Berufsdetektiv Johann Nebel: Ladendiebe gibt es wie Sand am Meer
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Berufsdetektiv Johann Nebel: „Ladendiebe gibt es wie Sand am Meer“

Thomas Lettner Thomas Lettner, Tips Redaktion, 22.08.2018 12:00 Uhr

ST. PÖLTEN. Detektive wie Sherlock Holmes, Miss Marple, Nick Knatterton oder Magnum spielen in Kinderbüchern, Comics, Krimiserien und Romanen eine wichtige Rolle. Mit ihrer raschen Auffassungsgabe und ihrem messerscharfen Verstand lösen sie die kniffligsten Fälle. Die Fiktion hat aber nur wenig mit der Realität zu tun, wie uns der St. Pöltner Berufsdetektiv Johann Nebel erzählt.

Johann Nebel arbeitet seit 27 Jahren in der Sicherheitsbranche und war als Direktor eines großen Sicherheitsunternehmens für ganz Österreich verantwortlich. Im November 2017 machte sich der 48-Jährige mit einer eigenen Sicherheitsfirma und Detektei mit 54 Mitarbeitern in St. Pölten selbstständig.

Ausbildung und Kunden

Die Ausbildung zum Berufsdetektiv kann in Österreich je nach Kurs- und fachspezifischen Inhalten von zwei Monaten bis zu zwei Jahren dauern. Nebel wurde von einem Urgestein in der Detektiv-Szene ausgebildet, der als Polizist bei Undercover-Einsätzen beteiligt war. Zu seinen Kunden zählen hauptsächlich Privatpersonen, Anwälte, öffentliche Anstalten und Handelsketten.

Untreue Ehepartner

Angeboten werden Dienstleistungen wie Objekt- und Personenschutz, Portier- und Empfangsdienste sowie Personenüberwachung. Früher ging es dabei vorwiegend um die Überwachung untreuer Ehemänner oder Ehefrauen. Später boomte die Krankenstandsüberwachung für Großkonzerne. „Dabei werden aber nicht die kleinen Mitarbeiter, sondern gutbezahlte Manager überwacht, die langfristig im Krankenstand sind und vielleicht gleichzeitig für andere Firmen aktiv sind“, erklärt Nebel.

Jagd nach Langfingern

Auch Kaufhäuser sind wichtige Auftraggeber für Detektive. Die Arbeit wird in diesem Bereich nicht knapp. „Ladendiebe gibt es wie Sand am Meer“, sagt Nebel. Um beim stundenlangen Aufenthalt in einem Kaufhaus nicht aufzufallen, wechseln die Detektive mehrmals die Kleidung. Aus demselben Grund wird bei Überwachungen im Außenbereich mehrmals das Auto gewechselt oder eine Kamera im Auto installiert. Wird ein Langfinger erwischt, ist Freundlichkeit das Gebot der Stunde. „Manche fangen zu zittern und zu weinen an, manche reißen sich los oder laufen davon“, erzählt Nebel. Zum Großteil verläuft das Anhalten verdächtiger Personen aber völlig ruhig.

Krav Maga zur Selbstverteidigung

Gewalt dürfen Detektive nur im Notfall anwenden. In seinen 27 Jahren in der Sicherheitsbranche wurde Nebel bisher zwei Mal mit einem Messer attackiert. Einmal erhielt er eine Schnittverletzung. Um für den Ernst der Lage vorbereitet zu sein, trainiert Nebel seit 15 Jahren das Selbstverteidigungssystem Krav Maga, das er als Instruktor auch unterrichtet. Waffen dürfen nur bei Notwendigkeit und verdeckt getragen werden, sind aber in den meisten Fällen nicht erforderlich.

Detektivserien sind nur Show

Besondere Vorrechte oder Zusatzrechte hat ein Detektiv nicht. Besteht bei einer Person der Verdacht einer strafbaren Handlung, wendet ein Detektiv die sogenannten Jedermannsrechte (Rechte, die jeder Bürger hat) an, zu denen auch das Anhalterecht gehört. Filme beziehungsweise Video- und Tonaufnahmen dürfen nur unter Einhaltung der gesetzlichen Vorschriften durchgeführt und auch wieder gelöscht werden. An Fahrzeugen darf kein GPS-Gerät angebracht werden. Auch das unbefugte Betreten von Privatgrundstücken oder Wohnungen wie man es oft im Fernsehen sieht ist nicht erlaubt. „Detektivserien schaue ich mir nicht an, das ist alles nur Show“, so Nebel. Nur Columbo hält er für gewissenhaft gemacht und nah an der Realität.

Im Einsatz gegen Banden

Nebels Aufträge dauern durchschnittlich zwei Tage bis zu zwei Wochen. Ein Honiglecken sind sie nicht immer, denn es kommt schon vor, dass ein Detektiv stundenlang bei größter Hitze verdeckt von der Rückbank eines Autos beobachten muss. Eine Zeitlang observierte Nebel eine große Suchtmittelbande, die dann in Zusammenarbeit mit der Polizei ausgehoben wurde. Einmal deckte er mit seinen Mitarbeitern eine Bande auf, die den Kunden vor Großmärkten die gekaufte Ware abspenstig machte, indem sie sich die Rechnungen besorgte. In einem anderen Fall überwachte er eine Reinigungskraft in einem Krankenhaus, die Verbandsmaterial stahl und im Ausland verkaufte.

Überwachung im Swingerclub

Aber auch in der  eigenen Branche gibt es schwarze Schafe. Einmal musste Nebel einen Detektiv beschatten, der zusätzlich zum Auftraggeber Geld von der Person annahm, die er eigentlich überwachen sollte. Nebels aufregendster Fall war die Observation eines untreuen Ehemanns, dem er in einen Swingerclub folgen musste. Dabei bewies er, dass der Job eines Detektivs auch Fingerspitzengefühl benötigt. Um das Familienglück nicht zu zerstören, nahm er sich den Herren zur Brust und erzählte ihm von seinem Auftrag. „Er hat sich vielmals bedankt und zu weinen begonnen. Es war sehr emotional“, erinnert sich Nebel.

 

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