Fausts Verdammnis als Ohrenschmauß

Fausts Verdammnis als Ohrenschmauß

Josef Gruber Josef Gruber, Tips Redaktion, 04.02.2018 00:43 Uhr

LINZ. Die Premiere der Oper „La Damnation de Faust“ am Samstagabend im Linzer Musiktheater hatte gleich drei Stars: die Hauptdarsteller, das Orchester und den Chor.

Das Werk von Hector Berlioz ist keine typische Oper, es könnte auch ein Oratorium oder Requiem sein. So ist einer der Stars des Abends der Chor, und zwar gleich in dreifacher Stärke: Chor und Extrachor des Landestheaters Linz sowie der Kinder- und Jugendchor. Überragend auch die gesanglichen Leistungen des US-Amerikaners Charles Workman als Faust, Jessica Eccleston als Marguerite und Michael Wagner als Teufel. Tosenden Applaus gab es auch für das Bruckner Orchester Linz mit Markus Poschner am Dirigentenpult.

Tosender Applaus für Sänger und Orchester

„La Damnation de Faust“ ist erst das zweite Werk von Berlioz, das in Linz aufgeführt wird. Das Stück wurde 1846 in Paris in konzertanter Form uraufgeführt.

Der geniale Komponist und Mitbegründer der „Modernen Musik“ war vom Faust-Stoff, eine der großen Mythen der Neuzeit, so begeistert, dass er vor der Oper schon acht Szenen aus Goethes Faust schuf. In der Oper hat er sich auf die drei zentralen Figuren Faust, den Teufel und Gretchen konzentriert. Als vierte Person gibt es noch den betrunkenen Zecher Brandner. Bleibt bei Goethe das Ende offen, so führt bei Berlioz der Pakt mit dem Teufel in die Verdammnis.

Den ungarischen Regisseur David Morton hat fasziniert, dass Berlioz die Grenzen von Form und Gattungskonvention sprengt und Stilmittel von Oper, Sinfonie und Oratorium vereint. In seiner ersten Inszenierung an einem deutschsprachigen Opernhaus arbeitet er das Phänomen der Verführung der Massen und der Verführbarkeit des Individuums heraus. „La Damnation de Faust“ hat er für die Opera de Lyon inszeniert, in Linz zeigt er eine Neueinstudierung. Videos spielen dabei eine wichtige Rolle. Zum Schluss besteigt der Teufel die Linzer Straßenbahn und entschwindet am Hauptplatz in die Finsternis der Nacht.

Das Bühnenbild mit dem Rest einer Betonbrücke lässt genauso Fragen offen oder Spielraum für eigene Interpretation wie die moderne Inszenierung. Die Koproduktion mit der Opéra de Lyon als Linzer Erstaufführung hat Bühnenbild und Infrastruktur aus Lyon importiert.

Aufgeführt wird das Stück noch bis 24. April im Großen Saal des Musiktheaters Linz.

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