Waldviertler Bürgerinitiativen: Windkraftausbau in Wäldern - ein NO-GO aus Naturschutzgründen
 

Waldviertler Bürgerinitiativen: „Windkraftausbau in Wäldern - ein NO-GO aus Naturschutzgründen“

Olivia Lentschig Olivia Lentschig, Tips Redaktion, 05.02.2019 12:19 Uhr

WALDVIERTEL. Acht Bürgerinitiativen (BI) aus dem Waldviertel wenden sich in einem dringenden Appell an VP-Umweltministerin Elisabeth Köstinger, die heimischen Wälder nicht für die Errichtung von Windindustrieanlagen zu opfern. Der Ausbau Erneuerbarer Energie sollte vorrangig dem Schutz der Natur dienen, anstatt sie zu zerstören.

Gefährdung geschützter Tierarten 

Die im niederösterreichischen Waldviertel geplanten Windparks befinden sich fast ausschließlich in Waldstandorten, die zahlreiche seltene Tierarten beherbergen und zu deren Schutz sich Österreich in mehreren internationalen Abkommen verpflichtet hat, so die Mitglieder der BI. Alleine aus Gründen des Natur- und Artenschutzes dürfte im Waldviertel kein einziges Windparkprojekt realisiert werden. Dass die Genehmigungsverfahren dennoch vorangetrieben werden, indem die Vorkommen streng geschützter Arten von den Gutachtern der Windkraftfirmen negiert, bzw. die Auswirkungen bagatellisiert werden, ist ein umweltpolitischer Skandal. Die hier praktizierte Vorgehensweise ist strikt abzulehnen und darf nicht auch noch durch gesicherte oder gar erhöhte Förderzusagen belohnt werden.

Nicht nur die hohe Biodiversität ist ein Ausschließungsgrund: Wälder sind in der Lage der Atmosphäre Kohlenstoff zu entziehen und zu speichern, weshalb sie einen wesentlichen Beitrag zur Dekarbonisierung leisten. Die Störung des Wasserhaushalts durch die Errichtung der Betonfundamente und die Verlegung der Erdkabel würde die Austrocknung der Waldböden verstärken, den Hochwasserrückhalt vermindern und die Ausweitung des Borkenkäferbefalls begünstigen. Mit der Trockenheit steigt auch die Gefahr von Waldbränden, verursacht durch schadhafte Anlagen oder Blitzschläge.

Uneffizienter Standort - hohe Kosten 

Auch die ökonomische Sinnhaftigkeit scheint bei den geplanten Projekten fragwürdig, geben die Aktivisten zu bedenken. Die Standorte im Waldviertel befinden sich allesamt in windschwachen Regionen – im Falle einer höheren Förderungen für unrentable Standorte würde dies einer Verschwendung öffentlicher Gelder gleichkommen. Durch das Ersetzen veralteter Windkraftanlagen durch neue leistungsstarke Anlagen (Repowering) in windstarken Gebieten könnte ein Vielfaches der Strommenge mit weitaus geringerem finanziellem Aufwand erzeugt werden.

Forderungen der IG Waldviertel

In Anbetracht der zahlreichen negativen Auswirkungen des Windkraftausbaus in Wäldern fordert die IG Waldviertel einen sofortigen Ausbau-Stop in diesen naturräumlich problematischen Standorten. Wälder müssen aus Gründen des Artenschutzes, aber auch aufgrund ihrer klimaschützenden und -regulierenden Funktion, von der windindustriellen Nutzung ausgenommen werden. Wäldern leisten als Ressource von Biomasse ohnehin einen wichtigen Beitrag für die Produktion erneuerbarer Energien.  

