Lenz Moser V. auf der Suche nach dem perfekten Wein: Ein österreichischer Winzer in China

Lenz Moser V. auf der Suche nach dem perfekten Wein: Ein österreichischer Winzer in China

Martin  Grob Martin Grob, Tips Redaktion, 02.03.2018 11:25 Uhr

KREMS. „Die Nachricht befindet sich im Glas“, sagt Lenz Moser V. Er muss es wissen, schließlich stammt er in 15. Generation aus der berühmten Winzerfamilie Moser in Rohrendorf. Sein Großvater war es, der einst die Hochkultur im Weinbau etabliert hat, die mittlerweile in der ganzen Weinwelt als Gold-Standard gilt. Noch heute spricht man von der „Lenz-Moser-Erziehung“. Vor kurzem hielt der Enkel des Winzerpioniers einen Gastvortrag vor den „International Wine Business“ Studierenden der IMC Fachhochschule in Krems. Moser V. ist Chief Winemaker des chinesischen Weinguts „Chateau Changyu Moser XV“, das nach ihm benannt wurde. Er erzählte den Studenten vom enormen Wachstumspotenzial des chinesischen Weinmarkts, seiner Vision und wie man erfolgreich eine Marke kreiert.

China sei innerhalb der vergangenen 20 Jahre zu einem der wichtigsten Weinmärkte der Welt aufgestiegen. „Die Weinindustrie in China wächst wie die Hölle“, sagt Lenz Moser V. Bis spätestens 2028 werde das Reich der Mitte die USA als Spitzenreiter überholen und somit zum größten Weinkonsumenten der Welt aufsteigen. Und das obwohl der Pro-Kopf-Verbrauch in China gerade einmal bei zwei Flaschen Wein pro Jahr liegt. Zum Vergleich, in Österreich kann man mit 27,8 Liter im Jahr über solche Zahlen nur schmunzeln. Doch China hat einen entscheidenden Vorteil, nämlich seine 1,4 Milliarden Einwohner. Sollte sich der Weinkonsum der Chinesen in den nächsten Jahren lediglich verdoppeln, werde man schon wesentlich früher zur Nummer eins aufsteigen. Passieren werde das ohnehin, denn bis hin zu Generalsekretär Xi Jinping betonen viele Politiker der mächtigen Kommunistischen Partei, „dass die Bevölkerung mehr Wein als Schnaps trinken solle, weil dieser gesünder sei“, so der Weinexperte.

„Spreche noch immer kein Chinesisch“

Um China zu verstehen, müsse man zunächst die kulturellen Unterschiede begreifen, sagt Laurenz Maria Moser. Das beginne bereits mit der Sprache: „Obwohl ich in den vergangenen 30 Jahren insgesamt 49 mal in China war, spreche ich noch immer kein Chinesisch“. Als Geschäftsmann fehle ihm ganz einfach die Zeit, die schwer zu erlernende Sprache zu meistern. Anders als in Europa sei Wein in China jedenfalls kein Billigprodukt. In den Supermarktregalen finden sich kaum Flaschen um drei bis vier Euro. Das habe mehrere Gründe, zum einen seien die Weinproduzenten im drittgrößten Land der Welt hauptsächlich Geschäftsleute und keine Bauern. Andererseits herrsche in China die gängige Meinung vor, dass nur teure Produkte gut seien. Das Hauptproblem sei aber viel weniger der Preis, als viel mehr die Qualität des chinesischen Weins. „Aber die Weinindustrie in China ist gesund und profitabel. Um den Bedarf zu decken, müssen 50 Prozent aus anderen Ländern importiert werden“, weiß Lenz Moser.

In Rohrendorf blieb nur der Name zurück

Der umtriebige Unternehmer betreibt mit Geschäftspartnern in Österreich auch noch das Weingut Laurenz Moser V., das ausschließlich Grünen Veltliner produziert und den Hauptteil davon in die ganze Welt exportiert. Am elterlichen Weingut ist die Familie Moser heute nicht mehr beteiligt. Das Weingut Lenz Moser gehört seit den Nachwehen des Weinskandals 1986 zur Linzer VOG AG. Obwohl der Enkel des berühmten Moser heute mit seiner Familie in Köln wohnt, kommt er gerne nach Rohrendorf zurück, wo er aufgewachsen ist. Seine Eltern waren bei seinem Gastvortrag ebenfalls anwesend. Stolz verkostete Vater Lenz Moser IV. die Weine seines Sohnes aus dem Reich der Mitte. Auf die Frage, warum es ihn nach China verschlagen hat, antwortet der Winzer: „China ist riesig und ein unglaublich vielseitiges Land. Und die Chinesen verlieben sich gerade in guten Wein“.

