Alfred Dorfer und Angelika Kirchschlager im Interview: Eine Liebeserklärung an die Klassik

Alfred Dorfer und Angelika Kirchschlager im Interview: „Eine Liebeserklärung an die Klassik“

Karin Seyringer Karin Seyringer, Tips Redaktion, 11.06.2018 18:34 Uhr

LINZ. Dass Klassik und Komik ganz wunderbar zusammenpassen, beweisen Mezzosopranistin Angelika Kirchschlager und Kabarettist Alfred Dorfer gemeinsam am Samstag, 16. Juni im Linzer Musiktheater. Tips hat sich mit den beiden vor der Premiere des Programms „Tod eines Pudels“ unterhalten.

Tips: Eine Mezzosopranistin und ein Kabarettist gemeinsam auf der Bühne: Wie kommt man darauf?

Dorfer: Die Idee stammt vom Konzerthaus in Wien, da gibt„s eine Reihe, 'Klassik trifft Komik', da ist man an uns beide herangetreten. Der Titel rührt von einem Lied von Beethoven. Das ist auch das erste Lied des Abends. Der Abend ist eine sehr variantenreiche Abwechslung von Monologen meinerseits und Liedern der Frau Kirchschlager, von gemeinsamen Dialogen, dann sing ich ein Lied mit ihr im Duett. Man versucht die Formen einfach aufzubrechen.

Tips: Verstehen Sie sich beide gut? Stimmt die Chemie?

Kirchschlager: Ja, gottseidank (lacht), das ist immer ganz wichtig. Wenn man mit jemandem auf der Bühne steht und die Chemie nicht stimmt, hat das Publikum nämlich auch gar nichts davon.

Tips: Was dürfen denn die Besucher genau erwarten?

Dorfer: Es geht darum: Was bedeutet der Beruf, man kann ein bissl hinter die Kulissen schauen, all die Dinge, die man sonst nicht weiß. Aber es ist nicht eine Aneinanderreihung von Anekdoten, sondern eine wirkliche Liebeserklärung an die Klassik. Jetzt ist es ja so, dass ich nicht aus der Klassik komme – wohl sehr affin bin –, aber ich natürlich die Schattenseiten der Klassik-Branche nicht kenne. Bei mir ist das eher so eine Liebe aus Distanz. Frau Kirchschlager hingegen kennt wahrscheinlich alle Seiten der Klassik und insofern ist das auch ein bissl ein Vergleich: Was ist bei unserem Job von Bedeutung, was ist bei ihrem Job von Bedeutung.

Tips: Mit “eine Geisterbahnfahrt durch die seltsamen Hintergründe der Klassik-Branche„ wird das Programm auch beschrieben ...

Dorfer: Das könnte man so bezeichnen, wobei es natürlich nie darum geht, das Ganze zu desavouieren oder zu sagen: Das ist deppert. Es ist ein liebevolles Ironisieren.

Tips: Haben Sie ein Beispiel für einen kuriosen Hintergrund?

Dorfer: Naja, also ein ganz wesentlicher Teil unseres Berufs ist die Garderobe. Das ist quasi der letzte Raum, wo man vereinsamt (lacht), bevor man auf die Bühne steigt. Das Wesentliche an diesen Garderoben ist, dass ein überwiegender Prozentsatz – ich sag immer 80 Prozent der Garderoben – einfach nur schiarch sind, weil es meistens eine sterile, sehr kalte Geschichte ist. Oder dass es eben Bürgermeister gibt, die in der ersten Reihe sitzen und SMS schreiben oder dass Lokalpolitiker und Raiffeisen-Sponsoren vor der Veranstaltung eine Rede über Kunst ansich halten (lacht).

Tips: Von Beethoven bis Brahms wird zu hören sein – wer hat die Liederauswahl getroffen?

Kirchschlager: Ich hab die Lieder mal gesucht und zum Vorschlag unterbreitet. Die Lieder passen thematisch zu dem, worüber wir sprechen. Es gibt ja ein unfassbar breites Repertoire, es gibt das Lied von Beethovens unsäglichem Pudellied (lacht) über die ein oder andere Arie, es ist von jedem Genre etwas dabei. Es geht dann auch in Richtung Musical und sehr lustige Lieder, die schon lustig komponiert sind im Sinne von: Wie schwer es ein Mezzosopran hat, der immer nur Hosenrollen singt und eigentlich auch gerne mal sexy wär. Da gibt's fantastische Nummern. Und dann geht's zum Wienerlied, zu Liedern, zu denen ich eine persönliche Beziehung habe. Das klingt jetzt nach so vielen Liedern, aber es geht ziemlich zügig voran und die Lieder unterscheiden sich sehr voneinander. Man darf es sich nicht so vorstellen, dass da ein paar klassische Lieder gesungen werden, während die Lachshow abgeht. Es ist ein wirklich schöner Bogen, den der Herr Dorfer in diese Lieder hineingeschrieben hat.

Tips: Nervös?

Kirchschlager: Nach der Premiere wird es uns wahrscheinlich besser gehen, wenn das Baby auf der Welt ist. Die Proben machen irrsinnig Spaß... Aber ich weiß gar nicht, wie es bei den Komikern ist?

Dorfer: Die proben nicht.

Kirchschlager: Aja, die sind ganz cool (lacht). Also in der Klassik ist es jedenfalls so, solange ein neues Repertoire nicht einmal aufgeführt wurde – es muss auf die Welt gebracht werden, und dann ist schlagartig alles gut. Aber ich glaube, wir können sehr zuversichtlich sein.

Dorfer: Ich bin grundsätzlich nicht wahnsinnig oft nervös, ich weiß aber, dass dieses Gefühl, wo dann die Nieren anfangen zu pumpen und die Atmung kürzer wird, das wird sich sicher einstellen. Und zwar bei mir traditionellerweise in der Früh des Aufführungstages, wo man sich dann denkt: Jetzt haben wir noch zehn Stunden. Das ist die schlimmste Zeit.

Tips: Gibt's ein Ritual vor einem Auftritt?

Dorfer: (lacht) Das darf ich glaub ich nicht sagen ... Ich trink einen Kaffee und rauch eine. Aber Raucher sind ja ganz böse mittlerweile und Kaffeetrinker wahrscheinlich auch (lacht).

„Tod eines Pudels“: Angelika Kirchschlager und Alfred Dorfer; am Klavier: Florian Krumpöck.

Samstag, 16. Juni, 19.30 Uhr, Musiktheater (Großer Saal)

Tickets: www.landestheater-linz.at

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