Interview: „Wer glücklich ist, lebt länger!“

Daniela Toth Daniela Toth, Tips Redaktion, 01.09.2014 13:53 Uhr

GRÜNAU. Vom 9. bis 11. Oktober findet in Grünau das „BiologicumAlmtal“ statt. Das Symposium gibt einem breiten Publikum Einblick in internationale biologische Spitzenforschung, die durch die Konrad-Lorenz-Forschungsstelle im Almtal eine lange Tradition hat. Unter dem Motto „Gefühle. Warum wir fühlen wie wir fühlen“ wird gezeigt, wie die Erkenntnisse der Biologie den Blick auf den Menschen schärfen können.

Wissenschaftler aus Österreich, Deutschland und den USA sind als Vortragende der Einladung von Kurt Kotrschal gefolgt. Im Interview spricht der in Scharnstein lebende Verhaltensforscher darüber, warum Gefühle so wichtig sind, warum auch Tiere verliebt sein können und warum Gefühlslosigkeit eine Krankheit ist.   Tips: Was haben Gefühle mit Biologie zu tun?Kotrschal: Gefühle entstehen im Gehirn und zwar in Systemen von Nervenzellen, die wir nahezu unverändert mit vielen anderen Tieren teilen. Gefühle treiben Verhalten und sind wichtiger Hintergrund für die Entscheidungsfindung bei Menschen und bei anderen Tieren. Aber obwohl die Gefühlssysteme stammesgeschichtlich uralt sind, verfügen die gerade eben in der Evolution entstandenen Menschen über die wahrscheinlich reichste Palette an Gefühlen. Darüber reden wir im Oktober beim BiologicumAlmtal.Tips: Warum ist das Thema Gefühle wichtig?Kotrschal: Alle Menschen streben nach einem guten, erfüllten, glücklichen Leben. Heute weiß man, dass die wichtigste Basis für ein langes, gesundes und glückliches Leben in einer ausgeglichenen Emotionalität liegt. Da Menschen in jeder Beziehung stark von ihren sozialen Beziehungen und Vernetzungen abhängen, überrascht es nicht, dass eine geborgene, glückliche Kindheit, der passende Platz in der Gesellschaft und eine geglückte Vernetzung mit Partnern und Freunden, unter Umständen auch mit Tieren, zu den wichtigsten Faktoren zählen, ein ausgeglichenes Gefühlsleben zu erreichen.Tips: Haben wir Einfluss auf unsere Gefühle oder sind wir den Schmetterlingen im Bauch ausgeliefert?Kotrschal: Das kommt darauf an. Entscheidungen werden sowohl bei den Menschen als auch bei anderen Tieren in ständiger Abstimmung zwischen Instinkten, Gefühlen und Denkvorgängen getroffen. Dies entspricht auch dem Bau und der Funktionsweise des Gehirns; triumphiert etwa beim Verlieben zunächst der Bauch über den Verstand, so behält letzterer bei vielen Alltagsentscheidungen die Oberhand über die Gefühle. Obwohl es an manchen Montagen netter wäre, im Bett zu bleiben, gehen wir dennoch pünktlich zur Arbeit …Tips: Kann mein Hund genauso traurig, stolz oder fröhlich sein wie ich?Kotrschal: Über die entsprechenden Hirngebiete dafür verfügt er und die Ergebnisse moderner Bildgebender Verfahren, sowie sein Verhalten in den unterschiedlichsten Situationen weisen darauf hin, dass er tatsächlich so fühlen kann. Soweit wir das eben durch Messen, Beobachten und Umlegen unseres eigenen Gefühlserlebens auf den Hund schließen können. Dennoch wird uns das subjektive Gefühlserleben anderer Menschen, geschweige denn das anderer Tiere, letztlich immer unzugänglich bleiben.Tips: Können Tiere verliebt sein?Kotrschal: Mit ziemlicher Sicherheit, und zwar überall dort, wo ein Paar zusammenbleiben sollte, weil es beide Eltern braucht, um die Nachkommen großzuziehen. Monogamie ist evolutionär gesehen eine Anpassung an gemeinsame Betreuung von Nachwuchs, Liebe ist dabei der Kitt, der die beiden zusammenhält. Geheimnisvoll immer noch, was dazu führt, dass man sich verliebt, die