FuckUp Night Vienna zu Gast in St. Pölten: Unternehmer erzählen vom Platzen ihrer Träume

FuckUp Night Vienna zu Gast in St. Pölten: Unternehmer erzählen vom Platzen ihrer Träume

Thomas Lettner Thomas Lettner, Tips Redaktion, 28.11.2016 16:32 Uhr

ST. PÖLTEN. Im CoWorking-Space Business&Quartier in der Herzogenburger Straße fand gestern die erste Spezialausgabe der FuckUp Nights Vienna statt. Bei dem aus Mexiko stammenden Format erzählen Unternehmer und Startup-Gründer vom Scheitern ihrer Vorhaben und geben Tipps, auf was es bei der Gründung oder Übernahme eines Unternehmens ankommt.

„Die FuckUp Nights sind 2012 in Mexiko City entstanden. Fünf Freunde sind an einer Bar gestanden und haben Mezcales getrunken. Einer von ihnen erzählte von einer Veranstaltung, bei der alles so toll dargestellt wurde, was er als langweilig empfand. Er fand, dass es viel spannender wäre, wenn sie einander erzählen würden, wie sie als Unternehmer gescheitert sind und was sie daraus gelernt haben“, erzählt Salomé Wagner, Veranstalterin der FuckUp Night Wien über die Anfänge des weltweiten Formats, das es mittlerweile in 173 Städten in 54 Ländern rund um den Globus gibt. Sogar in arabischen Ländern gibt es die FuckUp Night, wo sie unter dem Kürzel FUN veranstaltet wird.

Bei der FuckUp Night St. Pölten erzählten zwei Speaker – Tischlermeister Andreas Hann und Gregor Minichberger, ehemaliger Betreiber einer Web-Agentur in Wien, – über die Gründe ihres Scheiterns mit ihren Unternehmen und standen nach ihren Vorträgen dem Publikum Rede und Antwort.

Vom Dickschädel zum Verkaufsleiter

Andreas Hann übernahm in dritter Generation den elterlichen Tischlereibetrieb in Sitzenberg-Reidling. Auffassungsunterschiede zwischen Jung und Alt, teilweise fehlende Strategien und auch hohe finanzielle Belastungen führten zu immer massiver werdenden Problemen. Hinzu kam, dass sich die Kundenstruktur stark verändert hatte und deswegen das Verkaufsgebiet massiv ausgedehnt werden musste. Dennoch versuchte Hann, das Unternehmen am Laufen zu halten, und gründete im 19. Bezirk in Wien zusätzlich noch ein Einrichtungsstudio, um die Tischlerei mit Aufträgen auszulasten. Als die Belastungen nicht mehr zu bewältigen waren, beschloss Hann sein Leben radikal zu verändern.

Als Gründe für sein Scheitern gibt Hann an, unter anderem zu wenig Markt- und kaufmännisches Wissen gehabt zu haben. „Ich habe auch zu wenig hinterfragt, zu viel Risiko genommen und manchen zu wenig, anderen wieder zu viel vertraut. Ich war ein Dickschädel“, erzählt der heute 52-jährige. Über Freunde und Familie fand er wieder zu sich selbst. Mittlerweile arbeitet Hann als Verkaufsleiter NÖ bei Büromöbel Svoboda. „Ich kann nur jedem, der überlegt, ein Unternehmen zu gründen oder zu übernehmen, den Tipp geben, sich keinen Stress zu machen, seinen Wissensstand zu hinterfragen, Partnerschaften einzugehen und sich Rat von Profis zu holen“, sagt er rückblickend.

Die Leiden des jungen Gregor

Der zweite Speaker, Gregor Minichberger, gründete mit Studienkollegen eine Web-Agentur in Wien, die schnell erfolgreich war und gleich über 15 Mitarbeiter verfügte. Das Büro befand sich im 1. Bezirk, man betreute Kunden wie Orange oder Telering. Die Kernkompetenzen der Agentur waren der Verkauf, das Marketing und die Kundenprojekte, vernachlässigt wurden jedoch die Bereiche Recht und Finanzen, was aufgrund des rasanten Erfolgs des Unternehmens völlig übersehen wurde. „Wir hatten keine Strategie und keine Kompetenzen-Verteilung, auch von Mitarbeiter-Führung hatten wir keine Ahnung“, erzählt Minichberger. Eines Tages standen zwölf Polizisten an der Tür, die eine Hausdurchsuchung wegen Verdachts auf illegale Softwarelizenzen durchführten. Minichberger und seinen Kollegen drohten zwei Jahre Haft, stattdessen mussten sie 35.000 Euro Strafe wegen Urheberrechtsverletzung bezahlen.

Dass das Unternehmen auch die Finanzbuchhaltung vernachlässigte, fiel irgendwann bei einer Finanzamt-Prüfung auf. 25.000 Euro betrug die Strafe, hinzu kamen noch einmal 15.000 Euro von der Gebietskrankenkasse, weil einige freie Mitarbeiter nicht richtig angemeldet waren. „Es hat Jahre gebraucht, bis ich mich emotional davon trennen konnte“, erzählt Minichberger, der dem Publikum abschließend einen wichtigen Tipp ans Herz legen wollte: „Sucht euch Partner für die Kompetenzen, über die ihr nicht verfügt.“

 

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