Viele Arbeitnehmer trauen sich nicht, ihre Ansprüche geltend zu machen

Viele Arbeitnehmer trauen sich nicht, ihre Ansprüche geltend zu machen

Daniela Toth Daniela Toth, Tips Redaktion, 09.02.2018 07:30 Uhr

BEZIRK GMUNDEN. Dass die Arbeiterkammer als Vertretung der Arbeitnehmer gefragt ist, zeigt sich bei den Zahlen, die Bezirksstellenleiter Martin Kamrat im Rahmen einer Pressekonferenz präsentierte: So wandten sich im Vorjahr 8.854 Mitglieder mit arbeits- und sozialrechtlichen Fragen an die AK Gmunden – ein Viertel mehr Menschen als im Jahr davor.

Vor allem die telefonischen Beratungen nahmen zu, die persönlichen Beratung blieben annähernd gleich. Auffällig sei, so Kamrat, dass sich immer mehr Menschen zwar über ihre Ansprüche informieren, dann aber keine Schritte setzen möchten, um sie durchzusetzen. Dies könne man so interpretieren, dass viele Arbeitnehmer ihre Ansprüche aus Angst nicht geltend machen, vermutete der AK-Bezirksstellenleiter.

Dies bestätigte Elfriede Schober, Vizepräsidentin der AK OÖ und Miba-Betriebsratsvorsitzende: Landesweit erfolgen fast 90 Prozent aller Vertretungsfälle, wenn das Arbeitsverhältnis beendet wird.

3,6 Millionen Euro für Arbeitnehmer „erstritten“

Die AK Gmunden brachte im Vorjahr durch außergerichtliche Interventionen über 200.000 Euro an vorenthaltenem Entgelt für ihre Mitglieder ein, weitere 640.000 Euro mussten beim Arbeitsgericht erkämpft werden. Hauptgründe für Interventionen sind Differenzen um die Abrechnung am Ende von Dienstverhältnissen, gefolgt von nicht bezahltem laufenden Entgelt, die Anfechtung von Kündigungen und Entlassungen sowie Einsprüche gegen ungerechtfertigte Arbeitgeberforderungen. In einigen Fällen musste sogar ein Exekutionsverfahren eingeleitet werden.

In Sozialrechtsangelegenheiten (Ansprüche aus Invaliditäts- und Berufsunfähigkeitspension sowie Pflegegeld) erstritt die AK Gmunden im vergangenen Jahr rund 1,8 Millionen Euro. Deutlich mehr Arbeitnehmer als im Jahr zuvor waren von Insolvenzen ihrer Dienstgeber betroffen: 148 gegenüber 106 im Jahr 2016. Auch hier unterstützte die AK ihre Mitglieder bei der Durchsetzung ihrer Forderungen. Zählt man alle Bereiche zusammen, so erreichte die AK Gmunden im Vorjahr Zahlungen von 3,62 Millionen Euro.

Kurze Verfallsfristen als „Falle“

Dass es für Mitarbeiter teuer werden kann, wenn sie zu lange auf ihre Forderungen warten, zeigt das Beispiel eines Kochs: Laufend angeforderte Überstunden wurden trotz Aufforderung nicht bezahlt. Nach der Kündigung errechneten die Rechtsexperten der AK Gmunden offene Ansprüche von 4522 Euro – Geld, dass er über Einsatz der AK auch erhielt. Weitere 1000 Euro an offenem Überstundenentgelt konnten jedoch nicht eingeklagt werden. Sie waren aufgrund der kurzen Fristen – bei Köchen betragen diese nur vier Monate – bereits verfallen.

In diesem Zusammenhang bekräftigten Elfriede Schober und Martin Kamrat die Forderung der Arbeiterkammer nach einer Abschaffung der kurzen Verfallsfristen. Bis dahin rät die AK Betroffenen, offene Ansprüche rasch und schriftlich einzufordern, um einen Verfall zu verhindern.

Probleme mit Reha-Geld

„Auch das Sozialrecht beschäftigt uns gut“, betonte Kamrat. So habe man für eine Arbeitnehmerin, die an den schweren Folgen einer 2012 erlittenen Krebserkrankung und der Chemotherapien leidet, eine Weiterzahlung des Rehageldes erwirkt. Selbst auf kleine körperliche Anstrengungen reagiere der Körper der Frau mit ausgeprägten Erschöpfungszuständen. Dennoch entzog ihr die Pensionsversicherungsanstalt 2016 das Rehageld, da sich ihr Gesundheitszustand „wesentlich verbessert“ habe. Der AK gelang es mithilfe mehrere Sachverständigengutachten nachzuweisen, dass die Frau nicht arbeitsfähig ist. Sie erhält nun weiterhin – befristet – Rehageld. Falls sich ihr Gesundheitszustand nicht wesentlich bessert, wird sie die AK auch beim Auslaufen der nächsten Befristung unterstützen.

