Rollstuhl-Karate: Karate Kid zeigt wie es geht

Rollstuhl-Karate: „Karate Kid“ zeigt wie es geht

Redaktion Linz-Land Redaktion Linz-Land, Tips Redaktion, 27.02.2017 14:33 Uhr

NEUHOFEN AN DER KREMS/ST. MARIEN. Dass Menschen mit körperlicher Beeinträchtigung auch sportlich aktiv sein können, zeigt die 15-jährige Michelle Pfeferle aus St. Marien eindrucksvoll. Seit Jänner trainiert sie fleißig bei der ASKÖ Karate Sei Bu Kan in Neuhofen an der Krems.

von ELISABETH ZEILINGER

Michelle ist 15 Jahre alt und hat eine Muskelkrankheit namens Central Core Disease mit Skoliose seit Geburt an und kann nicht stehen oder gehen. Seit ihrer Geburt ist Michelle eine Kämpferin: Im ersten Lebensjahr wurde bei ihr eine Sehnen-Operation an den Hüften und Knien vorgenommen. Ab dem sechsten Lebensjahr folgte jährlich eine große Wirbelsäulen-OP in Innsbruck. Sie hat heute zwei Stäbe eingesetzt, die ihre Wirbelsäule stützen. Bereits im Juli steht die nächste große OP in Innsbruck an. Bis dahin hat Michelle ein Ziel, nämlich ihre erste Karateprüfung abzulegen und den gelb-weißen Gürtel zu erkämpfen.

Auf Geschmack gekommen

Die Idee, selbst im Karatesport aktiv zu sein, kam Michelle durch ihre Mutter Sabrina Pfeferle, die vergangenen März mit dem Karatetraining in der ASKÖ Neuhofen begann. „Michelle sah mir dabei immer zu und hat sich immer mehr für den Kampfsport interessiert“, erzählt Sabrina Pfeferle. Auch beim Neuhofner Kamikaze Karate Sommercamp war die 15-Jährige stets als Zuseherin dabei. Vergangenen Oktober nahm Michelle als Volontärin bei der Karate WM in Linz teil. Nach einem halben Jahr intensiver Planung gemeinsam mit Sensei Christian Ramsebner, die Sportart Rollstuhl-Karate einzuführen, hat Michelle mit großer Freude bereits vier Trainingseinheiten bei der ASKÖ Neuhofen Sei Bu Kan absolvieren können.

Spezielle Übungen für Oberkörper

„Trainiert werden vor allem Hände und Oberkörper, da ja die Füße nicht zum Einsatz kommen können“, klärt Cheftrainer Christian Ramsebner auf. Ansonsten seien die Abläufe beim Rollstuhl-Karate, die wie eine Choreografie trainiert werden, dem herkömmlichen Karatetraining sehr ähnlich. Spezielle Atemübungen, ein auf Rollstuhlfahrer abgestimmtes Muskeltraining und die sportliche Betätigung in Karate sollen Michelle unter anderem auch vor der bevorstehenden Operation stärken. Neben gesundheitlichen Aspekten kommt zudem noch ein weiterer Vorteil: „Michelle gehört jetzt einem Verein an und wird dort sozial voll eingebunden. Das Vereinsleben bietet soziale Kontakte mit Gleichgesinnten, wo sie mitreden kann und wo auch auf ihre Bedürfnisse eingegangen wird, denn bisher war es sehr schwierig, im Raum Linz-Land ein geeignetes Sportangebot für Michelle zu finden“, sagt die Mutter.

„Sport-Rolli“ benötigt

Trainer Christian Ramsebner hat damit auch eine Lanze im Bezirk Linz-Land gebrochen und möchte das Angebot für Rollstuhl-Karate weiter ausbauen und startet einen Aufruf: „Bisher ist Michelle im Einzeltraining, aber in der Gruppe wäre es bestimmt spannender. Interessierte Rolli-Fahrer können sich jederzeit bei uns melden.“ Der Sensei unterstützt das Projekt aus vollster Überzeugung: „Ich habe in meinem Leben schon so einiges gemacht, aber ich war mir noch nie so sicher wie jetzt, das Richtige zu tun! Um für Michelle das Karate-Training noch besser gestalten zu können und sie so gut zu trainieren, dass sie irgendwann an Karateturnieren teilnehmen kann, benötigen wir dringend einen ,Sportrolli“„, so Ramsebner. Wer Michelle mit einer Spende für ihren Sport-Rollstuhl unterstützen möchte, kann dies unter dem Kennwort “Michelle„ auf das Konto AT04 3473 8000 0002 8613.

Fotos:  ASKÖ Karate Sei Bu Kan/Ramsebner

 

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