Mikro-Öffentliches-Verkehrssystem steht in den Startlöchern

Mikro-Öffentliches-Verkehrssystem steht in den Startlöchern

Omer Tarabic Omer Tarabic, Tips Redaktion, 23.04.2019 18:20 Uhr

BEZIRK SCHÄRDING. Um die Mobilität im Bezirk Schärding zu steigern, arbeitet die LEADER-Region Sauwald-Pramtal an der Umsetzung eines Mikro-Öffentlichen-Verkehrssystems (Mikro-ÖV). Tips sprach mit Johannes Karrer, Geschäftsführer der LEADER-Region, über das Projekt.
 
 

Tips: Herr Karrer, seit wann wird von der LEADER-Region an einer Verbesserung des Mobilitätsangebotes im Bezirk Schärding gearbeitet beziehungsweise wie ist es dazu gekommen, dass Sie dieses Thema aufgreifen?

Karrer: Schon bei der Erarbeitung der Lokalen Entwicklungsstrategie zu Beginn der LEADER-Periode war das Thema „Mobilität“ ein sehr wichtiges. Dazu wurden von unterschiedlichen Personen Ideen und Anregungen eingebracht. Das war für die LEADER-Region der Auftrag, sich nach Möglichkeiten umzusehen, regionale Alternativen und Ergänzungen zum öffentlichen Verkehr zu finden. Dazu wurden unterschiedliche Zugänge und Projekte besucht und gehört. Ende vergangenen Jahres wurde vom Vorstand beschlossen, ein Planungsprojekt zu starten, in dem die Machbarkeit für die Region Sauwald-Pramtal geprüft wird.

Tips: Welche konkreten Pläne gibt es bereits?

Karrer: Aktuell wird an der Machbarkeitsstudie gearbeitet: Die Idee ist, eine flexible, bedarfsorientierte Mobilitätslösung für die gesamte LEADER-Region aufzubauen. Das bedeutet, dass ergänzend zum bereits vorhandenen öffentlichen Verkehr zwischen den bestehenden Linien mit Kleinbussen, je nach Bedarf, zwischen definierten Haltepunkten gefahren wird. Mit dem Mikro-Öffi wird also einerseits die innerörtliche Mobilität gestärkt und andererseits die Fahrt zu Bus- und Bahnhaltestellen ermöglicht. Das System sieht auch vor, dass Bus- und Bahnlinien, die es bereits gibt, nicht konkurrenziert werden. Ziel ist es, dass vor allem bei weiteren Strecken vom Mikro-Öffi auf Bus und Bahn umgestiegen wird. Ein Mikro-Öffi fährt also dort, wo Bus und Bahn nicht verkehren und zwar nur dann, wenn Bedarf besteht. Das primäre Ziel ist es, die Mobilität für bestimmte Personengruppen zu steigern, den öffentlichen Nahverkehr zu stärken und Personen, die kein eigenes Auto nutzen können oder wollen, zu unterstützen.

Tips: Wer soll vom neuen Konzept besonders profitieren?

Karrer: Jene Personengruppen, die nicht mehr oder noch nicht mobil sind, werden profitieren. Also vor allem Senioren, Lehrlinge, Schüler abseits des üblichen Schultransportes aber auch deren Familien, da Fahrtdienste nicht mehr nur innerhalb der Familie organisiert werden müssen. Auch Betriebe und Pendler sollen einen Nutzen haben, wenn es etwa um Abholung und Zubringung zu Bahnhöfen oder Haltestellen geht, wo der eigene PKW sonst den ganzen Tag am Bahnhof steht, während dieser auch zuhause gebraucht wird.

Tips: Wie hoch schätzen Sie das Fahrgastpotenzial ein?

Karrer: Das ist Teil der Berechnungen der Machbarkeitsstudie, die jedoch noch nicht abgeschlossen ist.

Tips: Wie hoch sind die Kosten und wer aller steht hinter der Finanzierung?

Karrer: Dies ist ebenso wichtiger Teil der Planung. Aktuell können wir noch keine konkreten Zahlen vorlegen. Das Planungsprojekt wird über LEADER-Mittel und die LEADER-Region finanziert. Für eine mögliche Betriebsphase wird die Kostenaufteilung noch zu präzisieren sein. Damit dies gelingt, müssen sich die Gemeinden und das Land sowie die Fahrgäste beteiligen.

Tips: Werden Betriebe und Schulen bei der Ausarbeitung des Konzeptes mit ins Boot geholt?

Karrer: Wir haben im März in Zusammenarbeit mit der WKO Schärding ausgewählte Referenzbetriebe befragt – sowohl Betriebsführung als auch Mitarbeiter. Diese Befragung hat das Logistikum der Fachhochschule Steyr für uns durchgeführt.

Tips: Wie ist das Ergebnis ausgefallen?

Karrer: Sehr positiv. Fast alle Betriebe und Mitarbeiter sehen das Thema Mikro-ÖV positiv und können sich eine Beteiligung – nach einer Test-Phase – vorstellen.

Tips: Sollen eigene Fahrzeuge zum Einsatz kommen oder streben Sie eine Zusammenarbeit mit den öffentlichen Verkehrsbetrieben an?

Karrer: Es werden definitiv keine eigenen Fahrzeuge angeschafft. Wir wollen die regionalen Fuhrunternehmer einladen, innerhalb des Mikro-Öffentlichen-Verkehrssystems zu fahren. Das kann für die Unternehmen eine bessere Auslastung ihrer Fahrzeuge zu fairen Konditionen bedeuten. Diese Wertschöpfung bleibt damit in der Region.

Tips: Soll das neue Verkehrskonzept nur an Wochentagen oder auch an Wochenenden zum Einsatz kommen?

Karrer: Im Hintergrund werden aktuell mehrere Szenarien berechnet. Für welche Betriebszeiten man sich entscheiden wird, hängt dann natürlich auch von den Kosten ab.

Tips: Wie ist die bisherige Resonanz der Gemeinden?

Karrer: Wir haben die Gemeinden von Anbeginn in alle Phasen eingebunden und in allen Gemeinden auch persönliche Gespräche geführt. Ich bin vorsichtig optimistisch, dass wir eine ausreichende Gebietskulisse zusammenbringen. Das Thema ist für eine zersiedelte, periphere Region wie unsere wichtig, um auch in Zukunft attraktiv für die Bürger der Region zu bleiben. Daher ist es auch wichtig, bei solchen zukunftsweisenden Projekten ein Stück weit solidarisch zu agieren.

Tips: Wann soll das Konzept stehen beziehungsweise zum Einsatz kommen?

Karrer: Das Planungsprojekt kommt jetzt in die heiße Endphase. Am 6. Juni werden wir die Ergebnisse allen Gemeinden und allen anderen Interessierten vorstellen. Danach müssen die Gemeinderäte über das erarbeitete Konzept abstimmen. Im Herbst wird sich zeigen, ob sich ausreichend Gemeinden beteiligen – es macht aber nur Sinn, wenn möglichst viele Gemeinden teilnehmen. Ein Fleckerlteppich wird nicht umgesetzt werden.

Tips: Arbeiten auch andere LEADER-Regionen an der Umsetzung solch eines Verkehrskonzeptes?

Karrer: Ja. Auch unsere Nachbarregion Mostlandl-Hausruck plant, dasselbe System einzuführen. Wir machen das Projekt im Gleichschritt und heben damit auch viele Synergien auf. Oberösterreichweit wären wir die Ersten, die ein solches System über eine ganze Region einführen.

 

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