Schweizer Eidgenossen als Vorbild - Landesrat Hiegelsberger auf Agrarreise in der Schweiz

Schweizer Eidgenossen als Vorbild - Landesrat Hiegelsberger auf Agrarreise in der Schweiz

Regina Wiesinger Regina Wiesinger, Tips Redaktion, 14.06.2018 16:11 Uhr

LINZ/BERN. Das Nachbarland Schweiz besuchte eine Oberösterreichische Delegation mit Agrar-Landesrat Max Hiegelsberger und Vertretern des Landes OÖ, der Wirtschaftskammer und Medien. Besonders das Thema Lebensmittelkennzeichnung und Wolf interessierte die Gäste aus Oberösterreich.

Auf dem interessanten und abwechslungsreichen Programm der Reise stand unter anderem ein Treffen mit der österreichischen Botschafterin in der Schweiz, Ulrike Plassnik. Weiters wurden unterschiedliche Betriebe, wie ein direktvermarktender Bauernhof, ein Weingut, die Hotellerie eines großen Spitals, einer Käserei, ein Fleischverarbeiter sowie ein Schafzuchtbetrieb mit Herdenschutzhunde, besichtigt. Die regionale Lebensmittel-Herkunftskennzeichnung auch in der Gastronomie sowie der Herdenschutz in der Landwirtschaft standen dabei im Vordergrund.

Wolf – Bedrohung für die Schafzucht

Das Thema Wolf polarisiert in der Schweiz wie in Österreich. 1992 wurden die ersten Vorkommnisse von Wölfen gemeldet. Im Nachbarland gibt es derzeit vier Rudel und drei Paare im Gegensatz zu rund 15 Tieren in Österreich. Neben dem Rudel in Allentsteig (NÖ) könnte sich in geraumer Zeit ein weiteres Rudel im Grenzbereich Mühlviertel/Waldviertel/Tschechien ansiedeln. Die Schäden, die auf Wölfe in der Schweiz zurück gehen, sind hoch. Besonders Schafe und Ziegen, die auf den Almen gehalten werden, sind betroffen; für den Herdenschutz wird enormer Aufwand betrieben. Nicht immer sind stromführende Zäune möglich, vor allem nicht in höher gelegenen und unwegsamen Gegenden. Alwin Meichtry, Präsident des Schweizer Schafzuchtverbandes: „Aus Sicht der Schafzucht ist die Rückkehr des Wolfes eine große Herausforderung! Ich habe aber nichts gegen den Wolf einzuwenden, er hat seine Daseinsberechtigung, dort wo er Platz hat. Ich bin ein Tierfreund und liebe alle Tiere! Aber als leidenschaftlicher Schafzüchter zerreißt es einem das Herz, wenn mit den eigenen Tieren durch den Wolf etwas passiert.“

Hunde, die die Herde schützen

In der Schweiz sind deshalb rund 220 Herdenschutzhunde auf den Almen im Einsatz. Ein Herdenschutzhund (HSH) bewacht die Schafherde und wehrt den Wolf ab. Nicht für alle Herdenbesitzer rechnet sich aber der Einsatz eines Hundes, 96 Prozent der Schafbetriebe haben weniger als 100 Tiere. „Es haben schon viele Züchter aufgegeben, weil sie den Aufwand des Herdenschutzes nicht geschafft haben“, sagt Meichtry. Trotzdem sind auch immer wieder die Herdenschutzhunde in der Kritik. Erst kürzlich berichteten die Schweizer Medien, dass ein HSH einen Wanderer angefallen haben soll. Heinz Feldmann, Sicherheitsfachmann für die Kantone und Gemeinden betont aber: „Wir hatten noch keinen einzigen schweren Unfall oder Todesfall mit einem Hund. Die Unfallgefahr mit Mutterkühen auf den Almen ist um ein Vielfaches höher und die Unfälle sind meist schwerer oder sogar tödlich.“

Kritik der Schafzüchter

„Damit in der Schweiz ein Wolf abgeschossen werden darf, müssen erst 22 Tiere getötet werden. Für eine Entschädigung müssen die Herdenschutzmaßnahmen umgesetzt worden sein und der Zaun muss nach einem Vorfall noch Strom führen. Das ist fast unmöglich, wenn 100 Schafe durch den Zaun wollen“, sagt Alwin Meichtry. Seit dem Jahr 2000 wurden 17 schadenstiftende Wölfe zum Abschuss freigegeben, neun davon wurden erfolgreich ausgeführt. „Der Herdenschutz ist nicht nachhaltig und wirksam. Folgekosten und Sekundärschäden werden bei der Vergütung nicht berücksichtigt. Die psychische Belastung des Züchters wird ebenfalls nicht einberechnet.“

Wie gefährlich ist der Wolf?

