Asylwerber-Lehrlinge: Chance und Risiko für Betriebe, die kaum Lehrlinge finden

Asylwerber-Lehrlinge: Chance und Risiko für Betriebe, die kaum Lehrlinge finden

Petra Hanner Petra Hanner, Tips Redaktion, 14.11.2017 10:30 Uhr

KLEINZELL/ROHRBACH-BERG. Obwohl es für Betriebe gar nicht so einfach ist, Asylwerber als Lehrkräfte aufzunehmen, haben sich einige Unternehmen dazu entschlossen, genau das zu tun. Eine Geschichte über Hürden und Rückschläge, Hoffnung und Freude.

Peyman (25) hat die Hälfte seiner Lehrzeit zum Landschaftsgärtner bei GartenZauner in Kleinzell schon hinter sich gebracht. Der gebürtige Iraner macht sich gut und freut sich über die Möglichkeit, eine Ausbildung zu absolvieren. Doch vor zwei Wochen die Katastrophe: ein negativer Asylbescheid! „Es ist ungerecht und so enttäuschend für uns. Jeder von uns hat etwas in ihn investiert, sei es Zeit oder einfach Mitgefühl. Und dann kommt das!“, versteht sein Chef Hans Zauner die Welt nicht mehr.

Mehr Unterstützung erhofft

Kennengelernt hat er Peyman bei einer Veranstaltung des AMS. Doch dann die erste Hürde: „Asylwerber dürfen nicht einmal Probearbeiten. Ich hab ihm dann privat ein paar Aufgaben gegeben und gesehen, dass er Talent hat. Ein wenig blauäugig war ich am Anfang auch, denn ich dachte, dass ich von den Behörden unterstützt werde.“ Doch so ein Lehrling braucht einen guten Deutschkurs, der über die Grundlagen hinausgeht. Diese werden aber in Linz angeboten. Also braucht Peyman ein Monatsticket, das alleine schon über 100 Euro kostet, außerdem einen Laptop für die Arbeit. Ein Asylwerber darf aber nicht mehr als 160 Euro im Monat verdienen, alles was darüber hinausgeht, wird ihm weggenommen. „Wie unfair das ist, wird erst dann klar, wenn man weiß, dass ein Asylwerber, der nur im Heim herumsitzt, nur 100 Euro weniger kriegt.“

Können nur hoffen

Trotzdem zieht Hans Zauner eine positive Bilanz: „Man wird zwar zum großen Teil in Stich gelassen, aber man hat Freude damit, wenn jemand die Unterstützung dankbar annimmt und ich würde es wieder tun. Vor allem, weil wir inzwischen sowieso fast keine Lehrlinge mehr bekommen. Wir haben nun Einspruch gegen den negativen Asylbescheid eingelegt und setzen alle Hebel in Bewegung, dass Peyman doch bleiben kann. Wir können nur hoffen!“

Positive Erfahrungen

Aladin (23) kommt aus Syrien und ist seit Jänner 2016 in der Küche der Fleischerei Leibetseder in Rohrbach-Berg angestellt. Chefin Eva Leibetseder hat viele positive Erfahrungen gemacht: „Der Vorteil war, dass Aladin bereits ein Jahr Lehrzeit in St. Martin hinter sich hatte, wir haben ihn dann übernommen. Er konnte deshalb schon gut Deutsch.“ Dass er für den Job genau der Richtige ist, habe sie schnell gemerkt und es sei für sie von Vorteil, dass er schon etwas älter ist.

Lehrlinge händeringend gesucht

Eva Leibetseder: „Natürlich kommen immer wieder kleinere kulturelle Unterschiede zutage, die man dann eben überwinden muss.“ Der renommierte Rohrbacher Betrieb sucht derzeit übrigens händeringend nach Lehrlingen in Küche und Verkauf. „Heutzutage ist das die größte Herausforderung geworden. Wenn sich jemand bewirbt – und das sind nicht sehr viele – dann mangelt es oft an den einfachsten Dingen wie Rechnen oder den Umgangsformen. Wenn die Einstellung passt und einer arbeiten will, dann ist mir das ganz egal, ob er aus Österreich kommt oder eben von woanders..“

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