Frischer Wind im Atelierhaus Salzamt: Die Neuen sind eingezogen

Frischer Wind im Atelierhaus Salzamt: „Die Neuen“ sind eingezogen

Valerie Himmelbauer Valerie Himmelbauer, Tips Redaktion, 08.02.2018 14:22 Uhr

Ein rosa Blütenreigen, der sich von der Decke ergießt, farbenprächtige Helmmasken, die von toxischen Pflanzen inspiriert wurden und noch viel mehr: Drei „der Neuen“ Künstler, die im Atelierhaus Salzamt für die nächsten zwei Jahre ihren Kreativort gefunden haben, stellen bis 16. Februar ihre Werke aus: Elisabeth Altenburg, Nahid Behboodian und Laura Pold zeigen Arbeiten, die während eines Künstleraustausches im Iran entstanden sind.

Seit zwei Wochen sind sie da, „Die Neuen“. Zehn Künstler, die alle einen starken Linzbezug aufweisen, teilen sich die vier stadteigenen Atelierräume, die nach einer Ausschreibung und Jurierung neu belegt wurden. Lentos-Direktorin Hemma Schmutz und Genoveva Rückert, Kuratorin im OK, sowie Salzamt-Leiter Holger Jagersberger waren in der Jury vertreten. „Wir haben 63 Bewerbungen erhalten, hier sieht man deutlich das große Interesse“, freut sich Kulturstadträtin Doris Lang-Mayerhofer und führt aus: „Ich sehe die Artists in Residence-Möglichkeit hier im Salzamt auch klar als Sprungbrett für die Nachwuchskünstler, die neue Chancen für jeden einzelnen eröffnen können.“

„Neue Ideen werden entstehen“

Einer der „Neuen“ Künstler, Sebastian Six, der in Linz lebt und arbeitet, stimmt zu: „Einen Raum bzw. ein Atelier in Linz zu bekommen, das noch dazu nichts kostet, ist super. Denn es ist schwer, sich ein eigenes Atelier leisten zu können und als Künstler monetär zu verdienen. Ich freue mich auch schon sehr auf den gemeinsamen künstlerischen Austausch“, ist Six gespannt: „Es werden bestimmt neue Ideen entstehen und sich kooperative Netzwerke ergeben. Es wird immer wichtiger auch für uns Künstler, dass man ein Netzwerk hat, mit dem man arbeitet und neue Personen kennenlernt.“

„Bewusste Kunstförderung“

Für Julius Stieber, den Linzer Kulturdirektor, steht im Sinne der städtischen Kulturpolitik die Kunstförderung im Fokus: „Das Angebot im Atelierhaus Salzamt ist eine bewusste Entscheidung der Kunstförderung, das ist unsere Aufgabe. Wir könnten das Haus auch anders verwenden, aber es ist eine bewusste Entscheidung der Stadtpolitik, junge Künstler bis 40 Jahre zu unterstützen mit einem Teil des Salzamt-Budgets.“ Als erste Präsentation wird eine gemeinsame Gruppenausstellung ab 18. April stattfinden. Bis dahin und in den nächsten zwei Jahren „soll das Salzamt als offene Plattform dienen, aber auch Schanier und Bindeglied zwischen den Künstlern und Institutionen wie Kunstuniversität und AEC – die Partner sind – sein“, erklärt Holger Jagersberger das Konzept.

Internationale Künstler

Aus Italien, Kanada, Deutschland und natürlich Linz kommen „die Neuen“. Durch ihre internationalen Ausstellungserfahrungen und ihre unterschiedlichen Berufsfelder und gestalterischen Kontexte sollen sich in den kommenden 24 Monaten neue Möglichkeiten des Austausches ergeben. Der Schwerpunkt Media Arts ist auch bei „den Neuen“ erkennbar und zeigt sich verstärkt im aktuellen Ausstellungs- und Diskursprogramm des Salzamts. So stehen heuer die Reflexion aktueller Medienkunst und theoretische und geschichtliche Reflexion von Medien und Bildender Kunst im Mittelpunkt.

 

Rauminstallation „Rosen“

Mit der Rauminstallation „Rosen“ oder „Gewidmet G.“ zeigt Elisabeth Altenburg im Atelierhaus eine Arbeit, die während ihres Künstleraustausches in Teheran entstanden ist. „Ich habe aus Stoff Blüten genäht, die mich an die getrockneten Blüten auf Teherans Märkten erinnert haben“, erzählt Altenburg über ihr faszinierendes Werk. Ein fantastischer Blütenreigen aus 155 von der Decke hängenden, genähten Einzelblüten ziert das Atelierhaus und lädt ein zum Verweilen und dazu, sich genauer mit den Werken der Neuen zu befassen. „Während dem Aufbau der Installation im Salzamt war ich wieder einmal selbst erstaunt und habe mich darüber gefreut, wie so kleine Objekte einen so großen Raum füllen können und eine so poetische Installation geben.“

