Johanna Tschautscher Vom Mythos der erlösenden Gewalt

Johanna Tschautscher Vom Mythos der erlösenden Gewalt

Reinhard Leeb Reinhard Leeb, Tips Redaktion, 13.03.2018 17:00 Uhr

SEITENSTETTEN. Die Regisseurin und Schriftstellerin Johanna Tschautscher hat ihren neuesten Film „Vom Mythos der erlösenden Gewalt“ veröffentlicht. Tips-Redakteur Reinhard Leeb konnte ihr Fragen zum Film stellen.

Die Regisseurin und Schriftstellerin Johanna Tschautscher hat in ihrer Dokumentation „Too big to tell“ (2014) das Schuldgeldsystem der Wirtschaft und die Arbeitsweise der Finanzindustrie analysiert. Die Idee zu ihrem neuesten Film „Vom Mythos der erlösenden Gewalt“ ist während der Recherchen geboren worden. Tips-Redakteur Reinhard Leeb konnte der Filmemacherin dazu einige Fragen stellen.

Tips: Wie bist Du zu dem Thema in Deinem neuen Film „Vom Mythos der erlösenden Gewalt“ gekommen?

Johanna Tschautscher (JT): Während Recherchen zu meinem Finanzfilm stieß ich auf einen Pfarrer in England, der den amerikanischen Theologen und Kollegen Walter Wink zitiert, um auszudrücken, dass Mächte heute auch von den riesigen Institutionen und Bürokratien ausgehen, denen sich der Mensch zunehmend machtlos gegenüber fühlt. Das hat mich interessiert. Der Pfarrer sieht „Beherrschung“ nicht mehr nur durch Einzelpersonen, Familien, Gruppen ausgehen, sondern von schwer fassbaren Entitäten, denen sich Walter Wink 40 Jahre lang gewidmet hat und die er in seinem Buch „The powers that be“ zusammenfassend publizierte.

Tips: Kannst Du kurz zusammenfassen, was der Inhalt Deines Filmes ist?

JT: Auf der DVD des Filmes schreibe ich, dass mich mein Gespür für eine Ordnung, die frei von Herrschaftssystemen ist zu sieben Personen geführt hat, die sich mit Herrschaftssystemen, Herrschaftsmythen, Gewalt, Gewaltlosigkeit, der Bibel, dem Gebet und mit Jesus beschäftigen. Zusammen mit diesen sieben Personen entstand dieser Film. Es ist ein Essayfilm, der sich auch künstlerischer und musikalischer Mittel bedient.

Tips: Welche Aspekte waren Dir dabei am wichtigsten?

JT: Authentizität. Gemeinsames, auch lustvolles, intensives Ringen nach sprachlichen Fassungen, die der Thematik nahe kommen. Optionen für Material verwerfen und noch einmal Drehen.

Tips: Dein Film „Too big to tell“ war eine sehr weltliche Dokumentation zu unserem Geld- und Wirtschaftssystem. Dein neuer Film hat eine andere Erzählsprache. Warum hast Du diesen Stil gewählt?

JT: Die Erzählform ergab sich aus „dem Stoff“. Walter Wink verschriftlichte seine Inhalte in sehr vielen guten Büchern. Film hat die Option für Bild- und Musikebenen. Der Trailer gibt vielleicht eine Stimmung vor, die dem Film insofern gar nicht gerecht wird, als der Film sehr langsam ist. Dieser „Stoff“, die spirituelle Beschäftigung mit Gewalt und Gewaltlosigkeit auf einer Metaebene, würde mit dokumentarischem Material aus unseren jetzigen Kriegs- und Gewaltschauplätzen den Weg versperren, dahinterliegende, ganz subtile Blicke und Perspektiven auf etwas zu werfen, das mit Ganzheit zu tun hat. Und natürlich scheitere ich dabei. Das Spirituelle ist ja nicht in Atome geteilt und hat keine „Details“. Es ist ja immer und ständig ganz. Daher ringen wir ja auch so, wenn wir versuchen darüber etwas zu sagen und stottern womöglich sogar und in diesem Stottern liegt ja oft genauso viel Wahrheit, wie in einem präzise formulierten Satz.

Tips: Der Film ist in schwarz-weiß gehalten. Warum?

JT: Schwarz-Weiß auf Grund der ähnlichen Thematik wie oben. Nach sechs Filmvorführungen und Publikumsgesprächen wurde mir klar, dass meine Wahl Schwarz-Weiß als Hilfe und eine Art „Meditationshilfe“ als stimmig erkannt wurde. Das sagten mir die Menschen. Vielleicht gibt es auch Menschen, die das irritierte. Gesagt hat mir das noch niemand. Es war von mir keine bewusste Entscheidung, es ergab sich während der Schnittarbeiten und brachte mich plötzlich viel rascher voran. Da wurde mir bewusst: Irgendetwas stimmt daran. Ich lasse das jetzt so.

Tips: Was musstest Du beim Film weggelassen, weil … ?

JT: Ich musste Lieblingspassagen über das Gebet weglassen. Und Lieblingspassagen über die Dämonen. Walter Wink hat sich mit Satan, Dämonen, Gebet und Jesus beschäftigt, wie ich es bisher in dieser Offenheit und einem Berührungsmut noch nirgends gelesen habe. Diese Mischung ist so grandios. Ich habe ganz Tiefes verstanden. Und musste es dann weglassen. Es hätte einen eigenen 90-Minüter dazu gebraucht.

Tips: Was erhoffst oder wünscht Du Dir von den Menschen, die Deinen Film sehen?

JT: Gar nichts. Ich freue mich und bin auch immer nervös, wenn Menschen den Film sehen.

Tips: Hat Dein Film eine Botschaft?

JT: Schwierige Frage: Ich hoffe nein und doch. Ich mag keine Botschaften. Ich mag den anderen. Wenn sich der andere ein bisschen zurechtfindet in meinem Film, berührt mich das.

Tips: Was ist für Dich die wichtigste Erkenntnis, die Du während der Dreharbeiten erhalten hast?

JT: Die Mächte sind gut. Daran habe ich schon zu zweifeln begonnen.

 

Der Film wird am Donnerstag, 26. April, um 19 Uhr im Bildungszentrum St. Benedikt gezeigt. Im Anschluss an den Film besteht die Möglichkeit zum Dialog mit der Regisseurin.

Filmvorführung in St.Benedikt

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