Mehr Anfragen von Handelsangestellten

Lange waren Gastronomie und Arbeitskräftevermittler jene Branchen, aus denen die meisten Anfragen an die Arbeiterkammer kamen. Seit zwei Jahren hole der Handel jedoch kräftig auf, so Martin Kamrat, der gleichzeitig betont, dass es ihm nicht um pauschale Verunglimpfungen gehe: „Es gibt viele gute Dienstgeber!“ Auffallend sei auch, das drei Viertel der Anfragen an die AK aus dem „nicht organisierten“ Bereich komme – aus Unternehmen ohne Betriebsrat und von Personen, die keiner Gewerkschaft angehören, so Kamrat.

Umfassendes Angebot um sieben Euro pro Monat

Gefragt nach Auswirkungen des aktuellen Regierungsprogramms auf die Arbeiterkammer betonte Elfriede Schober, dass es derzeit noch keine genauen Informationen gäbe, „die Richtung freut uns aber nicht“. Als Beispiel nannte sie den Zwölf-Stunden-Tag, aber auch eine mögliche Schwächung der Arbeitnehmer-Institutionen, etwa der Arbeiterkammer. „Durchschnittlich zahlen Arbeitnehmer sieben Euro pro Monat für die Arbeiterkammer. Wenn sie sich die angebotenen Leistungen am freien Markt holen müssten, würde sie das ein Vielfaches kosten“, so Schober. Die von manchen angedachte Reduktion der Beiträge würde jedem Arbeitnehmer monatlich rund zwei Euro sparen, das aber zum Preis eines wesentlich knapperen Angebots, so Schober.

 

Artikel weiterempfehlen:

Kommentare

  1. Gastuser 10.02.2018 13:27 Uhr

    kostenloser Pflegegeldrechner - Kennt ihr schon den kostenlosen Pflegegeldrechner? www.pflegestufen.at

    0   0 Antworten
+ Jetzt verfassen

Kommentar verfassen






Nostalgiefahrt mit Raddampfer Gisela

Nostalgiefahrt mit Raddampfer Gisela

Es war wieder soweit, am 15. August lud das Traditionskorps Gmunden, K.u.K. Infanterieregiment Nr. 42 Herzog von Cumberland zur 6. Nostalgiefahrt mit dem Raddampfer GISELA am Traunsee ein. weiterlesen »

Getränke Wagner stellt Weichen für die Zukunft und die nächste Generation

Getränke Wagner stellt Weichen für die Zukunft und die nächste Generation

LAAKIRCHEN. Das oberösterreichische Familienunternehmen Getränke Wagner denkt vorausschauend. Die beiden Brüder und Firmeninhaber Rudolf und Erich Wagner haben die strukturellen Voraussetzungen ... weiterlesen »

Klangwelten voller Schönheit

Klangwelten voller Schönheit

GMUNDEN. Am Dienstag, 14.8., sorgten die Wiener Philharmoniker Philharmonic Five für Furore im ausverkauften Saal des Toscana Congresses in Gmunden. weiterlesen »

Spitzenergebnis für junge Traunsee-Segler

Spitzenergebnis für junge Traunsee-Segler

GMUNDEN/TIROL. Die beiden jungen Traunsee-Segler Alexander und Michael Lausecker vom AGS – ASKÖ Gmunden Segeln konnten jeweils Spitzenergebnisse erzielen und mit einem 3. und 4. Platz ihr seglerisches ... weiterlesen »

Bahnhof Bad Ischl schnitt bei Bahntest recht gut ab

Bahnhof Bad Ischl schnitt bei Bahntest recht gut ab

BAD ISCHL. Hauptbahnhöfe von Wels, Linz und Bad Ischl von Fahrgästen recht gut bewertet. weiterlesen »

Landhotel Grünberg am See - Kochkurse und Events

Landhotel Grünberg am See - Kochkurse und Events

GMUNDEN. Kochkurse und Events im Landhotel Grünberg am See. weiterlesen »

Schlendern und genießen in der Kaiserstadt

Schlendern und genießen in der Kaiserstadt

BAD ISCHL. Genuss aus aller Welt beim European Street Food Festival am 25. und 26. August im Kurpark Bad Ischl. weiterlesen »

Wandern für den guten Zweck

Wandern für den guten Zweck

EBENSEE. Benefizprojekt Guardian Hand Project geht in die zweite Runde  weiterlesen »


Wir trauern