Bürgermeisterbrief an Vereine lässt in Freistadt Wogen hochgehen

Bürgermeisterbrief an Vereine lässt in Freistadt Wogen hochgehen

Regina Wiesinger Regina Wiesinger, Tips Redaktion, 06.02.2018 09:04 Uhr

FREISTADT. Ein Brief von Bürgermeisterin Paruta-Teufer und Wirtschaftsstadtrat Poissl sorgt derzeit für Zündstoff in der Stadt. Im Brief fordern diese die Freistädter Vereine auf, bei der Belebung des Genussmarktes mitzumachen, weil das künftig ein wichtiges „Entscheidungskriterium für Förderungen seitens der Stadtgemeinde“ sein wird.

„Das kommt einer politischen Nötigung ehrenamtlicher Vereine gleich“, empört sich Rainer Widmann, Fraktionsobmann der Bürgerliste WIFF. „Das Motto: Machst Du nicht mit beim Genussmarkt, dann klappts auch mit der Förderung nicht, geht gar nicht. Das ist weder durch entsprechende Förderrichtlinien der Gemeinde gedeckt, nirgendwo beschlossen und entspricht in keinster Weise meinem Verständnis, wie wir wertschätzend mit Ehrenamtlichen umgehen sollen.“

„Schreiben ist eine Einladung“

Dazu Bürgermeisterin Elisabeth Paruta-Teufer: „Wir sind sehr darum bemüht, unseren Genussmarkt wieder in einen lebendigen Ort der Begegnung zu verwandeln. Nur zu jammern und zu schimpfen, wie das die politischen Mitbewerber gerne machen, wird keine Leute am Freitagnachmittag in die Stadt bringen. Das Schreiben ist als Einladung, als Bitte an unsere Vereine zu verstehen, uns bei diesem Vorhaben zu unterstützen. Es ist unsere politische Verantwortung, die Vergabe von Fördergeldern genau zu prüfen.“ Das sieht Rainer Widmann aber anders: „Generell sollen ehrenamtliche Freistädter Vereine deshalb Förderungen bekommen, weil sie Jugend-, Kultur-, Sport- oder andere gesellschaftspolitisch wertvolle Arbeit leisten. Sie mit Förderkürzungen abzustrafen, nur weil sie beim Genussmarkt nicht mitmachen wollen oder können, ist sachpolitischer Schwachsinn und ein Schlag ins Gesicht der Ehrenamtlichen.“

Beratung im nächsten Finanzausschuss

„Wir schauen uns jeden Antrag in den Ausschüssen und anschließend im Stadtrat bzw. Gemeinderat genau an: Wie steht der Verein finanziell da, wird Jugendarbeit betrieben, welche Förderungen gibt es von anderen Stellen, etc. Es braucht schließlich Kriterien, um sicherstellen zu können, dass Fördergelder möglichst objektiv und fair verteilt werden. Die Bereitschaft, an der Belebung der Innenstadt mitzuwirken, ist nur eines von mehreren Kriterien. Und die Vereine profitieren ja auch von diesem Angebot. Viele klagen über zu wenig Nachwuchs. Hier haben sie die Möglichkeit, sich zu präsentieren, neue Mitglieder zu gewinnen und ihre Veranstaltungen zu bewerben. Es haben sich auch schon einige Vereine gemeldet, die sich über unser Angebot freuen und es sehr gerne annehmen. Die Ergänzung des Förderformulars wird im nächsten Finanzausschuss beraten und kommt anschließend in den Gemeinderat. Das Informationsschreiben haben wir schon jetzt an die Vereine geschickt, damit wir die Aktivitäten noch entsprechend bewerben und organisieren können, schließlich steht die Genussmarktsaison schon vor der Tür. Außerdem waren sich alle Parteien bei unserer Strategieklausur des Gemeinderates im November einig, dass die Innenstadt-Belebung ein Schwerpunkt der nächsten Jahre sein soll. Ich schätze die Arbeit unserer Ehrenamtlichen sehr und weiß, dass ihr Engagement unbezahlbar ist. An dieser Stelle ein herzliches Dankeschön an alle Freiwilligen“, sagt Paruta-Teufer.

Günstigere Gebüren, ansprechendes Rahmenprogramm

Widmann schlägt vor, dass die Verantwortlichen über den Tellerrand der Gemeinde hinaussehen und sich Praktikerwissen von gut funktionierenden Märkten holen. Für Standbetreiber seien dafür günstige Gebühren und eine gute Bewerbung des Marktes notwendig. Konsumenten wollen eine breite Vielfalt an Genuss-Lebensmitteln und allenfalls ein anziehendes Rahmenprogramm. „Frau Bürgermeister sollte sich bei den Vereinen für ihr bampfiges unpassendes Schreiben rasch entschuldigen. Statt den Vereinen mit Förderkürzungen zu drohen, kann man diese mit einer fixen Aufwandsentschädigung für die Teilnahme am Markt belohnen und dafür transparente Förderrichtlinien im Gemeinderat beschließen“, sagt Widmann abschließend.

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