Norwegen - das Land der Fjorde, Wasserfälle, Tunnel und weißen Nächte

Thomas Lettner Thomas Lettner, Tips Redaktion, 07.08.2017 14:00 Uhr

ST. PÖLTEN. Tips-Redakteur Thomas Lettner verbrachte heuer seinen Urlaub im hohen Norden, genauer gesagt in Norwegen. Die Eindrücke seiner einwöchigen Busrundreise durch die wunderschöne Fjordlandschaft im Westen und Süden des Landes schildert er im folgenden Bericht.

Nach dem Abflug aus Wien-Schwechat landeten wir nach etwas mehr als zwei Stunden am Flughafen Oslo, der etwa sieben Kilometer außerhalb der norwegischen Hauptstadt liegt. Sofort fiel uns auf, wie ähnlich das Norwegische dem Deutschen zumindest der Schriftsprache nach ist. „Inngang“ bedeutet übersetzt Eingang, „Utgang“ folglich Ausgang. Diese Ähnlichkeiten sind nicht nur sehr witzig, sie ermöglichten uns auch, Texte und Inschriften mit viel Fantasie mehr recht als schlecht ins Deutsche zu übersetzen. Wer glaubt, dass man aufgrund der Ähnlichkeiten in der Schriftsprache auch die Norweger verstehen müsste, der irrt gewaltig. Mit Englisch kommt man bei Jung und Alt sehr gut durch, was wohl daran liegt, dass englischsprachige Serien im norwegischen Fernsehen nicht synchronisiert, sondern mit Untertiteln unterlegt werden. Manche Norweger sprechen auch überraschend gut Deutsch.

Am besten bargeldlos bezahlen

Noch am Flughafen wurde mir klar, dass meine Annahme, ich könnte in Norwegen überall mit Euros bezahlen, falsch war. Zwar gibt es vereinzelt Geschäfte, die Euros annehmen, Hauptzahlungsmittel ist aber die Norwegische Krone. Der aktuelle Wechselkurs liegt ungefähr bei 1:10 (1 Euro = 10 Kronen). Ich versuchte daher, gleich am Flughafen meine Euros zu wechseln, ließ es aber bleiben, als mir die Reiseleitung mitteilte, dass man dort mit einem schlechten Wechselkurs aussteigt. Ohnehin kann man in Norwegen überall bargeldlos mit Kredit- oder Bankomatkarte bezahlen, die Gebühren dafür sollen sehr niedrig sein.

1. Tag - Oslo nach Vinstra

Nachdem jeder sein Gepäck abgeholt hatte, ging es per Bus los in den Olympiaort Lillehammer (übersetzt „kleiner Hammer“), wo wir viele im Winter von Schifahrern bewohnte Holzhäuschen sahen und das Maihaugen-Freiluftmuseum besuchten. Dort bekamen wir einen Einblick in das Leben der Norweger vor zwei- und dreihundert Jahren und besichtigten alte Wohnhäuser, Bauernhöfe, eine Schule und eine Kirche. Anschließend ging es weiter nach Vinstra, wo wir auf fast 1000 Metern Seehöhe (norwegisch „over havet“) in einem Hotel im kleinen Wintersportort Fefor abstiegen. Nach dem Abendessen spazierten wir noch runter zum See und durch die hügelige Landschaft. Beeilen braucht man sich nicht, denn auch um elf Uhr abends ist es in diesen Breitengraden im Sommer noch fast taghell. Richtig dunkel wird es auch in der Nacht nicht.

