Internationale Fachtagung über das „Leben mit dem Tod“ in St. Pölten

Internationale Fachtagung über das „Leben mit dem Tod“ in St. Pölten

Michaela Aichinger Michaela Aichinger, Tips Redaktion, 03.08.2018 10:18 Uhr

ST. PÖLTEN. Von 11. bis 15. September findet im ehemaligen AK-Saal in St. Pölten in Kooperation von Stadtmuseum St. Pölten und der Österreichischen Gesellschaft für Mittelalterarchäologie ein großer internationaler Fachkongress mit dem Titel „Leben mit dem Tod – Der Umgang mit Sterblichkeit in Mittelalter und Neuzeit“ statt.

In Kooperation mit dem Stadtmuseum St. Pölten, dem Institut für Urgeschichte und Historische Archäologie (Uni Wien), dem Institut für Realienkunde des Mittelalters und der frühen Neuzeit (Uni Salzburg) und der Fa. ARDIG-Archäologischer Dienst GesmbH organisiert die Österreichische Gesellschaft für Mittelalterarchäologie von 11. bis 15. September die internationale Tagung „Leben mit dem Tod – Der Umgang mit Sterblichkeit in Mittelalter und Neuzeit“ im ehemaligen AK-Saal St. Pölten, Gewerkschaftsplatz 2. Im Zentrum der Tagung stehen Fragen zum Umgang mit der Sterblichkeit in historisch-archäologischer Perspektive.

Rahmenveranstaltungen

„St. Pölten ist als Austragungsort für diese Tagung bestens geeignet. Rahmenveranstaltungen wie die Sonderausstellung “Verstorben, begraben und vergessen? St. Pöltner Friedhöfe erzählen„ ab 12. September im Stadtmuseum St. Pölten, ein Tag der offenen Tür bei der Bestattung St. Pölten und am Hauptfriedhof samt Krematorium am 14. September sowie ein “Tag der Archäologie„ am Domplatz am 15. September runden das Programm ab. Am “Tag der Archäologie„ wird die aktuelle Grabung am Domplatz präsentiert, aber auch archäologische Vereine und Firmen haben die Möglichkeit ihr Tätigkeitsfeld zu vermitteln. Die Tagung und alle Rahmenveranstaltungen sind öffentlich zugänglich“, gibt Bürgermeister Matthias Stadler bekannt, der St. Pölten noch besser als Veranstaltungsort für nationale und internationale Kongresse und Tagungen etablieren möchte.

Die Alltäglichkeit des Todes

„Während die heutige westliche Gesellschaft als “todesvergessen„ gilt und das Sterben als grundlegender Bestandteil menschlichen Lebens gerne verdrängt wird, gehört die “Alltäglichkeit des Todes„ zu den Grunderfahrungen vergangener Jahrhunderte“, erklärt Stadtarchäologie Ronald Risy. Frauen bei und nach der Geburt sowie Kinder wurden durch Krankheiten hinweggerafft, die heute durch die moderne Medizin gut behandelbar sind. Hungersnöte, Seuchen und Kriege trugen dazu bei, dass der Tod als allgegenwärtig erlebt wurde.

Rituale zur Bewältigung

In einer breiten und vielfältigen Palette von Ritualen und Praktiken versuchten Menschen daher, das Unfassbare des Todes in ihr Leben zu integrieren, ihn mit Sinn zu erfüllen und damit zu bewältigen. Dies betrifft sowohl das Sterben von Angehörigen und Mitgliedern der eigenen Gemeinschaft als auch die Bestattung und Formen der Totenerinnerung.

25. Fachvorträge

In 25 Fachvorträgen, mit Beiträgen aus Deutschland, Österreich, der Schweiz, der Tschechischen Republik, Ungarn und Kroatien, zwei Postersessions und zwei Exkursionen wird aus archäologischer und kulturhistorischer Perspektive den Fragen nachgegangen, welche materiellen Spuren, Rituale und Praktiken im Umgang mit Sterben, Bestattungen und Totengedächtnis hinterlassen haben und welche Schlüsse diese auf die Integration der „Alltäglichkeit des Todes“ in vormoderne Gesellschaften erlauben.

