Im Schneepflug nach Dorfstetten: Tips begleitet Straßenmeisterei beim Winterdienst

Im Schneepflug nach Dorfstetten: Tips begleitet Straßenmeisterei beim Winterdienst

Margareta Pittl Margareta Pittl, Tips Redaktion, 09.01.2019 18:41 Uhr

PERSENBEUG. Der Schneefall hatte und hat es vielerorts in sich. In den Straßenmeistereien herrscht Hochbetrieb. Tips-Redakteurin Margareta Pittl durfte in einem Räumungsfahrzeug der Straßenmeisterei Persenbeug Platz nehmen und Robert Eichberger bei der Arbeit begleiten. Gemeinsam machte man sich Richtung Dorfstetten und St. Oswald auf.

Es ist neun Uhr. Das Telefon läutet. „Wie schnell können Sie in Persenbeug sein? Wir haben einen Einsatz für Sie!“, so Gerhard Steininger, Leiter der Straßenmeisterei Persenbeug am Telefon. „In einer halben Stunde“, antworte ich. „Passt.“ Schnell die Jacke übergeworfen, Haube aufgesetzt und ab zum Auto. Nun war es also so weit: Ich darf die Straßenmeisterei beim Winterdienst begleiten.

Mit Schmäh

30 Minuten später stehe ich bei der Straßenmeisterei Persenbeug für meinen Einsatz bereit. „Wie waren die vergangenen Tage für Sie?“, frage ich Steininger, während er mich zu „meinem“ Räumungsfahrzeug führt. „Schlimm“, so Steininger, der seit 2.30 Uhr auf den Beinen ist, knapp und leicht schmunzelnd. Er stellt mich seinem Mitarbeiter Robert Eichberger vor, der gerade mit einem Kollegen einen neuen Pflug an den 13A montiert. Eichberger ist seit drei Uhr morgens unterwegs. Der Pflug hat bereits w. o. gegeben, er nicht. Gut gelaunt wird am neuen Pflug geschraubt. „Na, bei euch rennt aber der Schmäh“, merke ich an. „Der muss an Tagen wie diesen rennen“, sagt Eichberger lächelnd. Wenig später ist der Ersatzpflug montiert, es kann losgehen. Eichberger setzt das 23-Tonnen schwere Fahrzeug in Bewegung. Wir machen uns auf den Weg Richtung Dorfstetten.

Ungeplanter Stopp

Der gelernte Mechaniker Eichberger ist seit 2002 bei der Straßenmeisterei. „Mit den Jahren kann man leichter mit solchen Situationen umgehen“, erklärt er. Hinter ihm und seinen Kollegen liegen nach den intensiven Schneefällen lange und arbeitsintensive Tage. „Man muss vorausschauend fahren und für die anderen mitdenken“, so Eichberger während es rund um uns immer weißer wird.  Der Hofamt Prieler, der auch im Winter zu seiner Arbeitsstelle radelt, manövriert gekonnt und gelassen den 360-PS starken Lkw immer weiter Richtung Norden. Über das Radio bekommen wir wiederholt von der angespannten Schneelage, abgeschnittenen Orten und der Lawinengefahr zu hören. Dann der erste ungeplante Stopp. Ein Holztransporter blockiert mit Ladetätigkeiten die Fahrbahn. Ein Vorbeikommen ist unmöglich. Wir warten also geduldig. Eichberger nutzt die ungewollte Pause, um sein Frühstücksjoghurt zu löffeln. Nach rund 15 Minuten kann es weitergehen.

Wir müssen „ketteln“

Die Straßen werden kurviger und steiler, auch der Schneefall hat wieder eingesetzt. Im Wald rund um uns sind zig umgestürzte Bäume zu sehen, die der Schneelast nicht mehr Stand gehalten haben. Auch ein Telefonkabel liegt auf der Fahrbahn. Es dauert nicht allzu lange, bis wir wieder Halt machen. „Jetzt ist es so weit, wir müssen 'ketteln'“, sagt Eichberger und steigt vom Lkw. Ohne zu zögern kniet er sich auf die Schneefahrbahn, um dem Fahrzeug Ketten anzulegen. „Das kann auch schon mal reizen“, so der Hofamt Prieler. Heute tut es das aber nicht. Schnell sind die Ketten angebracht und wir können weiter. Nur noch wenige Kilometer fehlen bis nach Dorfstetten. Der Schnee, der sich im Pflug sammelt, wird mehr und mehr. „Derartige Schneemassen gab es schon viele Jahre nicht“, erzählt Eichberger. „Das Wetter ist extremer geworden. Wir haben jetzt viel mehr Blitzeis und Eisregen. Früher hatten wir längere Kälteperioden mit schönen Schneefahrbahnen“, blickt er zurück. Im tief winterlichen Dorfstetten angelangt, halten wir wieder an. Ein Lebensmitteltransporter will sich bei Eichberger nach der Schneelage auf den Straßen erkundigen. Freundlich gibt er dem Chauffeur Auskunft. Dann macht Eichberger mit dem Räumungsfahrzeug kehrt, um noch mehr Schnee von der L7285 zu räumen. Einige Male fahren wir südlich von Dorfstetten auf und ab.

Baum blockiert

Dann wieder ein ungeplanter Halt: Ein Baum liegt plötzlich auf der Fahrbahn. Wieder muss Eichberger absteigen. Die Versuche, ihn per Hand von der Straße zu ziehen, scheitern. Die Fichte ist zu schwer. Dann eben mit dem Pflug. Mit viel Gefühl schiebt Eichberger den Baum von der Fahrbahn. Es kann weitergehen nach St. Oswald. Dort treffen wir auf Dienststellenleiter Steininger, der sich mit dem Pkw ein Bild von der Schneelage macht. Mittlerweile ist es 14 Uhr, die Zeit ist wie im Flug vergangen. Steininger bietet mir an, mich zurück zum Stützpunkt nach Persenbeug zu bringen. Das Angebot nehme ich glatt an. Beeindruckt beende ich nach mehr als drei Stunden meinen Winterdienst.

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