37 Milchrebellen ohne Liefervertrag bangen um Zukunft ihrer Höfe

Claudia Greindl Claudia Greindl, Tips Redaktion, 23.04.2017 10:41 Uhr

GUTAU/OÖ/NÖ.Alltag wie immer herrscht bei den Kühen im Stall von der Bauernfamilie Matscheko vulgo Satzinger. Bei ihren Besitzern ist jedoch seit einigen Wochen nichts mehr so wie zuvor: Gabriele und Manfred Matscheko gehören zu den 37 Milchbauern in OÖ und NÖ, die ab 1. Mai keinen Abnehmer mehr für ihre Milch haben. 

Rund 600 Bauern waren es österreichweit, die vor Jahren bei der Vermarktung ihrer Milch andere Wege als die großen Molkereigenossenschaften gehen wollten. Die Freie Milch erlitt allerdings wirtschaftlichen Schiffbruch, und die meisten Bauern kamen wieder bei ihren früheren Abnehmern unter. 37 von ihnen, darunter im Bezirk Freistadt Familie Matscheko und Josef P. aus Gutau sowie Johannes Bauer aus Liebenau, blieb dieser Weg zurück bisher verwehrt. Die Milchabholung durch die Alpenmilch Logistik sollte eigentlich bereits seit 1. April eingestellt sein, im Notbetrieb wird die Milch der 37 Betroffenen nun zumindest bis zum 30. April eingesammelt.  Was ab 1. Mai mit ihrer Milch passiert, ist unklar.

 Ein paar Sturschädln...

„Diese Ungewissheit ist schlimm“, sagen Gabriele und Manfred Matscheko aus Guttenbrunn. Einst Lieferanten der großen Molkereigenossenschaft Berglandmilch, haben sie sich vor Jahren für die Vermarktung der Milchmenge ihrer heute 13 Kühe über die Freie Milch entschieden. „Natürlich hat es Kritik am Vertrag mit Berglandmilch gegeben, und a paar Sturschädln sind immer dabei, unter anderem ich“, räumt Manfred Matscheko ein. Vom Ausstieg bei Bergland hin zur Freien Milch habe er sich grundsätzlich mehr Verdienst erwartet. Eine Erwartung, die sich auf lange Sicht ins Gegenteil verkehrt hat. Immer mehr Bauern kehrten wieder in den „sicheren Hafen“ der großen Molkereigenossenschaften zurück. „Die Route für den Tankwagen der Freien Milch ist gleich geblieben, aber es war immer weniger Milch abzuholen“, berichtet Matscheko.

Rückkehr-Ansuchen in Bearbeitung

Seitdem er und seine Frau vom bevorstehenden Ende der Milchabholung durch die Alpenmilch Logistik wissen, haben sie mehrfach um einen neuen Vertrag mit Berglandmilch angesucht, in der Hoffnung, der direkt am Hof vorbeifahrende Milchtankwagen würde die 450 Liter jeden zweiten Tag mitnehmen. „Bisher haben wir aber nur zur Antwort bekommen, dass unser Fall bearbeitet wird“, seuftz der Satzingerbauer. Bei Gmundner Milch habe mah sofort eine Absage bekommen. „Jetzt hägen wir in der Luft, ab 1. Mai können wir unsere Milch wegschütten“, fürchtet der 54-Jährige.

„Müssen Kühe abstechen lassen“

Ob sein Sohn die Milchviehhaltung übernehmen will, sei noch nicht sicher. „So viele Ungewissheiten, da kann ich mich auch nicht in Schulden stürzen und statt unserem Anbindestall einen neuen Freilaufstall bauen.“ Und seine Frau pflichtet ihm bei: „Wenn wir keinen neuen Vertrag bekomen, können wir unsere Kühe abstechen lassen, da tut einem schon das Herz weh.“

