Autismus-Zentrum „Sonnenschein“ wird am Eisberg in St. Pölten neu errichtet

Autismus-Zentrum „Sonnenschein“ wird am Eisberg in St. Pölten neu errichtet

Michaela Aichinger Michaela Aichinger, Tips Redaktion, 21.06.2018 12:05 Uhr

ST. PÖLTEN. Das Ambulatorium „Sonnenschein“ in St. Pölten hat das österreichweit erste Autismus-Zentrum für Kinder und deren Familien in Niederösterreich eingerichtet. Nach dreijährigem Bestehen wurden nun der Neubau des Zentrums am Eisberg in St. Pölten und Evaluierungsergebnisse präsentiert. Der Baustart ist für Sommer 2018 geplant. Das neue Ambulatorium soll Anfang 2019 eröffnet werden.

„Das Autismus-Zentrum ist ein österreichweites Leuchtturmprojekt und einzigartig in Österreich. Durch diese Exzellenz-Einrichtung haben wir bis heute sichergestellt, dass 112 autistische Kinder und deren Familien bestmöglich behandelt wurden und dies kostenlos und in höchster Qualität“, so ÖVP-Landesrat Martin Eichtinger, Vorsitzender des Niederösterreichischen Gesundheits- und Sozialfonds (NÖGUS).

Bestnoten nach externer Evaluierung

Hohe Qualität beweise auch die externe Evaluierung, die dem Autismus-Zentrum Bestnoten ausstelle. „Uns ist es wichtig, den Kindern durch die Therapie eine chancenreiche Zukunft zu ermöglichen. Deshalb stehen wir mit rund 480.000 Euro jährlich dem Autismus-Zentrum und den Kindern zur Seite und sichern die Finanzierung und den Ausbau des Betriebs auch weiterhin. Ich bin überzeugt, dass das Autismus-Zentrum auch in anderen Bundesländern Schule machen wird“, betont Eichtinger.

Finanzierung

Der NÖGUS und die NÖ Gebietskrankenkasse (NÖGKK) finanzieren das Autismus-Zentrum Eichtinger zufolge je zur Hälfte jährlich mit insgesamt bis zu 960.000 Euro. Daher müssen die Patienten beziehungsweise deren Angehörigen keine Kosten tragen. Die Anmeldung erfolgt durch die Erziehungsberechtigten nach ärztlicher Zuweisung.

Alles unter einem Dach

„Das Leben mit einem autistischen Kind ist herausfordernd, aber auch sehr bereichernd. Das Autismus-Zentrum bietet professionelle Hilfe für Familien, gebündelt unter einem Dach. Die Evaluationsergebnisse sind für uns zugleich Bestätigung und Motivation für unsere Arbeit“, betont Sonja Gobara, ärztliche Leiterin des Autismus-Zentrums.

Bessere Therapiebedingungen durch Neubau

Mit dem Neubau des Autismus-Zentrums am Eisberg in St. Pölten würden noch bessere Therapiebedingungen für die Kinder und ihre Familien geschaffen. „Der Baubeginn ist für Sommer 2018 geplant. Wir hoffen mit Anfang 2019 unsere kleinen Patienten im neuen Haus zu begrüßen“, berichtet Gobara.

112 Kinder in drei Jahren

Seit dem Projektstart vor drei Jahren wurden 112 Kinder im Autismus-Zentrum individuell therapiert. „Für eine optimale Behandlung werden die Kinder und deren Familien über zwei bis drei Jahre, zwei bis drei Mal wöchentlich ambulant betreut und therapiert. Die Therapien finden aufsuchend zu Hause sowie ambulant im Autismus-Zentrum statt“, so Gobara. Ein multiprofessionelles Team bestehend aus Ärzten, Psychologen, Logopäden, Ergotherapeuten, Musiktherapeuten und Sonderheilpädagogen sichere mittels Einzel- und Gruppentherapie, mobiler Betreuung sowie Elternberatung eine umfassende autismusspezifische Diagnose, Beratung und Therapie.

Positive Veränderungen nach einem Jahr Therapie

An der externen Evaluation des dreijährigen Pilot-Projektes im Zeitraum März 2016 bis März 2018 nahmen 43 Kinder im Alter von zwei bis 14 Jahren und deren Familien teil. „Die Evaluierung bestätigt eine hohe Qualität in der Therapie und Betreuung der Patienten und deren Familien. Bereits nach einem halben Jahr konnte das Therapieziel bei rund 70 Prozent der Kinder vollständig erreicht werden. Alle Eltern sahen nach einem Jahr Therapie positive Veränderungen bei ihren Kindern“, erklärt Gobara.

Ausbildung für Pädagogen

So reagiere das Kind beispielsweise auf den Namen, gebe zu verstehen, wenn es etwas möchte, zeige vermehrt Gesichtsausdrücke, spiele öfters mit anderen Kindern. „Die Eltern lobten den Behandlungsablauf und die Betreuung durch das Team des Autismus-Zentrums. Zudem erhielten 207 Pädagogen eine kostenfreie Ausbildung zum Thema Autismus“, erklärt die ärztliche Leiterin.

Autismus

In Österreich gehen Studien davon aus, dass rund ein Prozent der Bevölkerung beziehungsweise rund 48.500 Kinder von Autismus-Spektrumstörungen betroffen sind, viermal mehr Buben als Mädchen. Autismus ist eine tiefgreifende angeborene und unheilbare Entwicklungsstörung des Gehirns, die sich in den ersten Lebensjahren zeigt. Sie äußert sich vor allem durch eine Beeinträchtigung der Beziehungs- und Kommunikationsfähigkeiten. Als Begleiterscheinungen treten oftmals motorische, affektive und kognitive Störungen auf. Auf Grund der verschiedenen Ausprägungen werden mehrere Formen von Autismus unterschieden, zum Beispiel frühkindlicher Autismus, Asperger-Syndrom.

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