Wenn der Vater mit seinen fünf Buam Sternsingen geht: Franz Duschlbauer aus Zulissen ist seit 50 Jahren mit dabei

Mag. Susanne  Überegger Mag. Susanne Überegger, Tips Redaktion, 06.01.2018 08:00 Uhr

RAINBACH/MKR. Seit 50 Jahren ist Franz Duschlbauer aus Zulissen mit den Sternsingern unterwegs. Zum runden Jubiläum machten ihm seine fünf Söhne eine besondere Freude und begleiteten ihren Vater als Kaspar, Melchior, Balthasar, Stern- und Kassaträger durch die Dörfer Zulissen und Deutsch-Hörschlag.

„Halleluja, die Heiligen Drei Kini san do“: Rund einhundert Mal haben die fünf Zulisser Sternsinger am Ende des Tages ihre Lieder gesungen und ihre Sprüche aufgesagt sowie gut 1000 Euro an Spenden gesammelt, als sie sich mit der Tips-Redakteurin zum Interview treffen.

A Schnapserl? Trinkfestigkeit schadet nicht

Hinter ihnen liegt ein anstrengender Tag, der um 7 Uhr in der Früh mit dem Anlegen der bunten Gewänder begonnen hat: Gut einhundert Häuser haben Klemens (32), Manuel (29), Franz jr. (24), Severin (21) und Armin (20) (am Foto v.l.) aufgesucht, Lieder gesungen, Geld für den guten Zweck gesammelt und das obligatorische „C+M+B“ mit Kreiden an die Haustüren geschrieben.

„Als uns die Leute gesehen haben, sind die Süßigkeiten gleich weggeräumt und die Stamperl geholt worden“, lacht Sternträger Klemens, der älteste der Brüder. Trinkfest muss man als erwachsener Sternsinger schon sein. Dass es seine Burschen aber nicht übertreiben, darauf hatte Vater Franz Duschlbauer schon ein Auge. Der 59-Jährige ist seit fünf Jahrzehnten mit den Zulisser Sternsingern unterwegs, das erste Mal war er als Ministrant mit neun Jahren dabei.

„Es war freiwilliger Zwang“

Normalerweise begleitet der Landwirt, Hausname Hansbauer, die Kinder beim Sternsingen. Doch heuer, zum 50. Jubiläum, kamen alle fünf Söhne mit – wie schon zum 40-Jahr-Jubiläum. Als Kinder und Jugendliche waren die Brüder schon auch öfter mit von der Partie, aber nie alle auf einmal. Immer freiwillig? „Sagen wir mal so, es war freiwilliger Zwang“, lacht Manuel Duschlbauer, der die Rolle des Balthasar übernommen hat.

Die Erfahrung aus fünf Jahrzehnten kommt Franz Duschlbauer bei der Sternsinger-Runde sehr zugute. „Der Våter weiß immer, wo er d'Leut suchen muss“, sagen die Söhne. Denn nicht immer öffnet gleich jemand, wenn die Heiligen Drei Könige an die Tür klopfen.

Als der Stern verloren ging und das Geld beinahe auch

Auch Anekdoten können die Duschlbauers einige erzählen: Zum Beispiel davon, als der damalige Pfarrer glaubte, Duschlbauer besäße schon einen Führerschein und könne die Sternsinger fahren: „Ich hatte aber noch keinen Schein. No, dann haben wir die Tour halt zu Fuß gemacht. Zuerst nach Rainbach zum Anziehen, dann weiter nach Deutsch-Hörschlag und Zulissen. Es ist sich aber trotzdem an einem Tag ausgegangen!“

Es kam vor, dass querfeldein durch meterhohen Schnee gespurt werden musste, der Stern ging mal verloren und das größte Missgeschick passierte, als es dem Kassaträger – oder vielmehr Schuhschachtelträger – auf Glatteis die Füße ausriss, die Schachtel mit den bereits gesammelten Spenden runterfiel und das Geld rundherum verstreut lag.

Noch ein „Ihr Kinderlein kommet“ zum Abschied

Franz Duschlbauer macht üblicherweise immer den Chauffeur für die Kinder und passt auf, dass sie beim Singen nicht lachen. „Da setz ich immer einen ganz strengen Blick auf“, schmunzelt der Zulisser, der in den 50 Jahren nur ein Mal seiner Sternsinger-Pflicht nicht nachkommen konnte, weil er krank das Bett hüten musste.

Die Duschlbauer-Brüder hatten dieses Jahr übrigens noch ein besonderes Lied im Repertoire: „In Häusern von jungen Familien haben wir noch extra ein Fruchtbarkeitslied, das “Ihr Kinderlein kommet„, gesungen. Also wenn's dieses Jahr recht viele Kinder gibt in Zulissen und Deutsch-Hörschlag, dann haben wir das Unsere dazu beigetragen!“

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