Manuel Thalhammer: Man muss auch als Lehrer über sich selbst lachen können

Manuel Thalhammer: „Man muss auch als Lehrer über sich selbst lachen können“

Valerie Himmelbauer Valerie Himmelbauer, Tips Redaktion, 10.07.2018 11:24 Uhr

Linz/Feldkirchen/Ansfelden. Manuel Thalhammer ist Slam Poet aus Leidenschaft, und das sehr erfolgreich. Der 32-jährige Linzer ist aber auch als Kabarettist unterwegs, im Vorjahr hat er für sein Programm „Lehrer ohne Klasse“ sogar den Grazer Kleinkunstvogel Publikumspreis gewonnen. Beim Feldkirchner Straßenspektakel und im Herbst im Kulturzentrum Hof zeigt der gebürtige Salzburger, warum die Bühne sein Zuhause und „Linz die wunderbarste aller Städte“ ist.  

Tips: Du bist Slam Poet, Kabarettist, ausgebildeter Pädagoge und Lehrer. Wie passt das zusammen?

Manuel: Zuerst habe ich Großhandelskaufmann gelernt, dann die Ausbildung zum Lehrer gemacht. Laientheater und Improtheater waren die Anfänge, dann kam der Poetry Slam dazu und jetzt auch noch die Kabarettbühne. Ich habe mir selbst im Posthof einen Poetry Slam angehört, als der Hype um Julia Engelmann auch bei uns durch die Decke ging. Dann habe ich gehört, dass es auch offene Veranstaltungen gibt, wo man seine eigenen Texte vortragen kann und dann hab ich einen Text dafür erarbeitet.

Tips: In deinem Text „Linz du wunderbarste aller Städte“ bekommt Linz ganz schön den Spiegel vorgehalten. Du thematisierst die Eisenbahnbrücke, das leere Urfahrmarktgelände, die Kürzungen im Kulturbereich. Hat ihn der Linzer Bürgermeister schon gehört?

Manuel: Ich habe beim Schreiben versucht, die Eigenheiten der Stadt hervorzuheben und als wohnhafter Linzer natürlich gewusst, welche Themen uns Linzern gerade unter den Fingernägeln brennen. Für mich machen gerade diese „Eigenheiten“, man könnte vielleicht auch manchmal Unvermögen sagen, den Charme dieser Stadt aus. Man ist durchaus bemüht und es hat sich in den letzten Jahren sehr viel zum Positiven verändert. Und dann schafft man es immer wieder, in riesige Fettnäpfchen zu hüpfen, Stichwort Brücke, Stadion, SWAP. Für mich als Künstler ist es natürlich spannend, genau diese Gegensätze und die damit verbundenen Absurditäten aufzuzeigen. Aber ich wohne gerne in Linz und genau diesen Charme und das Absurde liebe ich. Der Bürgermeister hat den Text noch nicht gehört, aber vielleicht ändert sich das ja jetzt (lacht).

Tips: Wann ist es dir wichtig, gehört zu werden?

Manuel: Wenn ich will, dass eine Botschaft beim Publikum ankommt, berührt und betroffen macht. Ich möchte für ein Verständnis füreinander kämpfen und auch den Blickwinkel füreinander verbessern. Dass man wieder unterschiedliche Meinungen gelten lassen kann, ohne jemand anderen gleich wieder in eine Ecke zu drängen.

Tips: Deine nächsten Auftritte stehen mit Improtheater mit den zebras im Herbst an, im Kulturzentrum Hof und beim Feldkirchner Straßenspektakel als Kabarettist. Dein Programm heißt „Lehrer ohne Klasse“, worauf darf man sich freuen?

Manuel: „Lehrer ohne Klasse“ ist aus dem Grazer Kleinkunstvogel-Preis entstanden. Ich habe drei Auftrittstermine gewonnen, und dann brauchte ich ein abendfüllendes Programm. Ich wollte schon lange ein Kabarett schreiben, aber erst durch diesen Druck ist es wahr geworden. Es ist ein pädagogisches Kabarett und hat sich durch meine Ausbildung und die Erlebnisse so ergeben. Es sind auch Nadelstiche Richtung Bildungspolitik drinnen. Und ich schaue bei meinen Texten drauf, dass ich nicht so lehrerhaft rüberkomme, weil wir Lehrer das oft unbewusst machen. Ich wechsle zwischen Rollen, spiele Situationen nach, die in der Schule passiert sind. Dann fließen auch noch meine Poetry Slam-Texte ein. Ich finde es schön, die Leute auf eine emotionale Reise mitzunehmen.

Tips: Fließt deine Improtheater-Erfahrung auch mit ein?

Manuel: Die Impro-Erfahrung kommt mir extrem zugute, daher bin ich feinfühlig, hellhörig und greife viel aus dem Publikum auf.

Tips: Kommen viele Lehrer zu deinen Auftritten?

Manuel: Ja, schon. Die kennt man auch schnell raus, sie reden oft mit. Wenn ich meine Geschichten erzähle, dann kommt die Bestätigung aus dem Publikum und es werden Erfahrungen geteilt, das ist super schön. Natürlich kommen sie auch ein bissl dran, man muss auch über sich selber lachen können.

Tips: Statt beim Improtheater stehst du als Kabarettist alleine auf der Bühne, wie klappt das?

Manuel: Das ist sehr ungewohnt: alleine aufwärmen, mit der Nervosität ganz alleine zu sein, alleine in der Garderobe auf den Auftritt zu warten, das war schon sehr komisch.

Tips: Im Oktober startet ein ganz persönliches, neues Abenteuer. Du wirst Papa, gratuliere! Gibt es in Zukunft Texte und Kabarettprogramme zum Familienleben?

Manuel: Es ist spannend, auch als Künstler diesen Bogen zu spannen. Und es schwirrt schon viel in meinem Kopf herum: Warum ist man in dem Moment, wo man erfährt, dass man Vater wird, anscheinend schon mit so vielen Sachen viel zu spät dran? Oder warum sagt einem ständig jeder: Die Zeit musst du aber noch genießen, weil dann wird alles ganz anders... Was soll das? Dieser Druck, der da aufgebaut wird, ist unglaublich, und man muss doch erst einmal selber verarbeiten, was gerade passiert. Da kommt sicher wieder ein Programm (lacht).

Manuel Thalhammer:

Straßenspektakel Feldkirchen: 28. Juli

Kulturzentrum Hof: 21. und 22. September, 20 Uhr

ABC Ansfelden: 1. Dezember

Workshops für Schulen und Veranstaltungen auf Anfrage:

Info: www.manuelthalhammer.at

 

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