China als das neue Land der Möglichkeiten

War früher einmal Amerika das Land der Möglichkeiten, ist es laut Moser heute die Volksrepublik. Als junger Mann verließ der Winzersprössling seine Heimat Rohrendorf, um in den USA zu studieren. Danach arbeitete er einige Jahre für das gigantische Napa Valley-Weingut Robert Mondavi in Kalifornien. Moser weiß, wovon er spricht und ist ein Mann der klaren Worte: „Wenn ich heute noch einmal jung wäre, würde ich nach China gehen. Die Menschen sind hungrig und ehrgeizig und sie lieben Europa“. Dabei hätten derzeit gerade einmal zehn Prozent der Chinesen überhaupt einen Reisepass. Die große Welle der chinesischen Touristen stehe uns erst in den nächsten Jahren bevor und damit verbunden wären ungeahnte Chancen. Schon heute verfüge das ehemalige Kaiserreich mit 109 Millionen Menschen über die größte Mittelklasse der Welt.

Ningxia: Das Napa Valley von China

Ningxia ist eine autonome Region im Nordwesten der Volksrepublik China. Es ist eines der kleinsten Gebiete Chinas mit „nur“ knapp 6,2 Millionen Einwohnern. Mit einer Höhenlage auf knapp 1100 Metern und mehr als 3000 Sonnenstunden im Jahr ist Ningxia auch als Napa Valley Chinas bekannt. Dort hat das Weingut Changyu im August 2013 nach einer Investition von 70 Millionen Euro das „Chateau Changyu Moser XV“ eröffnet. Seit 2015 ist Laurenz Moser V. der Chief Winemaker und verbringt insgesamt drei Monate im Jahr in Ningxia. Im Chateau, das im Bordeaux Stil gebaut wurde, findet sich auch ein Museum, das Chinas Weingeschichte huldigt. Immerhin gibt es das Weingut schon seit 1892, als es vom chinesischen Diplomaten Zhang Bishi gegründet wurde.

Ziel: Der beste Wein Chinas

Laurenz Moser hat als Winzer das nicht ganz unbescheidene Ziel, den besten Wein Chinas zu machen: „Ich bin immer auf der Suche nach dem perfekten Traubenmaterial“. Der Weg dorthin scheint noch ein weiter zu sein. Neben dem rauen Klima, das es notwendig macht die Weinstöcke im Winter in der Erde zu vergraben, gibt es auch andere Widerstände, die man schrittweise in Angriff nehmen müsse. Da zum Beispiel das wichtige chinesische Moon Festival jährlich gegen Ende September stattfindet, würde man die Weinlese gerne vorverlegen, damit die Arbeiter bei den Feierlichkeiten dabei sein können. Das beeinträchtige allerdings die Reife und somit die Qualität der geernteten Weintrauben. Außerdem müsse die Arbeitsweise im Weingarten noch deutlich verbessert werden: „Teilweise herrscht absolutes Chaos in den Weinanlagen“, sagt Moser. Hier habe man in den letzten Jahren allerdings schon große Fortschritte gemacht. Derzeit bewirtschafte das Chateau 250 Hektar Rebfläche, davon hauptsächlich Cabernet Sauvignon, Merlot und Welschriesling. Man habe jedoch das Potenzial, jährlich um bis zu 50 Hektar zu wachsen.

Wein muss eine Geschichte erzählen

Beim sukzessiven Wachstum und der Qualitätssteigerung hilft neben den finanziellen Möglichkeiten der Besitzer auch der Innovationsgeist Mosers. Um unerwünschtes Traubenmaterial auszusortieren, habe man etwa eine optische Sortiermaschine um 500.000 Euro gekauft. Für die Lagerung der Rotweine werde ausschließlich französisches Eichenholz verwendet, damit habe man die besten Ergebnisse erzielt. „Der Unterschied zwischen normalem Wein und außergewöhnlichem Wein ist für mich die Liebe zum Detail“, sagt Laurenz Moser V. Er möchte seinen Wein nicht einfach nur in der ganzen Welt verkaufen, sondern eine Geschichte dazu erzählen. Das sogenannte „Brand Storytelling“ spielt für ihn eine wesentliche Rolle. In vielen europäischen Spitzenrestaurants seien die Weine von „Chateau Changyu Moser“ bereits erhältlich, gemeinsam mit Spitzenweinen aus  Bordeaux oder dem Piemont. Ob sich die Bemühungen des österreichischen Winzers im Reich der Mitte lohnen, wird die Zeit zeigen. Doch eines ist sicher: Wer in China erfolgreich ist, hat es geschafft. 1,4 Milliarden Kunden können nicht irren.

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