dazugehörigen Hirnmechanismen sind aber gut bekannt. So führt Verlieben und auch traute Zweisamkeit zur Ausschüttung des Bindungs- und Beruhigungshormons Oxytocin, welches unter anderem dazu führt, dass man sich aufeinander einstimmt, sich miteinander wohl fühlt und damit auch gut gepuffert ist gegen den Stress des Lebens.Tips: Sind Frauen emotionaler als Männer?Kotrschal: Nicht generell, allerdings weisen alle Untersuchungen auf einen klaren Gender-Unterschied in der Emotionalität der Geschlechter hin. Frauen sind auch aufgrund biologisch bedingter Geschlechterunterschiede sozial interessierter und empathiefähiger als Männer. Im statistischen Durchschnitt zumindest. Auch darum überwiegen in Sozialberufen Frauen bei weitem. Andererseits neigen Frauen dazu, gerade im sozialen Bereich rationalere und weniger risikofreudige Entscheidungen zu treffen als Männer, auch wenn es um Lebensplanung, Umgang mit Geld, Kinder, etc. geht.Tips: Beeinträchtigt Nikotin oder Alkohol unser Gefühlsleben?Kotrschal: Klar. Gefühle sind durch psycho-aktive Substanzen stark zu beeinflussen. So heben praktisch alle legalen und illegalen Suchtmittel das Selbstwertgefühl, dämpfen Sorgen und Ängste, sprechen damit die internen Belohnungssysteme an und sorgen so für Glückszustände. Das erklärt auch ihr Suchtpotential. Die wohl am stärksten angstmindernd und euphorisierend wirkende Substanz ist Alkohol. Damit zählt Alkohol aber auch zu den psychisch und körperlich am stärksten süchtig machenden Substanzen. So sind letztlich die Gefühle, die mit ihrem Gebrauch verbunden sind dafür verantwortlich, dass Alkohol und Nikotin zu den größten Killern der Menschheit zählen – trotz vielfach vorhandener Einsicht in ihre Schädlichkeit. Tips: Ist Empathie ein Gefühl und wenn ja, ist sie angeboren?Kotrschal: Nichts ist angeboren, aber alles ist in unterschiedlichem Ausmaß erblich. Empathie bedeutet die Fähigkeit, sich in die Gefühlslagen anderer einzufühlen und mitzufühlen. Gefühle anderer wirken oft ansteckend, auch übrigens zwischenartlich, also etwa zwischen Hunden und Menschen. Dafür sorgt offenbar das Reflexsystem der Spiegelneurone im Gehirn, es übersetzt Körpersprache und Mimik des Gegenüber in eine korrespondierende Gefühlslage in sich selber. Dieses Mitfühlen mit anderen ist nicht auf Menschen beschränkt und kann auch bei anderen Tieren zu „altruistischen Impulsen“, also zum spontanen gegenseitigen Helfen ohne viel Nachdenken führen. Bei Menschen ist Mitgefühl meist die Basis für eine bewusste Entscheidung, anderen zu helfen.Tips: Welche Faktoren spielen schon in der Kindheit für ein ausgewogenes Gefühlsleben eine Rolle?Kotrschal: In der Regel führt eine zuverlässige und sensible Betreuung der Kleinkinder in ihren ersten Lebensjahren zur Fähigkeit, vertrauensvolle Beziehungen zu anderen auch im späteren Leben einzugehen. Seit John Bowlby spricht man in diesem Fall von einer „sicheren Bindung“. In einem gewissen Ausmaß können allerdings bei den sozial überaus anpassungsfähigen Menschen die Versäumnisse der Kindheit später im Leben aufgeholt werden. Tips: Kann ein Mensch emotionslos sein?Kotrschal: Nein. Die Forderung nach „Emotionslosigkeit“ ist entweder eine Instrumentalisierung zum Zwecke der Machtausübung oder sie entspringt einer Art „emotionalen Analphabetismus“, der darin besteht, dass man sich seiner eigenen Gefühlslagen nur wenig bewusst ist - und damit auch kaum empathiefähig gegenüber anderen. Tatsächliche Emotionslosigkeit ist ein lebensbedrohlicher pathologischer Zustand.  

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