Frühere Kinderschutz-Website führt heute gewaltig in die Irre

Frühere Kinderschutz-Website führt heute gewaltig in die Irre

Daniela Toth Daniela Toth, Tips Redaktion, 24.01.2017 15:30 Uhr

GMUNDEN/BAD ISCHL/OÖ. Gegen die missbräuchliche Verwendung einer „aufgegebenen“ Website kann man nicht viel unternehmen. Diese Erfahrung macht derzeit das Kinderschutzzentrum „Balance“, denn auch die Polizei ist machtlos.

In der Vorwoche berichtete Tips über ein Projekt an zwei Gmundner Volksschulen, mit dem Kinder vorbeugend gegen sexuellen Mißbrauch gestärkt werden sollen. Der Artikel hatte unerwartete Folgen: Wie sich durch einen Anruf von „Balance“ bei Tips herausstellte, ist die in der begleitenden Elternbroschüre angegebene Kontaktinformation nicht nur veraltet, sondern führt Hilfesuchende sogar in die Irre.

Polizei machtlos gegen dubiose „Nachnutzung“

Angegeben wird nämlich statt der aktuellen Website des Kinderschutzzentrums „Balance“ eine veraltete Kinderschutzzentrums-Website für Bad Ischl. Diese führt jedoch mittlerweile zu einem dubiosen asiatischen Unternehmen mit zweideutigen Fotos. Dass sich der Inhalt einer früheren Website für Kinderschutz so grundlegend ändern kann, liegt am jeweiligen Inhaber: Das Kinderschutzzentrum Bad Ischl – und auch die Website – wurde bis vor zwei Jahren von den Kinderfreunden betrieben.

Mit der Übergabe des Zentrums an den jetzigen Betreiber, das in Gmunden beheimatete Institut für Psychotherapie, Familienberatung und Kinderschutz „Balance“, gaben die Kinderfreunde die Domain auf. So konnte sie von jedem anderen erworben werden. Eine Gefahr, die laut Experten oft unterschätzt wird – und gegen die es im Nachhinein nur wenig Handhabe gibt: „Wir haben auch schon mit der Polizei Kontakt aufgenommen, aber leider kann man hier überhaupt nichts tun“, bedauert man bei „Balance“.

„Balance“: Hilfe nicht nur bei sexuellem Missbrauch

Bei schwierigen Situationen im familiären Umfeld stehen hier erfahrene Psychotherapeuten und Psychologe mit Rat und Tat zur Seite. „Erfreulicherweise rufen heute viele Menschen bereits an, bevor etwas eskaliert. Zum Beispiel Eltern, die sich in der Erziehung überfordert fühlen, oder Jugendliche, die im Ablösungsprozess von zuhause Probleme erleben und sich bei uns Hilfe holen“, stellt „Balance“-Leiterin Sabine Mair-Fellner in den letzten Jahren eine positive Entwicklung fest.

Das vom gleichnamigen gemeinnützigen Verein getragene Institut „Balance“ wird von der öffentlichen Hand unterstützt. Man arbeitet in Kooperation mit der Kinder- und Jugendhilfe, „allerdings gibt es eine Verschwiegenheitspflicht“, betont Mair-Fellner.

Das „Balance“-Angebot umfasst Therapie und Beratung für Erwachsene, Kinder und Jugendliche sowie eine kostenlose Familienberatung bei Gericht (juristisch und psychosozial) jeden Dienstag Vormittag. Auch eine Prozessbegleitung bei Gericht ist möglich. „Wir stehen auch beratend zur Verfügung, wenn jemand eine Anzeige überlegt“, erklärt Mair-Fellner. Angeboten wird auch eine Supervision für „beteiligte Berufe“ in Fällen von Gewalt in der Familie – etwa Lehrer oder Kindergärtnerinnen. Insgesamt finden an beiden „Balance“-Standorten jährlich über 300 Menschen Rat und Hilfe.

 

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