Stift Kremsmünster feiert den Stiftertag

Stift Kremsmünster feiert den Stiftertag

Nora  Heindl Nora Heindl, Tips Redaktion, 07.12.2018 18:02 Uhr

KREMSMÜNSTER. Jahr für Jahr gedenkt das Stift Kremsmünster seines Gründers Herzog Tassilo III. von Bayern mit der Feier des Stiftertages an dessen Todestag, dem 11. Dezember. Mit ihm gemeinsam wird auch aller Wohltäter gedacht, die über die Jahrhunderte das Stift gefördert und unterstützt haben.

Am Vorabend um 16.30 Uhr wird die feierliche Gunthervesper gesungen, die ihren Namen nicht etwa dem legendarischen Herzogssohn Gunther, sondern ihrem Komponisten P. Gunther Kronecker verdankt.  Am Tag selbst feiert der Abt um 10 Uhr die Totenmesse für den Bayernherzog und alle Wohltäter. Dazu erklingt ein Requiem in c-Moll von Michael Haydn, gespielt von Chor und Orchester der Stiftskirche.

Das Fest ist unter den Hausfesten des Klosters wohl das originellste und stimmungsvollste, angefangen beim Schmuck der Kirche bis hin zur musikalischen Gestaltung der Liturgie. Das Hochaltarbild wird mit einem großen schwarzen Tuch verhängt – memento mori statt der Verklärung des Herrn. Vor den Stufen zum Presbyterium steht ein „castrum doloris“. In Kremsmünster ist das ein in schwarz gehülltes Gerüst, das wie ein Sarg aussieht und von Kerzenleuchtern in Form von Skeletten umgeben ist. Auf dem Aufbau liegen Herzogshut und Schwert und vergegenwärtigen den toten Herzog. Es wirkt so, als wäre Tassilo eben erst gestorben und nun sei sein Begräbnis.

Eine Geschichte am Rande

Im Anschluss an das Pontifikalrequiem wird nach einem Empfang in der Abtei ins Refektorium des Klosters zum Festmahl geladen, traditioneller Weise gibt es Wildschweinbraten. Den Stiftertag feiert das Kloster heute mit Freunden, Förderern, Partnern und Mitarbeitern des Stiftes.

Das war vor 250 Jahren noch anders, damals erhielten alle Besucher des Klosters eine Fleischspende. Sie war so berühmt, dass zu diesem „Karnissel-Tag“ oder „Gspendt“ Menschen aus dem ganzen Land nach Kremsmünster kamen. Im Jahr 1772, dem Jahr vor seiner Abschaffung, wurden über 27.000 Portionen Fleisch und Brot verteilt; um die 100 Rinder mussten dafür geschlachtet werden.

Der Ablauf der Ausgabe war genau geplant: Im äußeren Stiftshof, wo sich heute Stiftsschank und Klosterladen befinden, stellte man vier Hütten auf, an denen die Menschen vom Markt kommend vorbei geleitet wurden. Hatten sie ihre Portion erhalten, verließen sie das Gelände durch das Eichentor. Damit sichergestellt war, dass jeder auch nur eine Portion bekam, waren dort eigens Wachen postiert. Die Verteilung fand am Nachmittag des Stiftertages statt und war die Aufgabe einiger vom Prior dafür bestimmter Patres, die zu diesem Dienst eine Schürze, Lederhandschuhe und eine Stola trugen. Das gab ein großes Gedränge, sodass es immer wieder auch zu Unfällen und Streitigkeiten kam. Es müssen sehr viele Leute gewesen sein, denn den Berichten zufolge konnten Kinder sogar über die Schultern der wartenden Menschen laufen.

Für Ärgernis sorgten außerdem regelmäßig einige Schüler des Gymnasiums, die an diesem Tag schulfrei hatten und die Zeit nutzten, die Leute mit Schneebällen zu bewerfen. Heute haben die Schüler zwar wie früher frei, doch die Schneeballattacken gehören der Vergangenheit an; mit dem gemeinsamen Gottesdienst ist der Stiftertag für die Schulgemeinschaft des Gymnasiums ein wichtiges Fest.

Übrigens: Über die Zeit ist aus dem traurigen Anlass des Todestages in der christlichen Hoffnung auf die Auferstehung ein Freudentag geworden. Treffend ins Wort bringt dies der Titel eines Gedichts von Adalbert Stifter, das er als Schüler im Stift 1824 über die Gründungssage geschrieben hat: Es ist ein „Freudenfest am Trauerdenkmale“. Mit dem berühmten Dichter und den Feiern seiner Jubiläen hat der Stiftertag übrigens außer dem Namen genau so wenig zu tun wie die Gunthervesper mit dem Herzogssohn.

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