Weiters fordert die IG Waldviertel eine umfassende Überprüfung der Wirksamkeit und Zweckmäßigkeit der durch das Ökostromgesetz geförderten Maßnahmen durch den Rechnungshof, ein „Climate-Proofing“ im Sinne einer laufenden Überprüfung der Wirksamkeit der geförderten Maßnahmen gegen den Klimawandel, und eine umfassende Studie zur Evaluierung der Repowering-Potentiale. „Die Ziele der Regierung, bis 2030 bilanziell 100% erneuerbaren Strom zu erzeugen, können auch durch sukzessives Repowering günstiger und umweltfreundlicher erreicht werden“, meint Jimmy Moser, Obmann der IG Waldviertel, dem Dachverband der Waldviertler Bürgerinitiativen.

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Kommentare

  1. Zappa Cermak 08.02.2019 17:58 Uhr

    Umweltgedanken - Zappa – Johann Cermak : Waldstandorte nicht OK, Entscheidung der Behörde absolut richtig!m Nun finde ich es sehr Makaber wenn sich eine Energieerzeugung umweltfreundlich bezeichnet und gegen einen behördlichen Beschluss zu Gunsten der Umwelt, des Waldes, einen Einspruch erhebt. Da denke ich nur mehr an Profitgier und Geschäftemacherei und absolut kein Rückgrat!!!!!! Die Entscheidung der Behörde ist gewissenhaft, vernünftig und auf Basis des Gesetzes die Richtige! Der Wald ist nicht nur Erholungsgebiet und Holzreserve...... er ist MEHR!!!!!! Wenn wir Industriezonen in Wäldern errichten, dann hat das katastrophale Folgen für uns ALLE. Ich bin für Windenergie, aber nicht überall und um JEDEN PREIS!!!! Der Nutzen des Windparks, 3 Windräder, an diesem Standort steht in keiner Relation zu dem Schaden der dort angerichtet wird! Wie viele nicht wissen, da ich ja als Musiker bekannt bin, ich bin gelernter Förster. Dieser Beruf hat Tradition über Generationen in meiner Familie. Daher kommt auch die Liebe und der große Bezug zum Wald. Bereits in den 60igern erarbeitete ich für dieses Waldgebiet den 10 Jährigen Wirtschaftsplan, weshalb ich dieses Waldstück sehr gut kenne. Wenn man sich die Lage jetzt einmal objektiv ansieht……: Seit dem Jahr 2012 versucht die WEB AG Wälder im Waldviertel in Industriezonen zu verwandeln. Alle bisherigen Bemühungen waren erfolglos (Predigtstuhl, Irnfritz, Walterschlag und nun auch Amaliendorf). In Niederösterreich stehen derzeit mehr als 660 Windkraftanlagen (ca. 420 im Burgenland) davon keine einzige in einem Waldgebiet. Im Weinviertel und Industrieviertel sind Waldstandorte von der Verbauung durch WKA dezitiert ausgeschlossen. Nur im Waldviertel versucht die Windinitiative Waldviertel (Kooperation von WEB AG und Wirtschaftsforum Waldviertel) mit großem politischen Druck Industrieanlagen im Wald durchzusetzen. Dass diese Standorte ein hohes Konfliktpotenial mit den Interessen des Naturschutzes beinhalten, war von Beginn an bekannt, auch die Seeadler sind nicht erst seit gestern in der Region. Somit ist die Entscheidung der BH Gmünd klar nachvollziehbar. PRINZIPIELL gehört es verboten in zusammenhängenden Waldgebieten Industrieanlagen zu errichten! Den Wald in Nutzwald, … oder in irgendwelche anderen Bezeichnungen zu unterscheiden, ist völliger Schwachsinn, denn unsere wenigen Urwälder hier brauchen auch unsere Hilfe, da der Mensch halt schon viel zu viel störend in unsere Natur eingegriffen hat. Nicht nur der Tropenwald, sondern auch unser Wald ist eine Sauerstoffreserve, regelt den Wasserhaushalt, ist Lebensraum für den Kreislauf der Natur und Erholungsgebiet für Menschen. Achten wir den Wald und vernichten wir ihn nicht! Erhalten und schützen wir diese Welt für unsere Kinder und deren Kinder.... es ist unsere Pflicht so zu handeln! Herzliche Grüße Zappa und danke fürs Veröffentlichen.

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