2. Tag - Vinstra nach Stranda

Am Morgen machten wir einen ersten Stopp in Lesja, wo wir eine Kreuzkirche mit kunstvollen, bunten Holzschnitzereien besichtigten. Dann ging es weiter zur auf 1700 Meter Seehöhe gelegenen Trollwand. Hier sahen wir die ersten beeindruckenden Wasserfälle, die über die steilaufragenden Klippen der unter anderem aus schwarzem Gneisgestein bestehenden Berge ins Tal hinabstürzen. Norwegen ist nicht nur das Land der Fjorde, sondern auch das Land der Wasserfälle (fossen). Anders als in den Alpen haben die Berge in Norwegen keine Gipfel, sondern bilden Hochebenen, die von Seen, Flüssen und Bächen geprägt sind. Diese und das Schmelzwasser der Gletscher speisen die Wasserfälle. Der norwegischen Mythologie nach bewohnen Trolle - menschenartige Gnome mit langen Nasen – die Bergregionen, leider bekamen wir aber keine zu Gesicht (was wohl an der Urlaubszeit lag). Allgegenwärtig sind die Trolle dennoch, vor allem in den Souvenirläden, von denen es eine Unmenge in Norwegen gibt.

Anschließend ging es über die Trollstigen (übersetzt: Trollleiter), eine enge, serpentinenförmige Straße, hoch zu einem Aussichtspunkt, wo der beeindruckende Stigfossen 320 Meter hinab ins Tal stürzt. Das Wetter zeigte sich nun im Gegensatz zu den warmen Temperaturen bei der Ankunft in Oslo von seiner unangenehmen Seite. Es war nass-kalt bei etwa acht Grad plus. Wer in Norwegen unterwegs ist, sollte also auch im Sommer warme, wasserabweisende Kleidung und Schuhe oder zumindest einen Regenschirm stets dabei haben. Nach einem kurzen Aufenthalt in Gudbrandsjuvet, wo wir eine 25 Meter tiefe, von dem Fluss Valldola geformte Schlucht besichtigten, ging es weiter nach Liabygda, von wo aus wir nach einer fünfzehnminütigen Fähr-Überfahrt das Örtchen Stranda erreichten.

3. Tag - Stranda nach Hafslo

Im am Anfang des Sunnylvsfjordes gelegenen Ort Hellesylt besichtigten wir den Hellesyltfossen, einen abermals sehr beeindruckenden Wasserfall. Eine Fähre brachte uns anschließend über den Geirangerfjord, der von fast senkrecht abfallenden Bergwänden umgeben ist und in dem wir unter anderem die Sieben Schwestern passierten, sieben nebeneinander hinabstürzende Wasserfälle. Im am Ende des Fjords gelegenen Örtchen Geiranger konnten wir die Freizeit nutzen, um einkaufen zu gehen, die berühmten Zimtschnecken zu kosten und den viele Stufen zählenden Wasserfallweg hoch gehen. Die herrliche Landschaft wird zwar auf Postkarten und im Internet immer bei schönstem Sommerwetter dargestellt, doch das ist die Ausnahme und nicht die Regel. Das Wetter war wie in dieser Region üblich regnerisch und kalt. Dennoch lockt der Ort das ganze Jahr über eine Unmenge Touristen an. Viele davon gehen von Kreuzfahrtschiffen aus an Land. Wir hatten das Glück, mit der 345 Meter langen Queen Mary 2 eines der größten Passagierschiffe der Welt vor Anker liegend zu sehen.

Nach dem Aufenthalt in Geiranger ging es weiter zum Djuvaspass. Den Dalsnibba, den mit 1470 Meter Höhe höchsten Fjordblick Europas, mussten wir aufgrund dichten Nebels leider auslassen. Auf der Fahrt zum Jostedalsbreen NP Center passierten wir eine beeindruckende Landschaft mit Gletscherseen und Schneebergen, die sehr gering besiedelt ist. Vereinzelt sieht man die für Norwegen typischen Holzhäuser und –hütten, deren Dächer nicht mit Ziegeln oder Schindeln, sondern mit Erde und Gras bedeckt sind. Die einzigen Lebewesen, die wir neben gut vermummten Radfahrern zu Gesicht bekamen, sind scheinbar herrenlos herumlaufende Schafe, die auch manchmal die Straße überqueren, ohne sich vom Verkehr stören zu lassen. Nach einem Aufenthalt in der Kommune Stryn ging es weiter nach Hafslo, wo wir im Hotel Eikum eincheckten.

