Künstler Hans Kienesberger verstorben

Künstler Hans Kienesberger verstorben

Daniela Toth Daniela Toth, Tips Redaktion, 05.02.2019 14:44 Uhr

GMUNDEN. Der international geachtete Künstler Hans Kienesberger ist am 3. Februar einem Krebsleiden erlegen.

Readymades, Realsatire und Karikaturen, historische Fotoplatten und andere Dachbodenfunde, gebündelt für die damals in den 1980ern neuartige postalische Galerie „Der Traunseher“, die er mit Walter Pilar und Peter Putz gründet und versendet. Zeitgeschichtliches Schürfen im Salzkammergut und eine klare antifaschistische Haltung in dieser seiner geliebten Heimat. Drehbuchautor, Musiker, experimenteller Fotograf. Aktivist im KunstRaum Gmunden und in der Künstlergilde Salzkammergut, dem heutigen „Kunstforum“.

Farbschleier und zerrinnende Wolken, gewoben aus echtem Purpur. Immer wieder Fratzen und Verrenkungen, die in einem ruppigen Informel enden. Ihrer Bedeutung beraubte Zeichen, die außer Kontrolle geraten, sich ungehemmt vermehren, explodieren wie Protuberanzen und die er schließlich doch bändigt und mit kontemplativer Strenge zu Mandalas ordnet. Bilder eines Buddha, dem es gelingt dem Geplapper der Welt zu entkommen.

Vielfältiger Künstler, Förderer der Art Brut

Das ist der unvollständige Versuch, schlagwortartig Facettenreichtum, Versuche und Entwicklungsphasen des Malers Hans Kienesberger abzubilden. Eines darf allerdings keinesfalls fehlen: Hans Kienesbergers  Begeisterung für die Art Brut, die Kunst beeinträchtigter Menschen. Er stand über viele Jahre in engem Kontakt mit der Kunstwerkstatt der Gmundner Lebenshilfe, arbeitete mit den dort tätigen Kollegen auf Augenhöhe in vielen Workshops und begleitete sie sogar auf Malreisen ins Ausland.

Hierdurch wird der vielleicht wesentlichste Antrieb des Künstlers Hans Kienesbergers erkennbar, sein Versuch zum rohen Kern des Schöpferischen vorzudringen, alle Zensur, Moden und Verzierungen kultureller Kunst wegzulassen, Kunst als Ausbruch, als ein ständiges Ausbrechen zuzulassen. Hans Kienesberger war nicht bloß ein Kreativer, er untersuchte das Schöpferische an sich, und zwar in doppeltem Sinn. Er erforschte es auf einer philosophischen Ebene und unterzog sich selbst immer wieder einer peinlichen Befragung. Ein Beispiel: Er malte im Hochsommer auf dem Dachboden und beobachtete staunend, was die Backofenhitze mit ihm anstellte. „Bilderbäcker“ haben seine Freunde den aus einer Bäckerfamilie stammenden Traunkirchner gern genannt.

Die Kunstszene des Salzkammergutes hat einen charismatischen, warmherzigen Weisen verloren, ihren Spiritus Rector. Eines kann trösten: Hans Kienesbergers Spirit ist und bleibt sehr lebendig - im Schaffen und in der Inspiration vieler Menschen, denen er hier Freund, Begleiter, Mentor und Vorbild war.

 

(Text: Josef Aigner)

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