Erfahrungen in der Flüchtlingsarbeit - Erfolge in der Integration
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Erfahrungen in der Flüchtlingsarbeit - Erfolge in der Integration

Rosemarie Schauer-Wolkenstein, Leserartikel, 08.03.2018 15:17 Uhr

BEZIRK. Im Pfarrzentrum von Purgstall kamen Betreuer von Flüchtlingen der Bezirke Scheibbs, Amstetten und Melk zusammen, tauschten ihre Erfahrungen aus und berichteten über Erfolge und Probleme.

Die Flüchtlingshelfer berichten großteils über positive Erfahrungen in ihrer Arbeit mit den Flüchtlingen, eine Welle der Hilfsbereitschaft in der Bevölkerung und gute Vernetzungsarbeit zwischen Gemeinden, Pfarren und den Helfern. Christian Köstler, Leiter der PfarrCaritas spricht von einem „Sturm der Hilfsbereitschaft“ zu Beginn der großen Flüchtlingswelle, und er habe zu dieser Zeit oft nicht gewusst, welche Aufgaben er all den freiwilligen Helfern geben sollte. Dieser Sturm habe sich mittlerweile etwas gelegt, so Köstler.

Schwierige Zeiten

Es gebe aber auch immer wieder schwierige Zeiten, wenn „ihre“ Schützlinge negative Asylbescheide erhalten oder die Bürokratie den Umgang mit Ämtern und Behörden mühsam mache, und die aktuelle Abschiebepolitik zu vielen Unsicherheiten führe. Eine Gruppe der Helfer berichtet von einem Fall, wo eine Person von der Polizei abgeholt und nach Frankreich überstellt wurde, weil dort sein Aufenthaltstitel sei. Ein anderer Fall sei ein Mann, der schon gerne arbeiten gehen würde aber vorher noch deutsch lernen muss, was er als sehr mühsam empfindet. Andere wiederum sind nach Wien gezogen, weil es hier für sie schwierig war, einen Deutschkurs zu besuchen.

Einige von den Helfern meinen, sie müssten sich immer wieder aktiv distanzieren um selbst nicht „mitzuleiden“. Für die Asylwerber sei vor allem das Warten und die Unsicherheit eine große psychische Belastung, manche von ihnen würden depressiv werden und sprechen davon nicht mehr leben zu wollen. Aber auch auf den Helfern laste ein großer psychischer Druck und die Unsicherheit, wie es in Zukunft mit den betreuten Personen weitergehen wird, sei eine große Herausforderung. Hier wie dort sei darum psychotherapeutische Betreuung gefordert, die Angebote, die es gibt, seien recht ausgelastet. Eine andere Belastung seien die negativen Meinungen aus der Bevölkerung.

Schöne Erfolge

Besonders stolz sind die Helfer auf besondere Erfolge wie zum Beispiel auf einen Burschen, der sich über einen Fußballclub in die Gemeinschaft gut integriert habe, andere Kinder oder Jugendliche würden sich in der Jungschar engagieren, fahren auch auf die Lager mit und singen die österreichischen Jungscharlieder. Von einem jungen Mann aus Äthiopien, der gut ausgebildet ist, wird berichtet, dass er sich in zwei Schulen ehrenamtlich als Englischlehrer engagiert und dort sehr beliebt sei. Er kann so gleichzeitig helfen und sein Leben hat eine gute Tagesstruktur bekommen.

Eine andere Gruppe berichtet über die Gründung eines „Nähcafés“, das sich mittlerweile gut etabliert hat, als Begegnungszone dient und dadurch auch die Einheimischen gegenüber den Asylwerbern offener werden würden. Aus einer anderen Gemeinde wird von wöchentliche Sprachcafés oder Bildungscafés berichtet, wo auch Experten eingeladen werden. Von einigen anderen Familien gibt es Berichte, dass die Kinder gut in der Schule integriert sind, dort gute Erfolge hätten und die Eltern – zumindest teilweise – bereits Arbeit gefunden haben. Vor allem die Männer würden gerne immer etwas arbeiten, und so gebe es auch einige Initiativen, wo diese sich freiwillig betätigen können, wie zum Beispiel Unkraut jäten auf dem Friedhof.

Von der Caritas wurde eine Art Handbuch für die Flüchtlingsarbeit herausgegeben, um Unterstützung für die Vorgehensweise in verschiedenen (kniffligen) Situationen zu geben

Spendenaktion

Eine Flüchtlingsfamilie aus Syrien hat sich spontan entschlossen eine Hilfsaktion für Ost-Ghouta, der Stadt aus der die Familie stammt und in der es zurzeit immer wieder Bombardements gibt, ins Leben zu rufen. Mohammad, der jugendliche Sohn der Familie präsentierte Bilder und Videos der Zerstörung und Aufnahmen von Familienmitgliedern und Freunden, die noch in der Stadt sind, die darum bitten zu helfen.

Infos unter: www.caritas-st.poelten.at

Videolink Willkommen Mensch: www.facebook.com/Willkommen-Mensch-in-Amstetten-454193024729780/ 

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