährlichen Halbwissens. „Wir bräuchten bei den Masern 95 Prozent Durchimpfungsrate, um die Krankheit hintanzuhalten – davon sind wir weit entfernt.“

„Impfen ist gesellschaftliche Verpflichtung“

Seine Kinder absichtlich einer Ansteckung auszusetzen, wie bei mancherorts praktizierten „Masernpartys“, lehnt der Mediziner kategorisch ab. „Ich würde meinem Kind nie antun, eine Krankheit durchzumachen und Fieberkrämpfe und andere Komplikationen zu riskieren, nur damit es danach immun ist! Impfen ist ja eine abgeschwächte Art von Krankheit, um den Körper zu einer Immunantwort zu bewegen. Der Punkt ist: Impfen ist eine gesellschaftliche Verpflichtung; die oft diskutierten Impfschäden stehen in keiner Relation zu den häufigen Folgeschäden der Krankheit selbst und zur Zahl der Todesfälle bei Nichtgeimpften“, ist sich Primar Fritsch sicher.

Fundiert informieren

Wer über die Vor- und Nachteile von Impfungen Bescheid wissen möchte, findet speziell online eine große Zahl von mehr oder weniger vertrauenswürdigen Informationsangeboten. Einen fundierten Einstieg und eine Entscheidungshilfe gibt es z. B. auf dem öffentlichen Gesundheitsportal Österreichs des Gesundheitsministeriums, erreichbar unter https://www.gesundheit.gv.at/leben/gesundheitsvorsorge/impfungen/entscheidungshilfe

Laut Gesundheitsministerium sind Masern keine harmlose Kinderkrankheit, sondern hoch ansteckend für ungeschützte Personen jeden Alters. Ausreichender Schutz besteht nach zwei Masernimpfungen mit einem Lebendimpfstoff oder bei Nachweis eines schützenden Antikörperspiegels im Blut, wenn man die Krankheit schon durchgemacht hat. Anstecken kann man scih bereits vor dem typischen Ausschlag (rote, grobflächige Flecken). Acht bis zehn Tage nach der Infektion und höchstens 21 Tage danach kommt es zu Beschwerden wie Fieber, Schnupfen, Husten und Bindehautentzündung, begleitet vom typischen Ausschlag. Masern schwächen die Abwehrkräfte des Körpers laut Gesundheitsministerium auf Jahre. Bei 20 von 100 Erkrankungsfällen treten Komplikationen wie Bronchitis, Mittelohr -der Lungenentzündung auf. In ein bis zwei Fällen von 1000 kommt es zu einer lebensbedrohlichen Gehirnentzündung, deren Spätfolge nach Jahren tödlich enden kann. Wenn ein Kind nicht ausreichend geimpft ist, kann es im Falle eines Kontakts mit einer an Masern erkrankten Person von der Gesundheitsbehörde bis zu 21 Tage vom Besuch von Kindergarten, Schule, Hort, etc. ausgeschlossen werden. Weitere Details: www.keinemasern.at

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