Befreiungsfeier unter dem Schwerpunktthema Flucht und Heimat
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Befreiungsfeier unter dem Schwerpunktthema „Flucht und Heimat“

Margarete Frühwirth Margarete Frühwirth, Tips Redaktion, 06.05.2018 19:54 Uhr

MAUTHAUSEN/RIED IN DER RIEDMARK. Im Gedenkjahr 2018 organisierte das Mauthausen Komitee österreichweit mehr als 90 Gedenk- und Befreiungsfeiern. Damit wurde ein beeindruckendes Signal für ein „Niemals wieder“ gesetzt. Europas größte Internationale Befreiungsfeier in der KZ Gedenkstätte Mauthausen stand unter dem Motto „Flucht & Heimat“.

Rund 10.000 Gäste besuchten heuer die Befreiungsfeier des Konzentrationslagers Mauthausen. Rund 100 Delegationen und Opferverbände sowie Österreichs Staatsspitze gedachten der Opfer des Nazi-Regimes: Bundespräsident Alexander Van der Bellen sowie sein Amtsvorgänger Heinz Fischer, Kanzler Sebastian Kurz (ÖVP) und Parlamentspräsident Wolfgang Sobotka (ÖVP). Das Land Oberösterreich wurde vertreten von Landeshauptmann Thomas Stelzer (ÖVP) sowie die Landesrätin Birgit Gerstorfer (SPÖ). Willi Mernyi, Vorsitzender des Mauthausen Komitee Österreich, rief zu Solidarität und Menschlichkeit auf und schlug eine Brücke zur Gegenwart: „Menschen, die vor 80 Jahren in ein anderes Land flüchten mussten haben alles verloren. Krieg und Terror haben ihre “Heimat„ zu einem fremden Ort werden lassen. Das war vor 80 Jahren so und ist auch heute so. Das dürfen wir nicht vergessen. Auch heute müssen Menschen flüchten. Es liegt an uns, ihnen zumindest ihre Würde zu erhalten.“

Schüler der NMS überreichten Blumen

Auch dieses Jahr begann der Festakt mit der Verlesung des Mauthausen Schwurs in verschiedenen Sprachen – ein symbolischer Akt an diesem Ort, wo zwischen 1938 und 1945 Deutsch die einzig erlaubte Sprache war. Schülerinnen und Schüler der NMS Mauthausen nehmen seit Jahrzehnten an den Gedenkfeiern statt und überreichten Zeitzeugen und Besuchern weiße Nelken. Der gemeinsame Auszug am Ende der Feierlichkeiten gilt als symbolischer Akt der Befreiung am 5. Mai 1945 – ähnlich der ersten Befreiungsfeiern der KZ-Überlebenden. Auch dieses Jahr wurde der Auszug aus Mauthausen von KZ-Überlebenden (Dušan Stefancic, Yauhen Chrol, Nikolai Kireev, Shaul Spielmann, Andrew Sternberg und weitere) mit Jehuda Gurvich an der Spitze angeführt.  

Feier am Gedenkstein zur Mühlviertler „Hasenjagd“

Bundespräsident a. D. Heinz Fischer hielt einige Stunden später in Ried/Riedmark eine bewegende Rede: „Um für die Zukunft zu planen, müssen wir die Gegenwart kennen. Um die Gegenwart zu gestalten, müssen wir aus der Vergangenheit lernen. Ich bin dankbar, dass diese Tradition des Gedenkens und Erinnerns jetzt schon seit über zwei Generationen aufrechterhalten wird. Verschiedene alarmierende Signale und Entwicklungen in Europa zeigen, wie wichtig das ist.“

 

 

INFO

Die Überlebenden des KZ-Mauthausen und der Nebenlager wurden Anfang Mai 1945 von US-Truppen befreit. Seit 1947 finden anlässlich des Jahrestages der Befreiung auf dem Gelände des ehemaligen KZ Mauthausen Kundgebungen statt, an denen Delegationen aus vielen europäischen Staaten teilnehmen. Es ist dies ein Anlass zum Gedenken an die Opfer des nationalsozialistischen Terrors und eine Kundgebung gegen jede Art von Intoleranz und Diktatur, gegen Fremdenhass und Antisemitismus, eine Gedenkstunde der Solidarität mit den Opfern von gestern und heute.

Das Mauthausen Komitee Österreich(MKÖ) organisiert gemeinsam mit seiner Partnerorganisation Comité International de Mauthausen und weiteren Organisationen die gesamten Gedenkfeiern anlässlich der Wiederkehr der Befreiung des KZ-Mauthausen und seiner 49 Außenlager. Besonders die regionale Streuung der Gedenk- und Kulturveranstaltungen ist geeignet, das umfassende System zu verdeutlichen und die Fokussierung von Mauthausen allein wegzunehmen. Gerade die Geschichte der Außenlager ist auf engste verknüpft mit der europäischen Geschichte – in diesen Außenlagern wurden Tausende Menschen in der Zwangsarbeit für die Nazi-Rüstungsindustrie zu Tode gequält.

 

 

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