Demenzberatung hilft Angehörigen: Es tut gut, sich alles von der Seele reden zu können

Demenzberatung hilft Angehörigen: „Es tut gut, sich alles von der Seele reden zu können“

Martina Gahleitner Martina Gahleitner, Tips Redaktion, 29.07.2016 06:30 Uhr

ROHRBACH-BERG. 80 Prozent der älteren Menschen werden zu Hause von ihren Angehörigen betreut und gepflegt. Wobei die Zahl jener Menschen, die an Demenz erkrankt sind, ständig steigt. Gerade das ist eine Herausforderung für die pflegenden Angehörigen, die sich beim Sozialhilfeverband Rohrbach Hilfe und Unterstützung holen können.

„Viele Angehörige machen einfach aus Gefühl heraus das Richtige“, sagt die Sozial- und Demenzberaterin Gerlinde Arnreiter. Und dennoch ist es gerade am Anfang der Erkrankung schwierig. „Bei Menschen mit Demenz lässt der Verstand nach, dafür reagieren sie stärker auf der emotionalen Ebene. Sie entwickeln Verhaltensauffälligkeiten, werden mitunter auch aggressiv. Der Betroffene handelt so, weil er krank ist – aber das muss man den Angehörigen erklären, damit diese Verständnis, Mitgefühl und Achtung aufbringen können“, schildert Arnreiter, die seit elf Jahren mit Menschen mit Demenz und deren Angehörigen arbeitet und sich in dieser Zeit intensiv weitergebildet hat. Mit Beratungen und Gesprächen hilft sie den pflegenden Angehörigen, mit der Situation umgehen zu lernen. Dabei wird ihr immer wieder bestätigt, dass es gut tut, sich die Probleme von der Seele reden zu können. „Zuhören und Tipps geben – das hilft den Angehörigen am meisten weiter“, ist die Demenzberaterin überzeugt.

Krankheit kaum ersichtlich

Gerlinde Arnreiter möchte mit ihrer Beratungs- und auch Vortragstätigkeit das Thema Demenz enttabuisieren. „Als Angehöriger soll man sagen dürfen, ich bin überlastet, ich brauche Hilfe. Denn es ist eine gewaltige Leistung, die hier von den Ehegatten, Kindern oder Schwiegerkindern erbracht wird. Das soll mehr anerkannt werden“, sagt sie. Nach außen hin sei die Krankheit nämlich kaum ersichtlich, die Betroffenen sind körperlich fit – oft fitter als vor der Demenzerkrankung. Dabei können sie bei Fortschreiten der Krankheit rund um die Uhr kaum mehr aus den Augen gelassen werden und die emotionale Belastung für die Angehörigen sei extrem.

Gemeinsame Auszeit

Eine Auszeit für Angehörige bietet die Tagespflege in den Alten- und Pflegeheimen des Bezirkes. Erstmals fand vor wenigen Tagen auch ein Ausflug der Gäste der Tagesbetreuung am Altenheim Kleinzell mit den Angehörigen statt. Sie fuhren gemeinsam zum Unterkagererhof, wo sie eine Reise in die Vergangenheit unternehmen konnten. „Gerade Menschen mit Demenz, deren Kurzzeitgedächtnis beeinträchtigt ist, können sich an Ereignisse in der Vergangenheit sehr gut erinnern. Bei diesem Ausflug wurden Erinnerungen wach, die zu vielen anregenden Gesprächen führten“, freut sich Gerlinde Arnreiter. Sie wollte damit auch aufzeigen, dass mit Demenz-Erkrankten schöne Erlebnisse möglich sind.

 

Kontakt:

Sozial- und Demenzberaterin Gerlinde Arnreiter ist beim SHV Rohrbach, Tel. 07289/8851-69318, 0660/340 9527 erreichbar.

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