Bürgerbewegung „Wir Mühlviertler“: Die „Gallier“ erheben sich

Michaela Fabian, Leserartikel, 14.08.2012 09:00 Uhr

MÜHLVIERTEL/BEZIRK PERG. Was haben Asterix und Obelix mit der Bürgerbewegung „Wir Mühlviertler“ gemeinsam? Sie beugen sich um keinen Preis der Übermacht. Die Gallier wehren sich erfolgreich gegen die Römer, „Wir Mühlviertler“ formieren sich für den Aufstand gegen die globale Macht der Großkonzerne und Banken. Tips traf die praktisch orientierten Visionäre und maßgeblichen Mitglieder der Bewegung Robert Rosenauer und Michael Ecker, um sich über den Verlauf der Revolution zu erkundigen.

„Die Politik ist der Spiegel der Gesellschaft“, bringt der 27-jährige Michael Ecker, Initiator und Ideengeber der Bürgerbewegung „Wir Mühlviertler“, eine ernüchternde Tatsache auf den Punkt. Dass es nicht ausreicht, darüber zu jammern, um Veränderungen herbeizuführen, hat Ecker mit dem geborenen Linzer Robert Rosenauer gemeinsam, der durch seine Frau Petra zu einer Bewegung stieß, die sich seit dem Jahr ihrer Quasi-Gründung zu einem Kernteam von neun Engagierten und rund 100 lose organisierten Interessierten auswuchs.„Wieder lernen, miteinander etwas zu tun“„Wir müssen wieder lernen, dem anderen Wertschätzung entgegenzu bringen, miteinander etwas zu tun“, redet Rosenauer, zukünftiger Obmann des in Gründung befindlichen Vereines, gegen das vorherrschende Konkurrenzdenken unserer heutigen Gesellschaft. Ursprünglich war keine Vereinsgründung geplant, „man muss kein Rechtskörper sein, um etwas zu bewegen“, stellt Ecker klar, der seine Botschaften stets ohne Umschweife zum Ausdruck bringt. „Ich gehe keine Kompromisse mehr ein. “Wir Mühlviertler„ geht eine Desillusionierung durch die Politik, eine Entwicklung und letztendlich Erkenntnisse voraus“, erklärt der ehemals selbstständige Bauzeichner und derzeit wieder in Gründung Befindliche. Ecker betrachtet „seine“ Bewegung als hauptberufliche Tätigkeit und investiert seit einem halben Jahr Zeit und Energie in die Entwicklung verschiedenster Ideen. Dabei geht es bei „Wir Mühlviertler“ weniger um Konzepte und Vorgaben von oben, denn um Selbstverantwortung und den Beitrag des einzelnen zur kollektiven Veränderung.„Wir wirken im Kleinen, um etwas Großes zu erreichen“„Du musst bei dir selbst anfangen, um in einem größeren Umkreis etwas bewirken zu können“, geht der 47-jährige Unternehmer Rosenauer ins Esoterische. Deshalb müsse man selbst zu Erkenntnissen gelangen und das Bewusstsein erlangen, dass das bestehende System, diktiert von schwammigen Großkonzernen und Banken, nicht länger haltbar sei. „Wir Mühlviertler“ hingegen setzen auf die Region, auf den Tausch von Waren und Dienstleistungen. Der Weg ins „Gallische Dorf Mühlviertel“, das Bild hat Ecker selbst entworfen, ist also nicht weit. Die neue Währung „1 guade Stund“ hat man mehr oder weniger von ähnlich denkenden Kollegen aus der Gegend St. Leonhard und Gutau übernommen. „Wir haben uns in den vergangenen Monaten viel angeschaut. Und haben erkannt, dass wir das Rad nicht ständig neu erfinden müssen“, beschreibt Rosenauer einen Prozess des Miteinanders, der auch bei „Wir Mühlviertler“ gelebt wird. „Bei uns nimmt jeder seine Aufgaben entsprechend seinen Fähigkeiten und Talenten wahr. Wir arbeiten in Gruppen gemeinsam an Ideen und Lösungen“, skizziert Ecker die Arbeitsprinzipien. Es gehe um die Menschen, „nicht um Parteien und Lobbyinteressen“.„Lebe deinen Traum“Wenn der junge Vater Michael Ecker „lebe deinen Traum“ sagt, klingt das nicht wie aus einem Hollywood-B-Movie. Er gehört zu jenen Visionären, die den Mut haben, ihre Botschaft in die Welt, oder besser in das Mühlviertel, hinauszutragen. Und in dem erfahrenen Softwareentwickler Rosenauer hat er einen kongenialen Partner gefunden, der seine Visionen teilt und diese auch strukturiert in die Praxis hinüberretten kann. „Ich habe unseren Haufen ein bisschen organisiert, das liegt mir“, meint er dann auch mit einem Augenzwinkern. Durch Eckers Vorträge am „Roadlhof“ in Wintersdorf und im ganzen Mühlviertel fanden bis dato rund 100 Menschen aus dem zentralen Mühlviertel bis Rohrbach in die Bürgerbewegung. „Bei uns hat jeder Platz, der unsere Ideen mitträgt. Wir möchten auch jeden Menschen erreichen“, beteuert Ecker, der gleichzeitig möchte, dass die Bewegung, die aktiven Beteiligten betreffend, nicht aus dem Ruder läuft. „Das ist eine eingeschweißte Partie rund um den Roadlhof“, meint Ecker.„Nicht auf alles eine Antwort“Und diese „Partie rund um den Roadlhof“ hat sich vorgenommen, „im Kleinen zu wirken, um etwas Großes zu erreichen“, so Rosenauer und Ecker unisono. „Wir haben nicht auf alles eine Antwort, aber wir haben Ideen und die breiten sich aus. Das ist ein Prozess.“ Das Interesse von Seiten der Medien und der Menschen, über die Grenzen des Mühlviertels hinausgehend, scheint den tatkräftigen Visionären recht zu geben.„WIR MÜHLVIERTLER“ - WER IST & WAS KANN DAS?„“Wir Mühlviertler„ ist eine Bewegung ohne politischen oder religiösen Hintergrund. Wir sind unabhängige Bürger, welche in die Selbstverantwortung gehen“, kann man auf wirmuehlviertler.net nachlesen. Ziel der Bürgerbewegung ist die Schaffung einer unabhängigen Gesellschaft voller Wohlstand, Sicherheit und Freiheit. „Unser Handeln beginnt dort, wo andere zu denken aufgehört haben. “Wir Mühlviertler„ stellen Lösungen bereit“, so die Initiatoren.„Wir Mühlviertler“ geht davon aus, dass unterschiedliche Menschen ebenso verschiedene Fähigkeiten haben: Ob Betriebe, Landwirte mit Ab-Hof-Verkauf, Handwerker oder Freizeitbastler – die Bewegung bindet alle ein. „Unser Ziel ist es, Anbieter regionaler Leistungen und Produkte sowie mögliche Konsumenten zu vernetzen“, erklären die Mühlviertler.„Wir Mühlviertler“ will als Regionalverstärker durch Investitionen in die Region dienen. Der in Gründung befindliche Verein will eine Tauschplattform installieren (siehe oben, „1 guade Stund“), Technologien für eine autarke Energieversorgung bereitstellen, die Bildung der Kinder durch frühzeitige Förderung ihrer Begabungen revolutionieren und ein „Gesundheitshaus“ schaffen.

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