 

Das sind „Die Neuen“:

Stefan Tiefengraber

http://www.stefantiefengraber.com/

Geboren 1981 in Baden bei Wien. Nach sechsjähriger Beschäftigung bei einer Filmproduktionsfirma, 2010 Verlegung des Lebensmittelpunkts nach Linz. 2012/13 einjähriger Austausch an der Korean National University of Arts in Seoul / Korea. 2015 sechsmonatige Residency (MMCA Changdong) in Seoul / Korea. Stefan Tiefengrabers künstlerische Arbeiten reichen von Performances über Video und interaktive Installationen bis hin zu zeitbasierten Arbeiten wie Experimentalvideos und Dokumentationen. Seine Arbeiten wurden bereits auf zahlreichen nationalen und internationalen Ausstellungen gezeigt. WRO Media Art Biennale 2015 (Wroclaw/Poland), Ars Electronica Festival 2017 (Linz/Austria), O„New Wall Gallery (Seoul/ Korea), TodaysArt 2014 (Den Haag/Netherlands), New Media Gallery 2017 (Vancouver/Canada), Galerie gerken 2017 (Berlin/Germany).

Um seine künstlerischen Arbeiten zu schaffen, bedient sich Stefan Tiefengraber verschiedener Techniken, von Digital- und Social-Media basierenden Arbeiten (“User Generated Server Destruction„, “Senseless Tweet„), zu Audio/ Video Noise-Performances (“WM_EX10 TCM_200DV A1.2FPP BK26„, “Radio 433„), sowie Experimentalvideos. Einerseits lässt Tiefengraber RezipientInnen durch Interaktion oder die Erzeugung eines Erlebnisses, Teil des Kunstwerkes werden. Andererseits benutzt er Video und Sound um statische oder sehr langsame Sequenzen zu schaffen, um Zeit und Möglichkeit zu geben, zu beobachten und in das Geschehen oder Nicht-Geschehen einzutauchen.

Sebastian Six

https://sebastiansix.net/

*1980 in Vöcklabruck

Lebt und Arbeitet in Linz.

Absolvent der Kunstuniversität Linz

Raumakustische Experimente in Verbindung mit Alltagsgegenständen, skulpturale Assemblagen bzw. die physische Komponente von Klang sind die zentralen Elemente musikalischer als auch visueller Kompositionen von Sebastian Six. Die Arbeiten thematisieren das Interesse an Momenten, in denen Lärm als Klang und Klang als Musik wahrgenommen wird und erforschen Unterschiede zwischen dem Hören und Zuhören.

Seit 2004 arbeitet er gemeinsam mit Clemens Mairhofer und Lucas Norer in der Künstlergruppe FAXEN (http://faxencollective.net) zusammen.

Darüber hinaus entwickelt Six kuratorische Projekte in den Bereichen Kunst, Elektronische Musik und ist Mitbegründer des Off-Space bb15 in Linz sowie Gründer des Plattenlabels lauthals.org.

Außerdem seit 2011 Mitglied der Midi Marsch Musik Kapelle Linz.

Marie-Andree Pellerin

http://marieapellerin.info/

*1986 in Quebec, Kanada

seit 2017 PhD in Art-Practice, Kunstuniversität Linz

2013-2015 Dutch Art Institute (DAI), Master of Fine Art, Niederlande

2010-2011 Graduate Certificate in Design and Computation Arts, Montreal, Kanada

2005-2009 Bachelor in Architektur, Université de Montréal, Kanada

Davide Bevilacqua

http://www.davidebevilacqua.com/

“Davide arbeitet an der Schnittstelle zwischen Medien und Bildender Kunst und interessiert sich für ihre gemeinsamen Wurzeln und die Ausdifferenzierung zu parallelen, heute immer noch wenig korrespondierenden Systemen. Seiner Arbeitsweise entsprechend, überschreitet und verwischt er die Grenzen zwischen Kunstwerk, Display und Interface. Seine Arbeiten werden oft selbst zu einer Art Interface, zu einer Schnittstelle, die offene Lücken bespielt und hinterfragt.„ (Genoveva Rückert)

Ausbildung

2012 – 2017 Master of Arts, Interface Cultures, Kunstuniversität Linz, Austria

2008 – 2011 Bachelor of Arts, Visual and Performing Arts, IUAV, Venice, Italy

Florian Kofler

http://www.villamondeo.com/

1986 in Meran (IT) geboren

Lebt und arbeitet in Linz

seit 2014 Studienassistenz am Institut für Zeitbasierte Medien - Kunstuniversität Linz

seit 2011 Dokumentar- und Kurzfilmproduktionen gemeinsam mit mit Julia Gutweniger

seit 2010 Studium der Zeitbasierten Medien, Kunstuni Linz (geplanter Abschluss Anfang 2018)

