Kampagne: Gegen die Vermüllung des Wohnzimmers Natur

Michaela Fabian, Leserartikel, 08.08.2012 16:00 Uhr

BEZIRK PERG/OÖ. Tausende Plastikflaschen, Fastfood-Verpackungen, Zigarettenstummel und vieles mehr landen auf Oberösterreichs Straßenrändern, in Wiesen und Parks. Der „Protestmarsch“ von Hase und Igel entlang der Straßen, bei Kreisverkehren und in Parks zeigt derzeit die Problematik plakativ auf.

Auch in Perg kennt man das Problem der Vermüllung an bestimmten Plätzen und Standorten: beispielsweise im Seyrpark, wo Sonntagfrüh die „Leichen“ der vorigen Nacht herumliegen. „Ich hatte auch einmal ein besonderes Erlebnis beim Gericht am Hafnerplatz. Dort stand eine gusseiserne Bank in der Naarn“, berichtet Josef Kroiss vom Verschönerungsverein Perg. „Entlang der Waidhoferstraße sieht es manchmal aus, als würden die Menschen den Müll einfach aus den Fenstern werfen“, ärgert sich Kroiss über das unachtsame Verhalten. Ob dafür Jugendliche verantwortlich gemacht werden können? Kroiss gibt es nicht gerne zu, aber „hauptsächlich, ja“. Auf Bänken würden halbvolle Fastfood-Plastikverpackungen zurückgelassen, nur wenige Meter weiter steht der Abfalleimer. Und „vom Hafnerplatz bis zur Dr.- Schober-Straße sollte man keine losen Objekte stehen lassen. Die werden nämlich wahllos zerstört oder an beliebige Plätze gestellt“, bemerkt Kroiss kopfschüttelnd.Kampagne für mehrindividuelle VerantwortungDie Initiative „Müll verschwindet nicht – drum lass nix liegen!“ der Oö. Landesregierung, Straßenmeistereien und kommunalen Abfallwirtschaft soll für mehr individuelle Verantwortung im Umgang mit dem öffentlichen Raum sorgen. „Seit einigen Jahren sind immer mehr Mitarbeiter der Straßenmeistereien mit der Müllentsorgung auf unseren Straßen beschäftigt. Die zusätzlichen Arbeitsstunden bezahlt der Steuerzahler, das ist nicht fair gegenüber jenen, die sich korrekt verhalten“, mahnt Straßenbaureferent und Landeshauptmann-Stellvertreter Franz Hiesl Umweltsünder ab. „Vermüllung ist kein Kavaliersdelikt, aus dem Auto entsorgte Abfälle gefährden unsere Umwelt, den Lebensraum der Tiere und beeinflussen unsere Lebensqualität. Die Müllberge auf Oberösterreichs Straßen schaden zudem Landschafts- und Ortsbild“, schlägt Umwelt-Landesrat Rudi Anschober in die selbe Kerbe.Ein unterschätztes Problem - Vermüllung kostetAlleine der finanzielle Aufwand der Straßenmeistereien in Oberösterreich liegt bei 1,2 Millionen Euro jährlich. 26.400 Stunden sind für das meist nur manuell mögliche Auflesen der Abfälle notwendig. Nicht mitgerechnet dabei Stunden, die Bauern und Grundbesitzer für das Reinigen ihrer Felder und Grundstücke benötigen und die Aufwände weiterer Institutionen wie der Asfinag.Vermüllung gefährdetWirft man Zigarettenstummel, Plastiksackerl und Co. einfach in den Wald oder auf den Straßenrand, werden bei der Zersetzung unter Umständen giftige Stoffe frei, die Pflanzen, Tiere und Menschen gleichermaßen gefährden können. An zerbrochenen Glasflaschen verletzen sich die dort lebenden Tiere. Bauern berichten, dass ihre Tiere den Müll teilweise mitessen und daran verenden. Jäger geben an, dass sich Tiere im Müll verheddern und qualvoll ersticken. Eine unterschätzte Gefahr steckt in den Zigarettenfiltern, die aus Celluloseacetat bestehen und sich nur langsam zersetzen. Die in den Zigaretten befindlichen Schad- und Giftstoffe können unter Umständen in den Boden und sogar in das Grundwasser gelangen.Vermüllung vermülltMüll zieht Müll an: Vermüllung tritt besonders häufig an bestimmten Brennpunkten auf. Wo Müll liegt, sinkt die Hemmschwelle, seinen eigenen Abfall dazuzuwerfen. So entwickeln sich Plätze und ganze Stadtteile zu regelrechten „Mini-Müllhalden“. Diese schaden nicht nur dem Image einer Gemeinde oder einer Stadt, das Landschaftsbild wird nachhaltig gestört und der Tourismus beeinträchtigt.Bewusstseinsbildung statt StrafenDie Umwelt-Profis der kommunalen Abfallwirtschaft haben sich dafür eine Infokampagne einfallen lassen: „Auf Hase und Igel sind wir gekommen, weil sie zu den Leidtragenden gehören und weil sie der Problematik ein Gesicht geben. Wenn man weiß, wen man mit seinem Verhalten konkret schädigt, entsteht eine größere Betroffenheit, wie wenn man etwas für eine anonyme Allgemeinheit tun soll. Als Bürgermeister liegt mir unser Lebensraum und die damit verbundene Lebensqualität besonders am Herzen“, erklärt Josef Moser, auch Vorsitzender des Landesabfallverbandes. „Hintergrund ist, anstelle von trockener Information die Thematik zwar durchaus ernst, aber mit einem Augenzwinkern zu vermitteln“, so Moser weiter. 150 Großplakate, 200 Wiesenstecker-Serien, 300 Schilder und 40 Transparente weisen bis Ende September oberösterreichweit auf die unnötige Vermüllung hin. 

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