Ein Mensch wie du und ich

„Ein Mensch wie du und ich“

Jakob Weiermair, Leserartikel, 15.07.2014 16:00 Uhr

SCHLIERBACH/HINTERSTODER. Die in Hinterstoder aufgewachsene Autorin Brita Steinwendtner veröffentlichte zu Beginn des Jahres den Roman „An diesem einen Punkt der Welt“. Tips stellte der Autorin einige Fragen und verlost 2 x 2 Eintrittskarten für ihre Lesung am Freitag, dem 29. August im Bernardisaal des Stiftes Schlierbach beim Literaturfestival „4553“.

Tips: Wovon erzählen Sie in Ihrem Roman „An diesem einen Punkt der Welt“? Brita Steinwendtner: Ich habe versucht, die Geschichte eines jungen Mannes und seines Umfeldes zu erzählen, ihn jedoch darüber hinaus einzubetten in die Strömungen und Veränderungen seiner Zeit und in das Gefüge eines dörflichen Lebens. Tips: Es ist also eine Geschichte vom Land? Steinwendtner: Es ist eine Provinzgeschichte, die sich von der landläufig beliebten Beschimpfung distanziert. Die Geschichte ist zwar in einem Dorf – als Beispiel für viele andere – angesiedelt, trägt aber die Weite der Welt in sich und beschreibt weder Idylle noch ein Katastrophen-Szenario, sondern die Vielfalt des Lebens. Tips: Ihr Roman basiert auf einer „wahren Geschichte“. Wie kamen Sie dazu? Steinwendtner: Ich war zwei Mal zu einer Lesung bei den „Literarischen Nahversorgern“ (Veranstalter des Literaturfestivals „4553“, Anm.) eingeladen. Dabei habe ich Bernhard Samitz kennengelernt, der mich durch sein Wissen und seine Weltsicht beeindruckt hat. Als ich dann erfuhr, dass er gestorben war, begann ich zu recherchieren und fand ein für die Zeit um die Jahrtausendwende paradigmatisches Leben. Das habe ich dann versucht, als mögliche typische Gegenwartsgeschichte zu erzählen. Tips: Worauf liegt Ihr Hauptaugenmerk bei der Geschichte vom „Lamandergraben-Tom“? Steinwendtner: Ich wollte zeigen, dass es immer und an jedem Ort, selbst im kleinen Rahmen eines Dorfes und mit dem Auf und Ab von Gelingen und Scheitern, einerseits wichtig ist, für etwas zu denken und zu arbeiten, was man Aufklärung nennen könnte – das heißt, eine Verbesserung in politischen, sozialen und kulturellen Strukturen zu erreichen; und andererseits selbst ein Leben zu leben, das reich, vielschichtig, nachdenklich und herausfordernd ist. Tips: Weshalb haben Sie teils reale und teils fiktive Ortsnamen verwendet? Steinwendtner: Alle Namen in der konkreten Umgebung, also dort, wo der Tom des Romans lebt, sind anonym gehalten oder verschlüsselt und verändert, da sie für Allgemeines stehen sollen. Die Namen in Saskatchewan, in den Dakotas, Wyoming und Montana hingegen, dort, wohin ich Tom auf eine fiktive Reise schicke, sind ganz genau benannt. Hier ist die Distanz groß genug. Tips: Würden Sie sagen, dass der Held des Romans, Tom, „gescheitert“ ist? Steinwendtner: Ich würde ihn nicht „Held“ nennen. Das ist er nicht. Er ist ein Mensch wie du und ich. Kämpft, lebt, liebt, erlebt Schönes und Trauriges, Erfolg und Misserfolg. Hat Sehnsucht. Es bleibt viel Unerfülltes. „Scheitern“ sollte man es vielleicht nicht nennen. Tips: Ein Motiv in Ihrem Roman ist das des aushöhlenden, grabenden Baches. Wofür steht dieses Motiv in Ihrem Roman?Steinwendtner: Es freut mich, daß Sie die Rede auf die Motive des Romans bringen, das haben noch nicht viele gemacht. Das Motiv des aushöhlenden Baches steht für die Entwicklung der Hauptfigur, die von ihren großen Zielen und vielen Enttäuschungen untergraben und ausgehöhlt wird, auch physisch, vielleicht auch von zu großen oder sprunghaften Lebensentwürfen. Tips: Ihre Sprache, Ihren Stil könnte man als „poetisch“ bezeichnen – wie wichtig ist Ihnen dieser „Poetische Stil“?Steinwendtner: Er wäre mir wichtig, wenn ich ihn anstreben wollte. Aber das ist nicht der Fall. Ich glaube, man schreibt, wie man schreiben muß, es ist eine innere Melodie, der man folgt. Lesung beim Festival „4553“Freitag, 29. August, 20 UhrBernardisaal, Stift Schlierbach
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