Verein Conclusio ermöglicht Asylwerbern ehrenamtliche Arbeit

Jakob Weiermair, Leserartikel, 11.05.2016 09:32 Uhr

SCHLIERBACH/OÖ. Nach dem Lions-Nachhaltigkeitspreis wurde das Projekt Conclusio auch mit einem der Sozial-Marie-Preise ausgezeichnet. Johannes Brandl, Gründer von Conclusio, zeigt sich erfreut über die tolle Resonanz und fasst bereits die nächsten Vorhaben ins Auge.

Für Johannes Brandl verbindet sich mit dem nun erneut ausgezeichneten Projekt Conclusio eine ganze Philosophie, ein konstruktiver Ansatz in der derzeitigen, sogenannten Flüchtlingskrise. Kern des Ansatzes ist, dass sich Einheimische und Fernheimische, Asylwerber und hier Aufgewachsene, am besten auf Augenhöhe begegnen sollen. „Die enorme Hilfsbereitschaft vonseiten der Bevölkerung war und ist sehr wichtig. Jetzt geht es aber auch darum, das Zusammenleben zu gestalten. Conclusio ist ein Instrument, das dazu führt, dass sich Menschen auf Augenhöhe begegnen können“, erklärt Brandl.

Einbindung auf Augenhöhe

Die gemeinsame Arbeit, die über den Verein Conclusio organisiert wird, ermöglicht diese Begegnung auf Augenhöhe. „Die gemeinsame Arbeit ist so wichtig, da die Verständigung, die Kommunikation dabei viel leichter ist. Die ehrenamtliche Arbeit bietet den Asylwerbern die Chance, ihre Werte, ihre Fähigkeiten einzubringen. So passiert intensive Einbindung und Vernetzung“, zeigt sich Brandl von dem Ansatz begeistert.

Die Idee hinter Conclusio ist, die Asylwerber möglichst bald nach ihrer Ankunft in Österreich einzubinden. „Es ist bekannt und ich habe es auch persönlich erlebt, dass die Menschen im Laufe langer Asylverfahren passiv werden und Folgeprobleme auftreten. Deshalb ist es so wichtig, ihnen Arbeit und Engagement von Anfang an zu ermöglichen. Bürokratie und Hürden im Kopf muss man dabei aber hinter sich lassen“, so Brandl.

Zeittausch-System

Da Geflüchtete im Asylverfahren keinem Lohnerwerb nachgehen dürfen, war die Idee hinter Conclusio, ehrenamtliche Arbeit nach dem Vorbild von Zeittausch-Systemen, wie etwa der „Zeitbank 55+“ zu organisieren. Für die getane Arbeit besteht kein Anspruch auf Gegenleistung, die Mitglieder im Verein können Arbeiten im Sinne der Freiwilligkeit auch jederzeit ablehnen.

„Durch das Zeittausch-System hat man das Thema Abgeltung erledigt. Conclusio will natürlich, etwa im Gartenbereich, keinen Professionisten Konkurrenz machen. Prinzip ist, dass bei jenen Aufgaben geholfen wird, die man normalerweise allein oder im Rahmen der Nachbarschaftshilfe erledigt“, legt Brandl dar.

Breite Anerkennung

Besonders erfreut zeigt sich der SPES-Geschäftsführer und Vereinsgründer über die breite Anerkennung und Unterstützung, die Conclusio derzeit erfährt. So engagiert sich etwa der Lions Club Ambra Kirchdorf intensiv für das Projekt. Monika Obernberger, Präsidentin des Lions Club Ambra Kirchdorf, erklärt: „Bei einem positiven Bescheid ist eine leichtere Integration in den Arbeitsmarkt möglich, da der Bewerber sich schon ehrenamtlich bewähren konnte – dadurch wird auch unser Sozialsystem wieder entlastet. Asylwerber werden vom Leistungsempfänger zum Leistungserbringer.“

Prominenter Pate

Auch beim Sozial-Marie-Preis konnte Conclusio überzeugen und bekam eine der Auszeichnungen verliehen. Der bekannte österreichische Kabarettist Josef Hader übernahm im Rahmen des Preises für ein Jahr lang den Ehrenschutz für das Projekt. „Die Aufmerksamkeit, die Conclusio dadurch erfährt, ist natürlich unschätzbar. Geplant ist auch ein Kabarett-Galaabend mit Josef Hader im SPES in Schlierbach. Darüber hinaus hoffen wir natürlich auch auf öffentliche Unterstützung bei der anstehenden Projekt-Erweiterung“, sagt Brandl.

Das System soll nämlich in Österreich weiter verbreitet werden. Und auch neue Arbeitsfelder will man sich bei Conclusio erschließen. Johannes Brandl: „Wir möchten Montessori-Materialien für Schulen mit Asylwerbern herstellen, vermehrt Assistenzleistungen in Schulen, Kindergärten, Alten- und Pflegeheimen vermitteln oder Volontariate für die Conclusio-Mitglieder organisieren.“

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