Zwei Tote im Innviertel nach Zeckenbiss: Rieder Krankenhaus ruft zur Impfung auf
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Zwei Tote im Innviertel nach Zeckenbiss: Rieder Krankenhaus ruft zur Impfung auf

Walter Horn Walter Horn, Tips Redaktion, 05.08.2018 17:36 Uhr

RIED. 2018 ist ein Rekordjahr für Zecken. Die erhöhte Population führt zu einem starken Anstieg der Erkrankungen an FSME (Frühsommer-Meningoenzephalitis). Besonders stark betroffen ist das Inn­viertel: Im Rieder Krankenhaus wurden bis 3. August 13 an FSME erkrankte Personen behandelt – das ist ein Achtel aller Fälle in Österreich.

Zwei dieser Patienten (beide nicht oder nicht ausreichend geimpft) sind nach einem besonders schwerwiegenden Verlauf der Krankheit gestorben – in ganz Österreich sind vier Todesfälle zu beklagen.

Aufruf zur Impfung

Wegen dieser Häufung ruft das Krankenhaus der Barmherzigen Schwestern Ried zusammen mit Carina Leeb, deren Vater Josef am 13. Juli an FSME starb, zur Zeckenschutzimpfung auf. Primar Andreas Kampfl, Leiter der Neurologie: „Die FSME-Schutzimpfung wirkt zu 99 Prozent und ist der einzig wirksame Schutz gegen eine Erkrankung.“

Die Impfungen werden beim Hausarzt durchgeführt. Empfohlen wird die Impfung ab dem 13. Lebensmonat mit zwei Folgeimpfungen nach ein bis drei sowie fünf bis zwölf Monaten. Die vierte Impfung erfolgt nach dem dritten Jahr, danach muss nur noch alle fünf Jahre (bei Personen über 60 Jahren: alle drei Jahre) aufgefrischt werden. Kampfl: „Jede Impfung zählt!“

Keine Komplikationen bei der Impfung

Kampfl: „Es gibt keine schwerwiegenden oder lebensbedrohenden Komplikationen. Die Impfung kann nie eine Erkrankung auslösen. Diese Gerüchte sind absoluter Blödsinn.“

Bei etwa zehn Prozent der Erwachsenen und 45 Prozent der Kinder tritt nach der ersten Teilimpfung eine Reaktion in Form einer leichten Rötung oder Schwellung der Impfstelle auf, eventuell mit leichtem Fieber, was aber nicht länger als drei bis vier Tage dauert.

Für die FSME-Impfung sind zwei Impfstoffe zugelassen. Die Durchimpfungsrate (Anteil der Personen, die mindestens einmal gegen FSME geimpft wurden) liegt in Österreich bei 80 Prozent, korrekt – also mehrfach – geimpft sind in Oberösterreich rund 60 Prozent der Bevölkerung, etwas weniger als im Bundesschnitt.

Im Gegensatz zu Grippeviren gilt der FSME-Virus als stabil und neigt nicht zu Mutationen.

Symptome

FSME ist eine Viruserkrankung mit einer Inkubationszeit von etwa acht Tagen. Danach dauert die erste Phase etwa eine Woche und bringt grippeähnliche Symptome mit Fieber bis 39 Grad. Nach einem meist beschwerdefreien Intervall von maximal acht Tagen stellen sich dann in der zweiten Phase Symptome ein, die den Befall des Nervensystems signalisieren. Das Virus verursacht eine Immunreaktion im Gehirn, die nicht aufzuhalten ist.

Krankheitsverlauf

FSME kann zwar durch die Impfung mit größter Wahrscheinlichkeit vermieden werden, ist die Krankheit jedoch erst ausgebrochen, kann sie, wie Primar Peter Hohenauer, Leiter der Abteilung für Anästhesie und Intensivmedizin, erläutert, nur noch symptomatisch behandelt werden. „Wir können dann nur den neurologischen Krankheitsverlauf abwarten.“

In der Hälfte der Fälle kommt es „nur“ zu einer isolierten Gehirnhautentzündung (Meningitis) mit Fieber, Nackensteifigkeit, Lichtscheue und Übelkeit. Bei 40 Prozent der Betroffenen wird auch das Gehirn in Form einer Gehirnentzündung (Encephalitis) angegriffen. Bis zu zwei Prozent dieser Fälle enden tödlich.

In den restlichen knapp zehn Prozent kommt es zu einem entzündlichen Befall des Rückenmarks und der Nervenwurzeln (Myelitis) mit einer Querschnittslähmung, der in etwa 30 Prozent der Fälle tödlich ist.

Das Schlimmste für die Ärzte

Primar Hohenauer: „Für uns Ärzte ist es das Schlimmste, wenn wir nur zusehen können, wie es dem Patienten immer schlechter geht.“

Carina Leeb berichtet, dass ihr Vater bis 2005 korrekt geimpft war: „Am Montag hat es bei ihm mit Kopfschmerzen angefangen. Am Mittwoch kam Schüttelfrost dazu, am Donnerstag kam er ins Krankenhaus.“

Nach drei Tagen auf der Normalstation wurde er in die Intensivstation verlegt, wo er trotz bestmöglicher intensivmedizinscher Betreuung einen Monat nach Ausbruch der Krankheit verstarb.

 

Zecken fallen nicht vom Baum

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