Jetzt beginnt die Hochsaison für Verletzungen bei der Waldarbeit

Jetzt beginnt die „Hochsaison“ für Verletzungen bei der Waldarbeit

Daniela Toth Daniela Toth, Tips Redaktion, 01.11.2017 12:08 Uhr

GMUNDEN. Im November und Dezember, während der „Holzernte“, passieren die meisten Waldunfälle, über 20 Menschen verlieren dabei jedes Jahr ihr Leben. Auf dem Gelände der Forstlichen Ausbildungsstätte (FASt) Ort in Gmunden demonstrierte Forstlehrer Siegfried Sperrer auf Einladung des Kuratoriums für Verkehrssicherheit (KFV), welche Gefahren im Wald lauern und wie man sich dagegen schützen kann.

Wer es noch nie vorher erlebt hat, ist beeindruckt: Die laufende Kettensäge berührt das Hosenbein – und binnen Sekundenbruchteilen, noch bevor der Stoff ganz durchgesägt ist, stoppt der Antrieb. Das „Geheimnis“ dahinter sind ins Material der Sicherheitshose eingearbeitete reißfeste Fäden, die aus der Hose gerissen werden, sich um das Antriebsrad der Säge wickeln und es blockieren, erklärt Siegfried Sperrer. Ebenso einprägsam fällt die Demonstration der Helmschutzwirkung aus: Ein drei Kilo schwerer Ast, der aus mehreren Metern Höhe nach unten fällt, erreicht durch die Aufprallgeschwindigkeit einen Druck von bis zu einer Tonne. Ein Sicherheitshelm kann hier schwere Verletzungen verhindern.

Endstation Krankenhaus: 1500 verletzen sich schwer

Und derer gibt es viele: Alleine bei privat durchgeführten Waldarbeiten werden jährlich mehr als 1500 Menschen so schwer verletzt, dass sie im Krankenhaus behandelt werden müssen, wie eine Erhebung des Kuratoriums für Verkehrssicherheit ergab. Dabei ließe sich ein Großteil der Unfälle leicht verhindern: So führen beispielsweise mangelnde Konzentration und Ermüdung zu Unfällen, vor allem am Nachmittag.

Die meisten Verletzten sind über 50 Jahre alt

Insgesamt passieren rund 35 Prozent der Unfälle im privaten Bereich am Samstag. Männer machen 95 Prozent der Verletzten aus, zwei von drei Betroffenen sind mindestens 50 Jahre alt. Bei Arbeitsunfällen im Bereich der Waldarbeit ist die Hälfte der Betroffenen 50 Jahre oder älter, so das KFV. Die häufigsten Verletzungen beim privaten Waldarbeiten sind mit rund der Hälfte der Fälle Frakturen, meistens betroffen sind Finger, Fußgelenk oder Knöchel und Unterschenkel, erläutert Othmar Thann, Direktor des Kuratoriums für Verkehrssicherheit. Ein knappes Zehntel verletzt sich bei der Arbeit mit der Motorsäge.

Private Forstarbeiten: Nur jeder Fünfte trägt einen Helm

Trotz dieser hohen Risiken hat sich das Tragen der Sicherheitsausrüstung bei privaten Waldarbeiten noch immer nicht ganz durchgesetzt, bedauert Wolfgang Jirikowski, Leiter der Forstlichen Ausbildungsstätte Ort. Auch wenn im bäuerlichen Bereich insbesondere in der jungen Generation bereits viele auf Profi-Kleidung setzen, so verzichten etwa vier von fünf Personen bei privaten Waldarbeiten auf das Tragen eines Schutzhelmes.

Oberösterreich ist Vorreiter in Sachen Waldsicherheit

Wichtig seien deshalb auch Schulungen – ein Bereich, in dem Oberösterreich zu den Vorreitern zählt, so Othmar Thann. Im Gegensatz zu den meisten anderen Bundesländern muss hier jeder Neo-Waldbesitzer binnen drei Jahren forstliche Grundkenntnisse nachweisen.

Achtung auch für Spaziergänger und Wanderer

In der Zeit der „Holzernte“ ist auch für Wanderer und Wald-Spaziergänger erhöhte Aufmerksamkeit geboten: Ausgeschilderte Sperrflächen aufgrund von Waldarbeiten müssen im eigenen Interesse unbedingt beachtet werden, betont Wolfgang Jirikowski, Leiter der Forstlichen Ausbildungsstätte Ort.

Abgesperrte Flächen können übrigens auch auf das Eschentriebsterben hinweisen: Befallene Bäume werden dürr und können unvermittelt abbrechen oder umfallen. Das Bundesforschungszentrum für Wald (BfW) rät daher vor allem in Auwäldern und bei bachbegleitenden Wäldern zu besonderer Vorsicht – besonders auch nach dem jüngsten Sturm.

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