4. Tag - Hafslo nach Bergen

Nach der Abfahrt  nach Kaupanger nahmen wir die Fähre Manheller-Fodnes über den Sognefjord. Anschließend ging es weiter nach Borgund, wo wir eine Führung in deutscher Sprache in der Stabkirche Borgund erhielten. Die vollständig aus Holz gebaute Kirche stammt aus dem 12. Jahrhundert und ist noch weitgehend original erhalten. Von den über 1000 Stabskirchen gibt es mittlerweile in Norwegen nur mehr 28. Bei der Weiterfahrt nach Flam fuhren wir durch den 24,51 Kilometer langen Leardalstunnel. Norwegen ist nicht nur das Land der Fjorde und Wasserfälle, sondern auch der Tunnel. Manche treffen sogar mitten im Berg aufeinander und werden durch große Kreisverkehre geregelt.

Von Flam aus nahmen wir die Flam-Bahn (Flamsbana) nach Myrdal. Die Bahn klettert hoch auf 860 Meter ins norwegische Gebirge und gilt damit als steilste Eisenbahnstrecke der Welt. Vom Zugfenster aus ergaben sich viele Gelegenheiten, die Schönheit der Landschaft mit Fotos festzuhalten. In Myrdal stiegen wir um in die Bergenbahn, die uns in das Städtchen Voss am Vangsvatnet-See brachte. Nach einem kurzen Aufenthalt ging es weiter nach Bergen, die mit 280.000 Einwohnern zweitgrößte Stadt Norwegens. Dort stiegen wir im Grand Hotel Terminus gleich gegenüber des Bahnhofs ab.

5. Tag - Aufenthalt in Bergen

Morgens erhielten wir bei einer zweistündigen Stadtrundfahrt interessante Informationen über das Hafenviertel Bryggen sowie über wichtige Gebäude und Sehenswürdigkeiten Bergens wie der Håkonshalle. Im Hafen, wo 1944 ein deutsches Munitionsschiff explodierte und großen Schaden verursachte, kam es zu einem Wiedersehen mit der Queen Mary 2. Im UNESCO-Stadtteil Bryggen besichtigten wir den Nachbau der aus dem Mittelalter stammenden Fantoft-Stabskirche, der sehr stark der Kirche in Borgund ähnelt. Der Originalbau wurde 1992 von einem Anhänger einer Satanistensekte angezündet, der nach seiner Haft nach Frankreich auswanderte, wo er nun auf einem Bauernhof lebt.

Nach der Stadtrundfahrt spazierten wir zur Fløibanen, einer Standseilbahn, die auf den 320 Meter hohen Fløyen führt. Während die meisten sich in der langen Schlange anstellten, wagten manche von uns den schweißtreibenden Aufstieg zu Fuß. Das Wetter hatte sich mittlerweile verändert und es war sommerlich warm. Von oben aus bekamen wir einen wunderschönen Ausblick auf die Stadt und den geschäftigen Hafen, von dem die Schiffe der Hurtigruten (übersetzt „schnelle Route“) auslaufen. Den Nachmittag und Abend nutzten wir zur Besichtigung der wunderschönen Parks wie des Stadtparks Byparken, der Straßen mit ihren engen Gässchen und des Fischmarkts. Den Tag ließen wir gemütlich ausklingen. Grundsätzlich ist Alkohol in Norwegen in Bars und Hotels teuer. Ein 0,4 Literglas Bier kostet etwa 80 Kronen (8 oder 9 Euro). In den Supermärkten kostet eine Halbeliter-Dose Bier 30 bis 40 Kronen, ist also absolut erschwinglich. Zu beachten ist allerdings, dass die Supermärkte in Bergen zwar bis 23 Uhr geöffnet haben, Alkohol aber nur bis 20 Uhr erhältlich ist.