„Strafaktion für einstige Rebellen“

Für Ernst Halbmayr, den langjährigen Geschäftsführer der Freie Milch Austria GmbH., ist es schlicht und einfach eine Strafaktion gegen die 37 Milcherzeugerbetriebe, ihnen neue Lieferverträge vorzuenthalten. „Das Unterfangen vieler Milcherzeuger, ihre Position in der Wertschöpfungskette maßgeblich zu verbessern, ist aussichtslos und gescheitert.“ Einige Bauern würden nun dazu benutzt, um alte Rechnungen zu begleichen. „Wo die Milch nur von den Tankwägen von Berglandmilch, Gmundner Milch oder NÖM abgeholt wird, sind diese Genossenschaften de facto Monopolisten.“  Der letzte Sammeltanker der Alpenmilch Logistik lege 1050 Kilometer zurück, um die Milch der verbliebenen 37 vertragslosen Bauern einzusammeln. „Für die Großgenossenschaften würde es lediglich 15 Kilometer mehr bedeuten, bei den betroffenen Milchproduzenten zu sammeln. Dass sie keinen Vertrag bekommen, hat nichts mit Markt und Menge zu tun, man will uns nur mundtot machen. Die Bauernfamilien stürzt das in einen psychischen Ausnahmezustand.“ Halbmayr bemühte sich in den vergangenen Tagen noch intensiv um eine Lösung für die 37 Milchbauern. „Ich fühle mich mitverantwortlich, möchte meinen Frieden machen und ziehe mich dann aus der Branche zurück.

“Halbmayr betreibt Kindesweglegung„

Für Josef Greindl, Mitglied des Vorstands der Milchunion Alpenvorland, einer der Trägergenossenschaften der Berglandmilch, geht Ernst Halbmayrs Kritik ins Leere: “Ich sehe es als Aufgabe der führende Funktionäre der Freien Milch, ihre Mitglieder wieder in einen sicheren Hafen zu manövrieren.„ Den großen Genossenschaften die Schuld für den vertragslosen Zustand in die Schuhe zu schieben, sei lächerlich. “Damals, als die Bauern ihre sicheren Lieferverträge gekündigt haben, wurden sie mehrfach darauf hingewiesen, dass es ein großes unternehmerisches Risiko ist, ihre Milch ausschließlich auf dem Handelsmarkt mit freien Preisen zu vermarkten oder als freie Lieferanten ohne Vermarktungsvertrag zu agieren„, sagt der Schönauer.

Bauern bewusst für Risiko entschieden

Jeder Bauer habe sich mit der Kündigung freiwillig für das Risiko entschieden. “Den Molkereigenossenschaften hat die Freie Milch außerdem erhebliche Mehrkosten verursacht, indem bestehende Liefertouren zerrissen worden sind„, betont Greindl. Wenn Ernst Halbmayr nun sage, er ziehe sich aus der Branche zurück , sei das Kindesweglegung. Anlass der Kündigung vieler Lieferverträge war bekanntlich damals unter anderem die Kritik von Bauern am zu geringen Milchauszahlungspreis der Genossenschaften gewesen. Warum die Molkereigenossenschaften mit eigenen Betriebsstätten niemals den höchsten Auszahlungspreis bieten können, liegt für Josef Greindl auf der Hand: “Eigene Betriebsstätten, die laufend modernisiert werden, und gutes Personal kosten viel Geld – dafür haben die Genossenschaftsmitglieder die Sicherheit eines dauerhaft konstanteren Milchpreises.„

Montag: Appell an Genossenschaften um Lieferverträge

Am Montag schildern die 37 Betroffenen, die großteils in das Liefergebiet von Bergland fallen, ihre Lage in einer Pressekonferenz in Groß Gerungs. “Dabei werden wir auch einen Appell an die Berglandmilch für eine gütliche Einigung richten„, sagt Johannes Bauern aus Liebenau, einer der einstigen Milchrebellen, die heute ohne Liefervertrag dastehen.

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Kommentare

  1. Gastuser 24.04.2017 19:02 Uhr

    Startseite - Na diese Zizen auf eurer Startseite den ganzen Tag sind echt der Hammer :)

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