Naturtipp: Von Ketten und Völkern - das Rebhuhn

Martina Gahleitner Martina Gahleitner, Tips Redaktion, 20.09.2012

Bei einem Spaziergang in der Feldflur kann es momentan passieren, dass man eine Rebhuhnfamilie aufscheucht. Diese entdeckt uns Störenfriede zwar deutlich früher, duckt sich aber noch möglichst lange in die Vegetation und fliegt erst wenige Meter vor uns mit burrenden Flügelschlägen und aufgeregten Rufen auf.

Diese Feldhühner sind nur etwa halb so groß wie Haushühner. Im niedrigen Flug über die Feldflur wechseln Phasen mit Flügelschlägen und Gleitstrecken einander ab. Dem genauen Beobachter fallen runde Flügel und ein kurzer, rostroter Schwanz auf. Wenn man sich beeilt, kann man die Hühner noch zählen, ehe sie nach rund 100 Metern wieder landen. Um diese Jahreszeit sind Rebhühner typischerweise im Familienverband aus Hahn, Henne und zehn bis 15 Jungen unterwegs. Nach der Landung flüchten die Hühner perlenkettenartig aufgereiht zu Fuß in die nächste Deckung. Dies hat dem Familienverband in der Jägersprache den Namen „Kette“ eingebracht. Ökologie Im Winter vereinen sich kleine „Ketten“ und Paare, die beispielsweise ihr Gelege verloren haben, zu einem „Volk“ von rund 20 Hühnern. Beim Ruhen und Schlafen rücken die Hühner mit dem Hinterteil zusammen und bilden eine Kreisform (vgl. Wagenburg). Dadurch können sie sich gegenseitig wärmen und die Umgebung besser im Auge behalten. Sobald im Spätwinter erste Frühlingsgefühle auftauchen, lösen sich die Völker und Ketten auf. Die Hühner finden sich zu Paaren zusammen, welche eine Kontaktscheu entwickeln und sich über die Landschaft verteilen. Im April/Mai legt die Henne bis zu 20 Eier in ein flaches Bodennest. Dieses wird von den kleinen Nestflüchtern sofort nach dem Schlüpfen verlassen. Hahn und Henne führen dann gemeinsam die kleinen Küken. Wie viele Jungen überleben, hängt stark von der Landschaftsstruktur ab. In einer abwechslungsreichen Kulturlandschaft aus kleinen Parzellen mit unterschiedlicher Nutzung und dazwischenliegenden Rainen und Hecken herrschen beste Lebensbedingungen. In einer ausgeräumten, monotonen Landschaft mit wenigen, riesigen Bewirtschaftungseinheiten haben die kleinen Feldhühner schlechte Karten. Die landwirtschaftliche Intensivierung in den letzten Jahrzehnten führte dazu, dass Rebhühner vom alltäglichen Vogel und verbreiteten Jagdwild zu einer Seltenheit wurden.   Verfasser: Christian Deschka Naturschutzbund OÖ, Regionalgruppe Mühlviertel West www.muehlviertelnatur.at, www.naturundjagd.at

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