Heimisches Superfood wird oftmals unterschätzt und vernachlässigt

Heimisches Superfood wird oftmals unterschätzt und vernachlässigt

Melanie Mai Melanie Mai, Tips Redaktion, 15.03.2018 13:20 Uhr

PERG. „Superfood“ erobert immer mehr die Regale im Lebensmittelmarkt. Chia-Samen, Goji-Beeren und Quinoa werden immer mehr angepriesen. Dabei gibt es heimische und auch billigere Alternativen, die mindestens genauso gesund sind, wie zum Beispiel Hirse, Leinsamen oder Heidelbeeren.

Allgemein werden unter dem Begriff „Superfood“ besonders nährstoffreiche Lebensmittel bezeichnet, denen eine gesundheitsfördernde Wirkung nachgesagt wird. Damit sind bestimmte Obst- und Gemüsesorten, Kräuter und Gewürze sowie Nüsse und Samen gemeint. Diesen wird aufgrund ihrer hohen Nährstoffdichte ein höherer gesundheitlicher Nutzen als anderen Nahrungsmitteln zugesagt. Das ist aber keine rechtliche Definition, sondern wird oft nur für Werbezwecke verwendet. Über die tatsächliche Wirkung von Superfoods ist sich die Wissenschaft noch nicht ganz einig. Zahlreiche Studien sprechen Superfoods gesundheitsfördernde Eigenschaften zu, bezogen auf Anti-Aging-Effekte, Stärkung der Immunabwehr oder Prävention von Krebs- oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Die exotischen Superfoods sind zumeist wesentlich teurer als vergleichbare regionale Produkte und ihre erhöhte Nachfrage hat dazu auch häufig negative Auswirkungen auf die Umwelt in den jeweiligen Anbaugebieten. In Sachen Nährstoffe stehen regionale Alternativen wie Leinsamen, verschiedene Beeren aber auch Spinat, Löwenzahn, Brennnesseln oder Kürbiskerne, dem exotischen Superfood nichts nach. Tips hat Katrin Fischer, Ernährungswissenschaftlerin von der Landwirtschafskammer Oberösterreich gefragt, was sie persönlich von Superfood hält: „Ich halte die Gesundheitsversprechen für sehr überzogen, vor allem kann durch ein Lebensmittel alleine nicht ,Gesundheit“ gekauft werden. Gesundheitsförderlich ist es, die gesamte österreichische Lebensmittelvielfalt mit hohen Qualitätsstandards zu genießen.„

Chia, Goji-Beeren, Quinoa

Chia ist keine neue Entdeckung. Es wurde nur bis vor wenigen Jahren noch ausschließlich als Tierfutter verwendet. Erst 2009 erteilte die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit die Genehmigung, Chia auch als Zutat in Lebensmitteln zu verwenden. Der reine Chia Samen darf sogar erst seit 2013 importiert werden. Beworben wird der Samen aufgrund des günstigen Anteils an einfach ungesättigten Fettsäuren. Der heimische Leinsamen sowie verschiedene Nüsse weisen einen ebenso hohen Anteil an wertvollen Fettsäuren auf wie Chia. Wegen ihrer hohen Konzentration an Vitamin A, C und E wird die Goji-Beere als Superfood bezeichnet. Jedoch sind die Hersteller bei den Nährstoffangaben oft eher großzügig: So werden manchmal die Nährstoffangaben von frisch geernteten Beeren angegeben, bei den gekauften, getrockneten Beeren ist die Zusammensetzung dann aber oft anders. Genauso gesund wie die Goji-Beere ist die Heidelbeere. Beide Beeren zeichnen sich durch einen hohen Anteil an B-Vitaminen, Vitamin A, C und E sowie Zink und Eisen aus. Heidelbeeren können auch im Winter tiefgekühlt genossen werden, dabei bleiben Vitamine und Mineralstoffe – im Gegensatz zur Trocknung – erhalten. Quinoa wächst vorwiegend im rauen Klima des Himalayas und wird sehr für den hohen Anteil an Magnesium und Eisen geschätzt. Da die große Nachfrage an Quinoa eine Herausforderung für die Wirtschaft und die Umwelt der südamerikanischen Anbaugebiete ist, wäre die heimische Hirse eine regionale Alternative. Diese kann auf die gleiche Weise zubereitet werden und ist mit ihren Nährstoffen vergleichbar.

Heimische Aroniabeeren

Laut Ernährungswissenschaftlerin Katrin Fischer haben sich bereits manche bäuerliche Betriebe dazu entschieden, sogenannte heimische “Superfoods„ zu produzieren, wie etwa Aroniabeeren. Dies ermöglicht zumindest eine heimische Einkaufsmöglichkeit. Die kleine Powerbeere Aronia ist voller Vitamine, Mineralstoffen und Spurenelementen, die für eine gesunde Ernährung wichtig sein können. Kritisch sieht Katrin Fischer die langen Transportwege. Diese bedeuten immer einen Verlust an Nährstoffen und sind auch klimarelevant. Frische Gojibeeren enthalten viel Vitamin C, diese können aber nicht frisch transportiert werden, sodass getrocknete Beeren verkauft werden, bei denen Vitamin C verloren geht.

Bäuerliche Direktvermarkter

Wie findet man nun aber heimische Alternativen zum exotischen Superfood aus der Ferne? Unter der Website www.gutesvombauernhof.at kann man gezielt nach einem Produkt von einem Direktvermarkter in der Nähe suchen. So verkaufen zum Beispiel Brigitte und Andreas Froschauer aus Naarn im Machlande den gesunden Aroniasaft. Grundsätzlich sollte man Lebensmittel mit einer hohen Nährstoffdichte in Relation zu ihrem Energiegehalt verzehren. Als Basis dafür gelten Obst und Gemüse, Getreideprodukte, Milchprodukte, Fisch, Fleisch, Eier und Öle. Die Landwirtschaft ermöglicht eine optimale und qualitativ hochwertige Produktion aller Nahrungsmittel die wir brauchen, um unseren Körper gesund zu halten. So sollten man nicht nur auf Superfood ein Auge werfen, sondern auch auf die heimischen Lebensmittel. Sie sind mit ihrem Transportweg viel umweltschonender und mindestens genauso gesund.

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Kommentare

  1. Gastuser 15.03.2018 21:22 Uhr

    Superfood Brennnessel - Hallo, wir leben und lieben z. B. die Brennnessel! www.wellnessel.com

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