Hinter den Kulissen: Byzanz, der Westen und die Schallaburg
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Hinter den Kulissen: Byzanz, der Westen und die Schallaburg

Stefan Hinterdorfer, Leserartikel, 08.03.2018 08:42 Uhr

Auf der Schallaburg entsteht gerade eine der aufwendigsten Ausstellungen ihrer Geschichte. Tips erhielt exklusiven Zugang zur im Aufbau befindlichen Exposition „Byzanz & der Westen. 1000 vergessene Jahre“. Einer der beiden Kuratoren gab einen ersten Einblick in die ab Mitte März zu sehende Ausstellung.

Auf der Schallaburg herrscht rege Betriebsamkeit. Unter Ausschluss der Öffentlichkeit laufen die Vorbereitungen für die kommende Ausstellung auf Hochtouren. Tips durfte trotzdem einen Blick hinter die Kulissen werfen und ließ sich von Dominik Heher, einem der beiden Kuratoren, durch die im Aufbau befindliche Ausstellung führen. Zwischen Baustellengerüsten und Ausstellungstücken erzählt der junge Wissenschafter von der Motivation zur Ausstellung: „Falko Daim und ich haben 2012 schon eine Vorgängerausstellung mit Blick auf den Orient kuratiert. Danach war relativ schnell klar, dass wir ein Folgeprojekt machen wollen, wo wir uns auf die byzantischen West-Beziehungen stürzen wollen.“ Der Blick von und auf Byzanz wird damit nach Westen wandern. „Byzanz bestand über 1000 Jahre und hat Europa massiv geprägt“, führt Heher, der auch wissenschaftlicher Mitarbeiter am Römisch-Germanischen Zentralmuseum Mainz ist, weiter aus und möchte dieses Bewusstsein der Bevölkerung näherbringen.

Blick zurück

Die Geschichte von Byzanz beginnt im Jahr 395, als das römische Reich in eine östliche und eine westliche Hälfte geteilt wurde. Vermeintlich getrennt entwickelten sich die beiden Reiche in stetem Austausch. Pilger aus dem Westen, die neben Seelenheil auch Reliquien suchten, die Hochzeit eines Babenbergers mit einer byzantinischen Prinzessin oder Handel, der über den Seeweg bis Süddeutschland reichte, sind nur Beispiele einer Beziehung, die neben dem exotisch Fremden auch den Austausch innehatte. Der Fall Konstantinopels 1453 war schließlich nicht nur das Ende von Byzanz, sondern auch der Beginn einer neuen Zeit im Westen. Die einsetzende Renaissance wäre ohne die Bewahrung der antiken Kultur in Byzanz nie möglich gewesen.

Vermittlung

Wie schon in vorangegangenen Ausstellungen legt die Schallaburg Wert auf die adäquate Vermittlung von Kultur und Geschichte. Besucher dürfen sich auf hochkarätige Kunstwerke und einen Einblick in die Arbeit von Historikern und Archäologen freuen. Die Ausstellungsobjekte werden nicht einfach in Vitrinen gestellt und mit Jahreszahlen versehen, sondern an Ort und Stelle kontextualisiert. Mit Interviews der Experten versehen, die diese Objekte auch erforscht haben, soll versucht werden, neben dem Ausstellungsstück und seiner Geschichte auch den Zugang der Wissenschaft zu vermitteln.

Vorträge

Für Interessierte, die mehr zu Byzanz und seiner Verbindung mit dem Westen erfahren möchten, wird es aber auch Vorträge mit Wissenschaftern geben, die Interaktionen und Fragemöglichkeiten für die Besucher bieten werden. Gleichzeitig verbindet die Schallaburg die an die Örtlichkeit gebundene Ausstellung mit den Möglichkeiten der Gegenwart. So sollen Besucher online Fragen stellen können, die von Experten beantwortet und anschließend in der Ausstellung zu sehen sein werden.

Von der Idee zur Ausstellung

Der Weg zu einer Ausstellung diesen Ausmaßes ist lang. Die Idee wurde schon 2012 geboren. Ab dann wurden Forschungsprojekte initiiert, die die Puzzlesteine für den wissenschaftlichen Teil der Ausstellung zur Verfügung stellten. Drei Jahre vor der Eröffnung begannen dann die Anfragen für Ausstellungsstücke, Recherchen in den betreffenden Museen und die Verhandlungen um Leihgaben. Einige Monate vor der Eröffnung stand fest, was kommt und verwendet werden kann. Damit begann die eigentliche Arbeit am Aufbau. „Durch persönliches Engagement konnten unter anderem aus dem ­Louvre und dem Israel Museum aus Jerusalem Ausstellung­stücke organisiert werden. Darunter zahlreiche Exponate, die erstmals in Österreich und teilweise überhaupt zum ersten Mal in der Öffentlichkeit zu sehen sind“, erklärt Dominik Heher. Die Anlieferung der Exponate erfolgt unter Aufsicht von Kurieren und Restauratoren. Wird der Zustand für in Ordnung befunden, kommt es zur sogenannten Verortung, also der passenden Platzierung in der Ausstellung. Schließlich werden sie in maßgefertigten Vitrinen untergebracht und mit Informationen versehen. Gelingen kann ein Vorhaben dieser Größenordnung nur durch die Zusammenarbeit von unterschiedlichsten Menschen und Berufen. Diese reichen von Reinigungskräften, Handwerkern und Grafikern über Historiker, Philologen und Archäologen bis zu den Kuratoren und Organisatoren.

Kurator

Die Aufgabe des Kurators besteht neben der erfolgreichen Vernetzung der beteiligten Personen untereinander, darin, dass das Thema nachvollziehbar aufbereitet wird. Er steht hinter dem Konzept der Ausstellung. Er sichtet, sammelt und sortiert die in Frage kommenden Ausstellungsstücke und kümmert sich um den Erzählstrang, der in diesem Fall über 1000-jährigen Geschichte. Dieser rote Faden ist im Fall der diesjährigen Schau die Kommunikation zwischen byzantinischer und westlich-lateinischer Welt.

Gegenwartsbezug

Die Relevanz für die Gegenwart ergibt sich für den promovierten Historiker Dominik Heher „Erstens aus der Trennung von Ost- und Westkirche, die bis heute auch die politische Landkarte prägt. Bündnisse, Allianzen und Konflikte lassen sich aus diesen beiden Kulturkreisen erklären. Zweitens haben historische Begebenheiten durchaus eine Berechtigung, für sich selbst zu stehen. Im historischen Tun und Denken findet auch der heutige Mensch sein Handeln und sich selbst wieder.“

Ab Mitte März

Den Besucher erwarten verschiedenartige Interaktionen zwischen dem byzantinischen Reich und dem, was wir den Westen nennen. Die Ausstellung verfolgt diese Kommunikation vom fünften bis ins 16. Jahrhundert und will versuchen, einen blinden Fleck in der Geschichte des Westens sichtbar zu machen. In wenigen Tagen wird die Ausstellung ihre Pforten öffnen und versuchen, ihrem eigentlichen Zweck gerecht zu werden: Den Einschluss der Öffentlichkeit, die Vermittlung von Historizität und Wissenschaft, ihren Zugängen und Ansätzen. In einer Art und Weise, die versteht, ein möglichst breites Publikum miteinzubeziehen und weder kritische Fragen noch wissenschaftlichen Diskurs scheuen muss. Ob es gelingt wird sich zeigen. Ab 17. März auf der Schallaburg.

 

 

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