6. Tag - Bergen nach Geilo

Einen ersten Stopp machten wir in Steindalsfossen, wo man auf eine hinter den Wasserfall führende Plattform hochgehen und einen Blick ins Tal werfen kann. Im Hardangervidda Naturzentrum sahen wir eine Ausstellung über den Nationalpark Hardangervidda, die größte Hochebene Europas. Hier erfuhren wir viel Wissenswertes über die Tierwelt, die Gesteinsarten sowie über die Gletscher und das Leben der Menschen, die hier in früheren Epochen siedelten. Die ausgestopften Rentiere wirkten lebensecht wie in freier Wildbahn. Im Kino sahen wir einen Panoramafilm über die Hardangervidda aus der Hubschrauberperspektive, der uns einen spektakulären Überblick über die atemberaubende Landschaft vermittelte.

Anschließend ging es weiter nach Eidfjord am Ausläufer des Hardangerfjords, wo wir Norwegens berühmtesten Wasserfall – den Vøringsfossen – besichtigten. Die Fahrt durch die Hardangervidda war beeindruckend. Oberhalb der Baumgrenze gelegen erstreckt sich eine schier endlose Gras- und Steinlandschaft mit Seen, Flüssen, flachen Gletschern und Schneefeldern. Hin und wieder kommt man an kleinen Hütten vorbei, doch ansonsten ist die Landschaft vom Menschen unberührt. Mitten in der Einöde trafen wir auf Samen (auch: Lappen), einem in Skandinavien und Russland ansässigen Volk mit eigener Geschichte und eigenen Sprachen. In kleinen Hütten verkauften sie Felle, Pelzmützen und Souvenirs. Heute leben nur mehr wenige Samen traditionell von der Rentierzucht, die meisten gehen arbeiten und sind sesshaft.

Bald darauf erreichten wir den Wintersportort Geilo, wo einige von uns nach dem Abendessen noch einen Sprung ins eiskalte Wasser des Bergsees wagten.

7. Tag - Geilo nach Oslo

Am vorletzten Tag unserer Reise schloss sich der Kreis und wir kehrten zurück in die norwegische Hauptstadt. Den ersten Stopp machten wir am berühmten Holmenkollenbakken, wo wir etwas Freizeit hatten und das Schimuseum besuchen konnten. Die Fahrt mit der ZipLine, an der man sich wie die Schisprungathleten über den Bakken stürzen kann, wagte jedoch keiner von uns.

Am Nachmittag erhielt unsere Gruppe Zuwachs durch eine Führerin mit steirischen Wurzeln, die aufgrund der Liebe vor 25 Jahren nach Oslo ging und dort noch immer wohnt. Bei der Stadtrundfahrt gab sie uns Infos zum Rathaus, der Festung Akershus, zur neuen Oper und zum königlichen Schloss. Anschließend hatten wir noch die Gelegenheit, auf das Opernhaus hochzugehen, dessen Fassade wie eine schiefe Ebene konstruiert ist. Bevor es ins Hotel Scandic Helsfyr ging, besuchten wir noch das Wikingermuseum. Nach einigen einführenden Worten unseren Guides und einer kurzen Filmführung über das Leben der Wikinger besichtigten wir erstaunlich gut erhaltene Boote und Relikte aus der damaligen Zeit.

Am Abend ließen wir die Reise gemütlich in der Hotelbar ausklingen. Einige von uns wanderten noch rüber zur nahen Baustelle des neuen Fußballstadions von Vålerenga Oslo. Auffällig war, dass es nun im südlichsten Punkt unserer Reise im Gegensatz zu den anderen Aufenthaltsorten um elf Uhr bereits stockfinster war.

8. Tag - Rückflug nach Wien

 

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