Ausgrabungsergebnisse auf dem Domplatz im Rampenlicht

Die Tagung bietet aber auch eine Plattform, erstmals die international herausragenden Ausgrabungsergebnisse auf dem Domplatz von St. Pölten ins wissenschaftliche Rampenlicht zu rücken: Auf dem Areal eines spätantiken Verwaltungszentrums mit Badeanlage entstanden ab dem 9. Jahrhundert mehrere Kirchen und ein Kloster, um die sich über 1.000 Jahre ein Friedhof entwickelte. Bislang konnten mehr als 18.000 Bestattungen geborgen werden, nirgendwo sonst in Europa wurde bislang eine derart große Anzahl freigelegt und dokumentiert. Damit bietet sich ein einmaliger Bestand, der in dieser Datendichte einmalige Erkenntnisse über die Bevölkerungsverhältnisse, deren Gesundheit und Sterbensalter, aber auch über den Umgang mit den Verstorbenen erlaubt.

Mittelalterarchäologie im Visier

„Durch die international Aufsehen erregenden Entdeckungen tausender Bestattungen am Domplatz von St. Pölten ist die Stadt als Austragungsort für diese Tagung prädestiniert“, meint Thomas Kühtreiber von der Österreichischen Gesellschaft für Mittelalterarchäologie (ÖGM). Diese Gesellschaft ist eine Vereinigung von Wissenschaftlern und Laien, die sich die Förderung der archäologischen Forschung zum Mittelalter und der Neuzeit in Österreich zum Ziel gesetzt hat. Die ÖGM ist Herausgeber der „Beiträge zur Mittelalterarchäologie in Österreich“ und veranstaltet regelmäßig internationale Tagungen zu aktuellen Themen: www.univie.ac.at/oegm

St. Pölten als archäologischer Hotspot

St. Pöltens Stadtarchäologe Ronald Risy ist seit 1 Juni 2010 am Magistrat St. Pölten beschäftigt und hat seither bereits bei über 100 Projekten unter anderem dazu beigetragen, dass eine möglichst rasche bauliche Umsetzung erfolgen konnte. Als Stadtarchäologe ist Risy beispielsweise für die Organisation und Durchführung der archäologischen Grabungen am Domplatz zuständig.

Breites Betätigungsfeld

Die Funktion eines Stadtarchäologen umfasst aber ein noch größeres Betätigungsfeld: Risy steht einerseits intern allen Abteilungen als Auskunftsperson für alle archäologischen Belange zur Verfügung, andererseits wird als besonderes Service sein Wissen und Know-how auch jedem potenziellen Bauherrn innerhalb des Gemeindegebietes zur Verfügung gestellt. Zusätzlich dazu hält er Vorträge zum Thema Archäologie in St. Pölten, kuratiert Ausstellungen und betreibt Öffentlichkeitsarbeit.

Infos zur Tagung „Leben mit dem Tod“

 

Tagungsgebühr: 60.- Euro inkl. freiem Eintritt in die Sonderausstellung, die Exkursionen in St. Pölten und Wien sowie den Abendempfang.*

 

Programm unter: www.univie.ac.at/oegm/veranstaltungen/tagungen/tagung-2018

 

Anmeldungen (bis 15. August möglich) unter: www.univie.ac.at/oegm/veranstaltungen/tagungen/tagung-2018-anmeldung

 

* Der Festvortrag „9 Jahre ‚Knochenarbeit‘ am Domplatz von St. Pölten – Ein erster Einblick“ am 12. September um 18.30 Uhr ist unabhängig von der Tagungsteilnahme und kostenlos öffentlich zugänglich. Anmeldungen erbeten unter: kultur@st-poelten.gv.at

 

 

Ansprechpersonen:

 

Mag. Dr. Ronald Risy, Stadtmuseum St. Pölten: Ronald.Risy@st-poelten.gv.at, Telefon: 0664/6100189

 

Mag. Dr. Thomas Kühtreiber, Österreichische Gesellschaft für Mittelalterarchäologie: thomas.kuehtreiber@sbg.ac.at, Telefon: 0676/4536919

 

Österreichische Gesellschaft für Mittelalterarchäologie: www.univie.ac.at/oegm

 

Stadtmuseum St. Pölten, Stadtarchäologie: http://www.stadtmuseum-stpoelten.at/Stadtarchaeogie

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