Naturtipp: Vom Mosaik der Vielfalt zur Agrarsteppe

Martina Gahleitner Martina Gahleitner, Tips Redaktion, 19.07.2012

Vor der Besiedlung durch den Menschen war das Mühlviertel fast vollständig von Wald bedeckt. Dieser Urwald wurde vom Menschen im Laufe der Zeit gerodet und fast überall auf kleine, inselartige Reste zurückgedrängt. Das dem Wald abgerungene Offenland nutzte man jahrhundertelang mosaikartig für Wiesen, Felder und Siedlungen.

Tierarten wie das Rebhuhn konnten in diesem Mosaik aus kleinen Parzellen mit vielen unterschiedlichen Kultursorten ihre gesamten Lebensbedürfnisse (Nahrungsaufnahme, Feindschutz, Balz, Brut, Jungenaufzucht, Staubbaden…) auf kleinstem Raum befriedigen. Grenzbereiche (Randlinien) zwischen unterschiedlichen Kulturen stellten besonders attraktive Lebensräume dar. Die dort allgegenwärtigen Hecken und Raine boten Sicht- und Feindschutz und lieferten selbst im Winter Nahrung. Die Mahd der Wiesen setzte in der Vergangenheit jahreszeitlich später ein (kaum Mähverluste!) und erfolgte zeitlich gestaffelt: Bis ein Bauer seine letzte Wiese gemäht hatte, war das Gras auf der ersten wieder vollständig nachgewachsen. Intensivierung Bis etwa in die Mitte des 20. Jahrhunderts mussten Bauern ihren Lebensunterhalt durch ein hohes Maß an Handarbeit „im Schweiße ihres Angesichts“ verdienen. Die dann großflächig einsetzende Maschinisierung erhöhte die Effizienz gewaltig. Dieser Fortschritt brachte neben vielen Vorteilen für uns Menschen auch einen Wandel im Landschaftsbild und in der Artenvielfalt. Grundstückszusammenlegungen führten zu größeren Bewirtschaftungseinheiten und damit zu einer „Entmischung“ der Kultursorten und einer Abnahme der attraktiven Lebensraumgrenzen. Verschärft wurde das Problem durch eine Abnahme der Anzahl an Kultursorten, die Beseitigung von Hecken und Rainen, die Drainagierung von Feuchtwiesen, die Umstellung von Stallmist auf Gülle, die Erhöhung von 1- bis 2-maliger Wiesenmahd auf oft 4- bis 6-malige Mahd, den Einsatz von Mineraldüngern und Spritzmitteln… Damit ist die einst artenreiche Kulturlandschaft vielerorts einer artenarmen Agrarsteppe gewichen. Um die Kulturlandschaft zur Zeit unserer Großeltern und Urgroßeltern erahnen zu können, muss man heutzutage ein „Landschaftsmuseum“ aufsuchen. Ein Spaziergang durch das Landschaftsschutzgebiet „Terrassenlandschaft Ödenkirchen“ im Gemeindegebiet von Ulrichsberg bietet eine gute Möglichkeit dazu.   Verfasser:Christian DeschkaNaturschutzbund OÖRegionalgruppe Mühlviertel Westwww.mühlviertelnatur.atwww.naturundjagd.at

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