Georg Rauer, der österreichische Wolfsbeauftragte, betont, dass Wölfe natürlich gefährlich werden können, sie aber auch sehr scheu und zurückhaltend seien. „Das Problem ist die Konditionierung Mit dem Mensch und Futter. Wenn der Wolf lernt, dass es in der Nähe des Menschen Futter gibt, wird er auch schauen, ob nicht der Mensch selbst Futter ist. In Deutschland gab es noch kein aggressives Verhalten gegenüber den Menschen und dort gibt es sehr viele Wölfe. Aber wenn sich Wölfe an die Menschen heranwagen, dann muss man sie aus dem Verkehr ziehen.“ Auch in Oberösterreich ist der Wolf ein sehr brisantes Thema, gerade im Bereich der Almen. Es gibt fast täglich Meldungen von Sichtungen. Risse werden vom Wolfsbeauftragten geprüft, es werden DNA-Proben genommen. „Wie viele von den Rissen von echten Wölfen stammen, weiß man aber nicht genau“, sagt Johann Feßl, Almobmann. Rauer ist sich sicher, dass noch mehr Wölfe nach Östererreich kommen werden. „Damit müssen wir rechnen!“

Herkunftskennzeichnung von Lebensmittel

Ein weiteres großes Thema der Agrarreise war die Kennzeichnung von Lebensmitteln. Die Schweiz gilt als Vorreiter der Herkunftskennzeichnung in der Gastronomie. Seit 1996 hat die Schweiz die Kennzeichnung für tierische Produkte in allen Gastrobetrieben (Gasthof, Hotellerie, Fast Food-Ketten, Krankenhäuser, etc.) gesetzlich verpflichtend eingeführt. Sie muss auf der Speisekarte oder direkt beim Gericht angegeben werden. In Österreich wünschen sich 68 Prozent der Menschen eine Herkunftskennzeichnung, auch bei Außer-Haus-Verpflegung. Auch in den oö. Landesküchen ist eine Herkunftskennzeichnung geplant, um wesentliche Qualitätskrieterien wie Regionalität, Frische und Nachhaltigkeit stärker zu berücksichtigen.

Regionalität zählt

Die regionale Herkunft eines Lebensmittels ist den Schweizern wichtiger, als biologische Produktion. Einen kleinen Einblick in dieses Thema boten den oberösterreichischen Besucher die Betriebe Haldemann und das Inselspital. Die Familie Haldemann produzieren Teigwaren aus den hofeigenen Freilandeiern und sind mit ihren weiteren Produkten innovativ unterwegs. Sie produziert unter der Regionalmarke „Das Beste der Region“. Ziel ist es, den Absatz regionaler Lebensmittelspezialitäten zu fördern und somit die Wertschöpfung in den Regionen zu steigern. Der Verein unterstützt Produzenten, Verarbeiter und Direktvermarkter im Marketing und in der Kommunikation. Mehr: www.guerbmaettli.ch und www.regionalprodukte.ch

Ein Spital der Superlative

Besonders beeindruckend war die Führung durch die Hotellerie des Inselspitals Bern, das zweitgrößte Spital in der Schweiz mit rund 1100 Betten und einem Einzugsbereich von 1,3 Millionen Menschen. Das wäre vergleichbar mit der Situation, wenn das Krankenhaus Wels alleine für Oberösterreich zuständig wäre.Genuss und Lebensfreude sowie eine den multikulturellen Wünschender Kunden gerecht werdende Küche bilden die Hauptkomponenten im Denken und Handeln der Gastronomie des Inselspitals. Täglich bereiten 300 Mitarbeiter der Küchencrew 2400 Mahlzeiten für Patienten und 4500 Mahlzeiten für die Gäste in den Restaurants und Kantinen zu. Die Verantwortlichen der Hotellerie legen großen Wert auf Frische und hochstehende Qualität bei den vorwiegend regionalen Produkten.

Einige beeindruckende Zahlen des Betriebes:

  • Die Inselgruppe (Name der Spitalsgruppe, wie gespag) beherbergt sechs Standorte und mehr als 10.000 Mitarbeiter aus 89 Nationen.
  • 37 Kliniken befinden sich im Haus des Inselspitals Bern
  • 1420 Ärzte, 3121 Pflegepersonal
  • Rund 61.000 stationäre und mehr als 761.000 ambulante Behandlungen pro Jahr
  • In der Hotellerie werden 7859 Rezepte verwendet
  • Es gibt 32 Ernährungsformen für die Patienten.
  • Die Menüpläne ändern sich im vierwöchigen Rhythmus, die Menüpläne des Personals im sechswöchigen Rhythmus. Personal und Patienten bekommen nie am selben Tag das selbe Essen.
  • 4,5 Tonnen Wareneingang pro Tag
  • 5000 bis 6000 Mahlzeiten pro Tag
  • 358 Kilo Salat werden pro Tag verbraucht
  • 78 Speisewägen werden dreimal pro Tag gebraucht, das ist eine Strecke, die einmal rund um die Erde reichen würde.
  • 80.000 Geschirr- und Besteckteile/Tag
  • Elektronisches Patientenmenüwahlsystem
  • Der längste Transport eines Speisewagens beträgt 16 Minuten, deshalb werden auch Tabletts und Geschirrteile mit Induktion verwendet, um die Speisen länger warm zu halten.

Mehr auf www.insel.ch

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