St. Pöltnerin erlebte Hurrikan Irma in der Dominikanischen Republik hautnah

St. Pöltnerin erlebte Hurrikan Irma in der Dominikanischen Republik hautnah

Thomas Lettner Thomas Lettner, Tips Redaktion, 06.11.2017 10:57 Uhr

ST. PÖLTEN/BAYAHIBE. Der Hurrikan Irma, der heuer von Ende August bis Mitte September von Nordafrika aus quer über den Atlantik zog und dabei große Verwüstungen in der Karibik und den USA hinterließ, war einer der stärksten Hurrikans seit Beginn der Aufzeichnungen und bislang der erste atlantische Hurrikan, der eine andauernde Windgeschwindigkeit von 295 Stundenkilometer für 37 Stunden erreichte. Die St. Pöltnerin Andrea Zeitlhofer hat den verheerenden Wirbelsturm, der mindestens 76 Menschen das Leben kostete, live miterlebt.

Andrea Zeitlhofer verbrachte ihren Urlaub in einem Club am Strand von Bayahibe im Süden der Dominikanischen Republik. An die Minuten vor dem Eintreffen von Irma erinnert sie sich noch sehr genau. „Wir wurden von Securities plötzlich aus dem Meer geholt, obwohl noch die Sonne gescheint hat. Dolmetscher sagten uns in verschiedenen Sprachen, dass wir uns zu bestimmten Zeiten je nach Muttersprache aufgeteilt im clubeigenen Theater für Detailinstruktionen einzufinden haben.“

Vorbereitungen auf den Sturm

Auch über die Smartphones der Touristen prasselten laufend Neuigkeiten herein, welche sich wie ein Lauffeuer verbreiteten. Sofort wurde mit den Vorbereitungen auf den Hurrikan begonnen. Der Norden der Hauptinsel Hispaniola, die sich die beiden Staaten Haiti und die Dominikanische Republik aufteilen, wurde evakuiert. Flugzeuge flogen noch so schnell als möglich Menschen aus. Die Touristen im Nachbarhotel wurden in einer Turnhalle untergebracht. „Der neue und voll verglaste Teil des Clubs, in dem ich wohnte, wurde mit Holzbrettern zugenagelt. Riesige Nägel wurden ins Mauerwerk geschlagen“, berichtet Zeitlhofer. Abendessen und Frühstück bekamen die Touristen in kleinen Jausensackerln aufs Zimmer. Der Strom wurde aus- und das Notstromaggregat eingeschaltet, um einen Kurzschluss bei Wassereinbruch zu vermeiden.

Securities kontrollierten Vorräte und Einhalten der Regeln

Die Hotelgäste wurden unter anderem aufgefordert, mit Wasser und Elektrizität sparsam umzugehen, die Vorhänge zu schließen und nicht auf den Balkon zu gehen. Ein Securityteam, welches per Notfallnummer erreichbar war, wurde in einem Zimmer des Hotels untergebracht. Es zu kontaktieren, wäre aber nicht möglich gewesen. „Mein Telefon war tot und das mancher anderer auch“, sagt Zeitlhofer. Im Notfall sollten die Hotelgäste ins Bad gehen und dort auf Hilfe warten. Kurz bevor Irma am Abend das Dorf erreichte, gingen die Securities noch einmal durch die Zimmer, kontrollierten die Vorräte und erkundigten sich, ob alle Regeln verstanden wurden. „Wir wurden gebeten, das Zimmer nicht zu verlassen, damit wir schnell gefunden werden können, falls wir evakuiert werden müssen“, berichtet Zeitlhofer.

Zerstörungen und Überflutungen nach dem Hurrikan

Zeitlhofer brachte alle wichtigen Utensilien im Bad unter und legte sich darauf schlafen. Es folgte eine unruhige Nacht, in der Irma über Bayahibe hinweg zog. Am Morgen, als wieder die Sonne schien und die Temperatur auf 35 Grad stieg, zeigte sich das Ausmaß der Zerstörungen. Der Strand und das Clubareal waren völlig verwüstet. Mit dem Abziehen des Hurrikans war der Spuk aber noch nicht vorbei. In der darauffolgenden Nacht und den ganzen nächsten Tag über schüttete es wie aus Kübeln – die Ausläufer von Irma, die mittlerweile Richtung Kuba und Florida weiterzog. Die ganze Hotelanlage lag hüfthoch unter Wasser. „Auch das Souvenirgeschäft und das Fitnesscenter unter meinem Zimmer sind geschwommen“, erinnert sich Zeitlhofer. Aufgrund der vielen Stornierungen waren aber genug Zimmer frei, um die Touristen aus den unteren Stockwerken in die oberen zu verlegen.

Not schweißte zusammen

Das Animationsteam transportierte den ganzen Tag die Touristen innerhalb der Anlage mittels Kajaks, was ein Amüsement inmitten der Tragik und eine tolle Sache für diejenigen war, die nicht durchs Wasser waten wollten. Trotz der Katastrophe überwiegen bei Zeitlhofer die positiven Eindrücke, denn die Not schweißte die Touristen zusammen. „Mein Gepäck, welches aus technischen Gründen in Schwechat zurück geblieben war, kam aufgrund des wegen des Sturms geschlossenen Flughafens Punta Cana weitere zwei Tage zu spät an. Doch die fünf Tage waren kein großes Problem, ich hatte jeden Abend große Handwäschen und hängte meine Kleidung zum Trocknen am Ventilator auf. Einen Bikini bekam ich geborgt, sogar die Sonnencreme wurde mir angeboten“, sagt sie dankbar. Im Gegenzug bot sie vom Wassereinbruch Betroffenen kurzerhand ihr großes Zimmer im ersten Stock an.

Freudige Überraschung bei der Rückkehr

Von der gegenseitigen Hilfsbereitschaft war aber, als die nächsten Touristen ankamen und sich wieder der normale Urlaubsbetrieb einstellte, nichts mehr zu sehen. „Dann ging es wieder darum, wer so schnell wie möglich die Liegen mit dem Handtuch reserviert“, schmunzelt Zeitlhofer, die ein zweites sehr positives Erlebnis bei ihrer Ankunft in Wien machte. Weil sie am Tag ihrer Abreise das Handy ausgeschaltet hatte, prasselten nun die Nachrichten von der Familie, Bekannten und Freunden über sie herein. „Es war sehr berührend zu erfahren, wie viele Menschen an mich gedacht haben“, lächelt sie.

 

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