Kleinkarierte Lösung für Mühlkreisbahn: Widerstand auf breiter Basis soll Schmalspur doch noch verhindern

„Kleinkarierte Lösung für Mühlkreisbahn“: Widerstand auf breiter Basis soll Schmalspur doch noch verhindern

Martina Gahleitner Martina Gahleitner, Tips Redaktion, 18.04.2013 13:00 Uhr

BEZIRK ROHRBACH. Die Wünsche und Forderungen der Mühlkreisbahn-Befürworter sind ja nicht neu: Attraktivierung der Bahn durch Beschleunigung und Taktverkehr, Verbindung mit dem Hauptbahnhof oder zumindest übergangsweise eine Nahverkehrs-Drehscheibe am Bahnhof Urfahr mit Vertaktung mit der Straßenbahn - und das alles bei Erhalt der Normalspur. Jetzt formieren sich Vereine und Gruppierungen zum Widerstand - sie wollen die Schmalspurlösung doch noch verhindern.

Allen voran ist es das Netzwerk von Christen zur Unterstützung des Global Marshall Plans, das jetzt für die Mühlkreisbahn in ihrer ursprünglichen Form in die Offensive geht. Schwester Gisela Radinger nutzt den Regionalzug, wenn sie zu Verwandten nach Rohrbach fährt und kennt den „katastrophalen Zustand“: „Die Fahrzeit beträgt eine Stunde und 20 Minuten - mit dem Auto fährt man diese Strecke in 35 bis 40 Minuten“, zeigt sie auf. Sie weist aber zugleich darauf hin, dass unser aller Mobilitätsverhalten Auswirkungen auf die Lebenssituation in Entwicklungsländern hat. „Damit mehr Menschen öffentliche Verkehrsmittel nutzen, muss das Angebot stimmen. Nur so kann man auf den eigenen Pkw verzichten“, plädiert die gebürtige Rohrbacherin für eine rasche Modernisierung und Beschleunigung.Reinhold Felhofer, ein gebürtiger Schlägler, der die Mühlkreisbahn ebenfalls von klein auf kennt, stößt ins selbe Horrn. Für ihn als Rollstuhlfahrer kommt hinzu, dass er eine Straßenbahn mit seinem Zuggerät gar nicht nutzen könnte. Weitere Befürworter findet die 125 Jahre alte Regionalbahn bei der Diözese Linz, der Klimaschutz-Initiative, dem Verein Fahrgast OÖ und dem VCÖ.Heinrich Höbarth, Obmann der Klimaschutz-Initiative, vermisst etwa langfristiges Denken: Für eine massive Verkehrsverlagerung von der Straße zur Schiene, die aus Sicht des Klimaschutzes notwendig ist, eignet sich seiner Meinung nach die Normalspur wesentlich besser, als die Schmalspur. „Eine Umspurung wäre wenig sinnvoll - vielmehr sollte das Schwergewicht auf die Modernisierung und Elektrifizierung der Normalspur gelegt werden.“ Er spricht auch den Güterverkehr an: „Linz wird vielleicht in 20, 30 Jahren mit Biomasse geheizt. Deshalb wird auch der Holztransport auf der Mühlkreisbahn notwendig sein.“ Auch Robert Mayr (Verein Fahrgast) kennt die Mühlkreisbahn aus eigener Erfahrung. „Man fährt 20 km/h und denkt es geht nicht mehr langsamer. Aber dann fährt man plötzlich 10 km/h. Und trotzdem fahren immer noch Leute mit der Mühlkreisbahn.“ Für ihn sind es Banalitäten, die gemacht werden sollten - in erster Linie eben diese Langsamfahrstellen zu beseitigen.Mayr sieht die Mühlkreisbahn im Netz von insgesamt zwölf Zulaufstrecken nach Linz. „Eine einzige Strecke schmalzuspuren, schwächt das ganze Netz“, ist er überzeugt. Viele vergebene Chancen Über so viel Unterstützung freut sich natürlich die regionale Plattform Zugkunft Mühlkreisbahn, die vor drei Jahren die drohende Schließung der Bahn abwenden konnte und seither für den Erhalt der Normalspur kämpft. „Eine 'moderne' Regiotram auf 900 mm heißt, dass wir die Chance auf Einbindung in das übrige, normalspurige Schienennetz vergeben, die Chance auf Wiederaufnahme des Güterverkehrs und der Erhalt der ganzen Strecke bis Aigen steht ohnehin in Frage“, zeigt Sprecher Alois Hain auf. „Es ist zu befürchten, dass mit der Straßenbahn in Rottenegg oder Kleinzell Schluss ist, weil kein Geld mehr da ist.“ Damit wäre das gesamte Tourismusnetz Böhmerwald, das touristische Zentrum des Oberen Mühlviertels, von der Schiene abgeschnitten, so Hain. Mühlkreisbahn ist keine Nebenbahn Für Robert Struger, ehemaliger Regionalmanager der ÖBB, ist die Regiotram eine „kleinkarierte Lösung, die in Oberösterreich nicht Platz haben darf.“ Es gebe zahlreiche Gründe, die für die Vollspur sprechen, aber nur einen - nämlich die Einbindung ins innerstädtische Netz - für die Schmalspur. Auch hier hat Struger einen besseren Vorschlag: „Es wäre viel vernünftiger, ein ordentliches S-Bahn-Netz aufzubauen.“ Linz sei der einzige Zentralraum ohne S-Bahn.„Wir reden hier auch nicht von einer Nebenbahn“, meint er weiter: „5000 Leute fahren täglich mit der Mühlkreisbahn - wenn diese aufs Auto umsteigen, sind das 4000 Fahrzeuge mehr.“Finanziell gesehen braucht man für „die zukunftsorientierte Sanierung der bestehenden Mühlkreisbahn weniger als die Hälfte jener Mittel, die für eine Umsprung und Errichtung der Regiotram erforderlich werden“, weist Struger auf die geschätzten Kosten von 150 Millionen Euro (bis Kleinzell) hin. Die Sanierung würde an die 60 Millionen Euro kosten. Stichwort Kosten: Die Sanierung von 1 Kilometer Gleis kostet maximal 500.000 Euro. „Insgesamt wären 4 Kilometer Langsamfahrstellen zu sanieren - das würde also rund 2 Millionen Euro kosten. Und wegen sowas diskutieren wir jahrelang und es wird nicht gemacht.“  Informations-Veranstaltung in RohrbachUm die Bevölkerung zu informieren und aufzuklären und den Widerstand von der Basis aus zu stärken, lädt das Netzwerk von Christen zu einer Informationsveranstaltung: Am Montag, 29. April (20 Uhr) heißt es im Pfarrheim Rohrbach „Jetzt handeln: Wir brauchen eine moderne Mühlkreisbahn für die Zukunft“.Als Referenten kommen Heinrich Höbarth (Bedeutung der Bahn aus Sicht des Klimaschutzes), Robert Struger (125 Jahre MKB - Aufbruch oder Ende) und Thomas Schempf (Ilztalbahn - Mühlkreisbahn) zu Wort.An dem Abend liegt auch eine Unterschriftenliste für den Erhalt der Vollbahn auf.  
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