Forderung nach Prüfung und kontroverse Stellungnahmen zu Leitungsplänen

Forderung nach Prüfung und kontroverse Stellungnahmen zu Leitungsplänen

Jakob Weiermair, Leserartikel, 11.02.2014 17:00 Uhr
KIRCHDORF/INZERSDORF. Karl Frais in seiner Funktion als Vorsit­zender der Naturfreunde OÖ rich­tete gegen die geplante Freileitung von Vorchdorf nach Kirchdorf eine Beschwerde an den Verwaltungs­gerichtshof. Auch der Alpenverein begrüßte die Initiative. Gemein­sam fordern die Alpinvereine eine Umweltverträglichkeitsprüfung für das Projekt. Herbert Jungwirth, Landes-Naturschutzreferent des Alpenvereins OÖ, erklärt: „Wir begrüßen das engagierte Eintre­ten von Naturfreunden, Bürgern, Gemeinden und der Bürgeriniti­ative “110 kV adé!„ zum Schutze unserer Landschaften. Dieser Ein­satz ist auch zum Wohle jener Bür­ger, die im Bereich der geplanten Starkstromleitungen wohnen.“ Von einer UVP versprechen sich die Beschwerdeführer auch, dass die vorliegende Erdkabel-Alternative geprüft wird. StellungnahmenMichael Frostel, Pressesprecher der Energie AG OÖ, erklärt: „Nach dem Vorliegen der notwendigen Genehmigungen und Bescheide werden die Mitarbeiter der Netz OÖ jetzt noch einmal auf all jene Grundeigentümer zugehen, mit denen wir bisher noch keinen Dienstbarkeitsvertrag abgeschlossen haben. Wir möchten das Projekt noch einmal vorstellen, die Details erklären und allfällige Bedenken zerstreuen.“ Frostel glaubt, dass die Grundeigentümer überzeugt werden können. „Ich gehe davon aus, dass der Großteil der Grundeigentümer an einer einvernehmlichen Lösung interessiert ist und wir dieses Ziel auch gemeinsam erreichen werden“, so Michael Frostel. Das Angebot an die ausständigen Grundeigentümer werde nicht verändert. Michael Praschma, Sprecher der Initiative „110 kV-adé!“, sieht in der Erteilung der Naturschutzbewilligung einen schwerwiegenden Fehler: „Die Bewilligung ist schlicht rechtswidrig. Denn selbst für die BH ist die Freileitung naturschutzrechtlich ein “schwerwiegender Eingriff„. Dieser wäre durch ein Erdkabel völlig vermeidbar.“ Praschma nennt konkrete Punkte aus dem Bescheid, die er bemängelt: „Der Bezirkshauptmann hat alle relevanten Informationen dazu von uns erhalten. Daher ist es unehrlich, wenn der Bescheid vermeintliche Nachteile des Erdkabels aufzählt: Kosten sind überhöht dargestellt, eine “Aufgrabung des Geländes„ über 23 km gibt es nicht, weil das Erdkabel eingepflügt würde usw.“ Weiter zeigt sich Praschma enttäuscht: „Die Behörde hätte die Pflicht gehabt, Natur- und Landschaftsschutz objektiv gegen das Interesse an der Stromversorgung abzuwägen – mit allen Vor- und Nachteilen. Stattdessen hat sie nur das Konzerninteresse der Energie AG bedient.“ Und Praschma weiter: „Die Stromversorgung wäre auch mit dem Erdkabel “langfristig, sicher und effizient„ möglich, wie das Gutachten der TU Graz im Auftrag des Landes festgestellt hat.“ Landtagsabgeordneter und ÖVP-Bezirksobmann Christian Dörfel erklärt auf Anfrage zur geplanten Freileitung: „Der Lückenschluss im Stromnetz ist Voraussetzung für die Sicherung der Betriebsstandor­te und Arbeitsplätze im Kremstal. Die maßgeblichen Bewilligungen liegen nun vor, wobei auch der Um­weltanwalt keine Bedenken gegen die Naturschutzbewilligung hat.“ Nun liege es am Projektwerber die Grundeigentümer zu überzeugen: „Ich gehe davon aus, dass jetzt die Gespräche mit den Grundeigentü­mern wieder aufgenommen wer­den. Ob das Projekt verwirklicht wird, hängt letztlich von deren Zustimmung ab. Es wird daher auf das Verhandlungsgeschick der Energie AG ankommen. Wie schon mehrmals betont, lehnen wir Ent­eignungen im großen Stil ab“, so Dörfel. Die Initiative „110 kv-adé!“ lädt am Donnerstag, dem 13. Februar, um 20 Uhr zu einem Info- und Diskus­sionsabend in die Dorfstube nach Inzersdorf.
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