2007-2010 Bakkalaureatsstudium Zeitbasierte und Interaktive Medien, Kunstuniversität Linz

Laurien Bachmann

http://laurienbachmann.com/

“In meinen Arbeiten kombiniere ich häufig themen- oder ortsbezogene Fundstücke mit digitalen Medien wie Fotografie, Video und Sound, welche mitunter auch raumgreifend installiert werden. Die Wahrnehmung von Raum bzw. bestimmten Räumen sowie kollektive und persönliche Erinnerungen sind für mich wiederkehrende gedankliche Ausgangspunkte. In meinen Arbeiten versuche ich Beobachtungenauf diesem Feld in Form von Stand- und Bewegtbildern zu inszenieren, um in Folge die Wahrnehmung der Betrachter herauszufordern.„

*1992 in Gmünd/Kärnten

lebt und arbeitet in Linz

AUSBILDUNG

2017 Diplom Kunstuniversität Linz, Bildende Kunst / Experimentelle Gestaltung

SS 2016 Eesti Kunstiakadeemia Tallinn, Bildende Kunst / Installation und Skulptur

SS 2013 Universität der Künste Berlin, Bildende Kunst / Kunst im Kontext

Sun Li Lian Obwegeser

http://sunobwegeser.net

*1981 in Tirol, lebt und arbeitet in Linz.

Ihre Arbeiten zeichnen sich vielfach durch zufällig entstehende und unbeabsichtigte Zusammenhänge aus, die gerne zu unerwarteten Schlüssen führen. In ihren künstlerischen Arbeiten gelten andere Regeln als im Alltag, dadurch werden die verwendeten Alltagsgegenstände einer inhaltlichen Umwandlung unterzogen. Objekte und Installationen sind trotz der Anwendung aleatorischer Prozesse bewusst gesetzte Kompositionen, Konzepte und Statements.

2007-2015 Bildende Kunst, Experimentelle Gestaltung, Kunstuniversität Linz

2011-2012 Hogeschool Sint Lucas Antwerpen, Belgien

seit 2009 Mitglied bei qujOchÖ (Kollektiv in Linz)

seit 2014 Mitglied bei der Künstlerinnenvereinigung MAERZ

Rico Hentschel

https://ricohentschel.wordpress.com/

1974 geboren in Dresden (D), lebt und arbeitet in Linz und Kronstorf

Seit 2012 Studium der bildenden Kunst Bildhauerei - transmedialer Raum und

Studium der Kulturwissenschaft an der Kunstuniversität Linz

“In meiner Arbeit erkunde ich im Sinne eines erweiterten Architekturbegriffes Raumstrukturen mit sozialer Priorität und verdichte sie zu einem installativ szenografischen Raum- Porträt, welches im Spannungsfeld der Abstraktion, Grenzsetzungen in Ordnungs- und Wahrnehmungsprinzipien auslotet.„

Elisabeth Altenburg

http://elisabethaltenburg.blogspot.co.at

*1983, lebt und arbeitet in Linz

2005 - 2010 Kunstuniversität Bildhauerei-Transmedialer Raum (Mag.art.)

2008 - 2009 Kunstakademie Tallinn, Estland

2002 - 2003 Kunstuniversität Burg Giebichenstein, Halle/Saale, Deutschland

2003 - 2005 Goldschmiedin

David Wittinghofer

https://davidwittinghofer.wordpress.com

“ was bedeutet es eigentlich, kunst zu machen bzw. künstler_in zu sein? ich beschäftige mich vorwiegend mit dem menschlichen körper und seiner vielseitigen rolle in der kunstproduktion. dieses weite themenfeld betreffende fragestellungen, sowie konkrete bezüge zur kunst anderer, dienen immer wieder als inhaltliche ausgangspunkte für rechercheprozesse. gleichzeitig reflektiere ich fortlaufend in bzw. durch künstlerische arbeiten mein eigenes tun, in welchem dreidimensionale, performative und dokumentarische elemente oftmals einander ablösen.„

Seit 2014 Kunstuniversität linz / bildende kunst – kulturwissenschaften

seit 2011 Kunstuniversität linz / bildende kunst – experimentelle gestaltung (Abschluss 2018)

2016 Eesti kunstiakadeemia tallinn (est) / installatsioon ja skulptuur

 

Die aktuelle, sehenswerte Ausstellung ist bis 16. Februar bei freiem Eintritt und nach Terminvereinbarung unter 0732/70701959 zu besichtigen.

Info: salzamt-linz.at

Gruppenausstellung

Alle „Neuen„ bieten ab 18. April einen ersten Blick in ihre Kunst. Im Herbst wird das Projekt „100 Meter Stadt – 10 KünstlerInnen – 10 Tage“ im öffentlichen Raum stattfinden

 

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