Bürger entblößen Schwächen und Schiebung in Umwidmungsverfahren
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Bürger entblößen Schwächen und Schiebung in Umwidmungsverfahren

Olivia Lentschig Olivia Lentschig, Tips Redaktion, 31.10.2014 08:00 Uhr

Horn. Erneut stellen autonome Bürger ein geplantes Windkraftanlagen-Projekt auf den Prüfstand. Am Beispiel des Windkraftprojektes WA 15 oder auch „die Wild“ zeigten die Referenten der „IG Waldviertel“ (Interessensgemeinschaft aus mehreren Bürgerinitiativen) in einer Pressekonferenz auf, welche Missstände bei der Gutachtenserstellung, bei der Einschätzung in Bezug auf die Bereiche Gesundheit und Tourismus aber auch bei den Entscheidungen auf Gemeindeebene stattgefunden haben.

Gleich eingangs stellte Biologe und Obmann der IG Waldviertel, Manfred Maier, klar, dass er nicht generell gegen die Nutzung einer Alternativenergie wie der Windkraft sei. Ziel der Veranstaltung sei, den einseitigen Informationskampagnen entgegenzutreten und verschwiegene Folgen und Auswirkungen aufzudecken. Zu den gesundheitlichen Risiken meinte Maier: „Neue Studien betonen, dass Infraschall von Windkraftanlagen (WKA) mit großer Sicherheit gesundheitliche Störwirkungen entfalten. Die dauerhafte Beschallung – Tag und Nacht – birgt große gesundheitliche Auswirkungen wie Kopfschmerz, Tinnitus, Konzentrationsschwäche bis hin zu Erkrankungen des Herz-Kreislaufsystems. Es gibt einen eindeutigen Zusammenhang zur Distanz von (WKA), daher wird eine deutliche Abstandserhöhung über 2000 Meter hinaus empfohlen.“   Schützenswertes Öko-System Auch der Naturschutzbund Niederösterreich spricht sich klar gegen eine Errichtung von WKA in der Wild aus. So die Verlautbarung nach der Jahreshauptversammlung. Vogelkundlerin und Botanikerin Doris Walter zeigte dazu die Auswirkungen auf Tier- und Pflanzenwelt auf: „Viele schützenswerte Pflanzen und eine große Vielfalt an Pilzarten kommen in dem Großwaldgebiet “Wild„ vor, ebenso wie Schwarzerlenbruchwälder, Pfeifengraswiesen und Birkensukzessionen. Gerade die Schwarzerlenbruchwälder sind vom Aussterben bedroht, da sie nur unter besonderen Standortbedingungen vorkommen.“   „In einem ökologisch so bedeutenden Gebiet wie der “Wild„ dürfen keine Windräder errichtet werden.“ Zitat, NÖ Naturschutzbund   Wegen ihrer großen Artenvielfalt gilt die Wild als Geheimtipp unter Biologen. Der naturschutzfachliche Wert des Gebiets wird durch die angrenzende Lage des Truppenübungsplatzes Allentsteig noch gesteigert, da dieses Gebiet als Vogelschutzgebiet ausgewiesen wurde. Die in Fachkreisen bekannte Horner Ornithologin und Naturschützerin ergänzte: „Auf den sensiblen Wasserhaushalt, der durch die notwendigen, zahlreichen Drainagen ins Ungleichgewicht gerät und die für die Wild so typischen Feuchtgebiete gefährdet, wird überhaupt nicht eingegangen.“ Walter weiter: „Es existieren über 100 Vogelarten in der Wild. Die akustische Balz der Waldschnepfe beispielsweise würde durch die WKA massiv gestört. Letztendlich werden sich die Tiere nicht mehr hören können und aussterben.“ Zu bedenken gibt sie, dass hier auch zwei Naturdenkmäler auf dem Spiel stehen: „Blumau an der Wild“ (Enzianwiese) und „Ellendser Moor“ Vom Ausverkauf einer Marke sprach Ewald Schrenk, sollte die angepriesene mystische Landschaft nun mit WKA zugebaut werden. So würde nicht nur die Chance des sanften Tourismus zunichte gemacht werden sondern auch mögliche Zuwanderung verhindert. Schrenk insistierte: „WKA schaffen keine Arbeitsplätze, sondern zerstören das Waldviertel.“ Kurt Kienast, der schon seinerzeit an vorderster Front für die Wild kämpfte, als dort eine Sondermülldeponie errichtet werden sollte, befasste sich mit dem Thema der nicht vorhandenen Speichermöglichkeit für Windkraft. „Ein notwendiger Wasserspeicher wie auch die entsprechenden Leitungen sind überhaupt nicht vorhanden. Dies hätte zur Folge, dass die Netze regelrecht durchglühen würden“, so Kienast und kritisierte die einseitige Informationsvermittlung durch die WK-Betreiberfirmen.   „Die Gemeinden wurden finanziell geködert.“ Zitat, Kurt Kienast   Nach eingehender Beschäftigung mit den Gutachten zur strategischen Umweltprüfung zum Windpark WA 15 wies Biologe Wolfgang Lechthaler darauf hin: „Es ist Fachleuten rätselhaft, wieso ein ökologisch so bedeutender Naturraum nicht schon längst zum Naturschutzgebiet erklärt wurde.“ Er zeigte interne Verbindungen und Naheverhältnisse zwischen zweifelhaften Gutachtern und WK-Betreibern auf: „Nur die im Dienst der Windkraftfirmen agierenden Gutachter recherchieren vor Ort viel zu oberflächlich und spielen die Gefahren systematisch herunter.“   „Von mehreren Gutachtern ist bekannt, dass sie sich den Wünschen des Auftraggebers eher verpflichtet fühlen als der Wahrung der wissenschaftlichen Objektivität.“ Zitat, Wolfgang Lechthaler   Am Beispiel einer Chronologie aus dem „Brunner Kurier“ zeigte Jimmy Moser abschließend auf, wie die Gemeindeverantwortlichen Infos zum Thema Windkraft vorenthielten und die Vorgänge in einigen wenigen Zeilen abhandelten. Moser: „Die Gemeinden sind überfordert und fungieren als Steigbügelhalter für die WK-Betreiber. Wo nehme ich als Bürger seriöse Infos her?“
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