Landesschulratspräsident Heuras: Viel zu viele Kinder sitzen in der falschen Schule

Landesschulratspräsident Heuras: „Viel zu viele Kinder sitzen in der falschen Schule“

Thomas Lettner Thomas Lettner, Tips Redaktion, 31.08.2017 12:34 Uhr

ST. PÖLTEN. Bildungs-Landesrätin Barbara Schwarz (ÖVP) und Landesschulratspräsident Johann Heuras luden heute zur Pressekonferenz „Schul- und Kindergartenjahr 2017/18 – Ausblicke und Neuerungen“ ins Landhaus ein. Dabei präsentierten sie Zahlen und Fakten über Kindergärten und die verschiedenen Schulformen und erklärten, warum eine höhere Schule nicht gleich auch immer die richtige Wahl für ein Kind sein muss.

In Niederösterreich gibt es derzeit 1500 Landes- und 400 private Kindergärten mit 3000 Kindergartengruppen und insgesamt 43.000 Kindern. 1180 davon sind Flüchtlingskinder, das sind doppelt so viele wie noch vor einem Jahr. 79 Prozent der Kinder haben Deutsch als Muttersprache. Mehrsprachige Brückenbauer begleiten Kinder mit nichtdeutscher Muttersprache und decken 32 verschiedene Sprachen ab. Neugebaute Kindergärten gibt es unter anderem in der Ramsau, in Leopoldsdorf oder Lichtenau.

 

Mehr Planstellen als vom Bund besetzt

16.722 Tafelklassler werden in Niederösterreich ab dem 4. September erstmals die Schulbank drücken. 3400 asylberechtigte Flüchtlingskinder gibt es in den Pflichtschulen. 106 Planstellen werden vom Bund besetzt, wobei Niederösterreich zur besseren Unterstützung 149 Planstellen einsetzt, was Mehrkosten von vier Millionen Euro verursacht.

 

65,8 Millionen Euro für Großprojekte

In Strasshof wurde ein neuer Schulkomplex um 26,4 Millionen Euro errichtet, in Gloggnitz um 19 Millionen. Auch die Schulstandorte in Ardagger, Ternitz oder Brunn am Gebirge wurden ausgebaut. Insgesamt wurden 65,8 Millionen Euro für Großprojekte an Schulen investiert.

 

Investitionen in die Ganztagsschule

17.700 Schüler gibt es in ganztägigen Pflichtschulen. Heuer kommen 15 Standorte dazu, die ganztägige Betreuung anbieten. 87,5 Millionen Euro wurden vom Bund für den Ausbau ganztägiger Schulformen ausgegeben. Neu ist ab September das Bildungsinvestitionsgesetz über 82 Millionen Euro, dessen Schwerpunkt auf der verschränkten Schulform liegt. Bei dieser Art der Ganztagsschule wechseln sich Unterrichts-, Lern- und Freizeiten den ganzen Tag über ab, der Unterrichts- und der Betreuungsteil sind somit nicht getrennt.

 

Mehr Ausbildungsstunden an gewerblichen Schulen

Bei den gewerblichen Schulen gibt es in Niederösterreich 18 Standorte mit 16.600 Schülern in 200 Lehrberufen. 60 Prozent davon sind Frauen. Den dreijährigen Lehrgängen werden 1260 Ausbildungsstunden mehr eingeräumt. Die Kosten dafür trägt zu 50 Prozent das Land NÖ.

 

Schülerzahlen in NÖ insgesamt:

  • 200.000 Schüler in 1171 Schulen
  • Volksschulen: 63.900 (plus 100 im Vergleich zum Vorjahr)
  • Neue Mittelschule: 40.000 (minus 1300)
  • Allgemeinbildende Höhere Schule-Unterstufe: 37.400 (plus 500; 38 Prozent der Volksschüler gehen in die AHS-Unterstufe weiter)
  • Berufsbildende Mittlere und Höhere Schulen: 31.600 (leicht rückläufig)
  • Lehrer insgesamt: 22.000
  • Neuanstellungen Lehrer an Pflichtschulen: 450; davon wurden 160 an Volksschulen und 210 an Mittleren Schulen angestellt. Bei den Volksschulen sind 600 Kandidaten auf der Warteliste, bei den Mittleren Schulen 150.
  • Neuanstellungen Lehrer an BHS und AHS: 270

 

NMS versus AHS

Die rückläufige Schüleranzahl in den NMS ergibt sich vor allem aus dem Trend der Eltern, ihre Kinder in die AHS-Unterstufe zu geben. Das sollten sie jedoch vorher überdenken, meinen Schwarz und Heuras. „Wer eine Lehre oder eine Berufsbildende Höhere Schule machen will, ist in einer NMS besser aufgehoben als in der AHS-Unterstufe“, so Schwarz. „Es ist ein Akademikerwahnsinn ausgebrochen. Dabei brauchen wir Facharbeiter. Viel zu viele Kinder sitzen in der falschen Schule“, fügte Heuras hinzu. Der Trend zur AHS liege an einem Imageproblem der NMS, wobei auch der erhöhte Ausländeranteil an der NMS eine große Rolle spielt. Dabei sei die NMS die bessere Wahl hinsichtlich Individualisierung und Berufsausbildung. Etwas überraschend machen auch mehr NMS-Absolventen später die Matura als Schüler der AHS-Unterstufe.

 

Lehrermangel in technischen und naturwissenschaftlichen Fächern

Landesschulpräsident Johann Heuras geht in zwei Jahren von einem Lehrermangel aus. Das liegt zum einen daran, dass es 2019 aufgrund der um ein Jahr verlängerten Studienzeit keine Abgänger geben wird, an der Pensionierungswelle (bis 2024 gehen die Lehrer an den NMS allesamt in Pension) sowie an einer Veränderung der Drop-out-Rate an den Unis. Einen Lehrermangel gibt es vor allem in naturwissenschaftlichen und technischen Fächern.

 

Schwerpunkte im Schuljahr 2017/18

  • Inklusion: Sonderschule und Integration sind beide wichtig, wobei der Weg der Mitte gegangen werden soll.
  • Digitalisierung: Die Kinder sollen gemäß dem Thema „Schule 4.0“ auf die digitale Welt vorbereitet werden. Auch die Schul-Infrastruktur soll an die digitale Welt angepasst werden und das Lehrpersonal durch Fortbildungen digitale Medienkompetenz erwerben.
  • Leseoffensive: Heuer wird eine Initiative gestartet, um die Lesekompetenz der Kinder zu steigern. „Leseschulen“ sollen bestimmte Kriterien erfüllen.

 

 

 

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