Therapeutische Gemeinschaften protestieren gegen Schließung von drei Wohngemeinschaften in Niederösterreich

Therapeutische Gemeinschaften protestieren gegen Schließung von drei Wohngemeinschaften in Niederösterreich

Thomas Lettner Thomas Lettner, Tips Redaktion, 08.03.2018 13:59 Uhr

ST. PÖLTEN. Vor dem Landhaus versammelten sich heute Vormittag Mitarbeiter der Therapeutischen Gemeinschaften (TG), einer Non-Profit Organisation, die in insgesamt acht Wohngemeinschaften in Niederösterreich, Wien und Burgenland Kinder und Jugendliche aus dysfunktionalen Familien betreut. Grund dafür ist die gestrige Schließung der drei Wohngemeinschaften der TG in Niederösterreich, die für Mitarbeiter und die Klienten völlig unerwartet kam.

Von der Schließung der drei Wohngemeinschaften in Ebenfurth (Bezirk Wiener Neustadt-Land), Sitzendorf (Bezirk Hollabrunn) und Jaidhof (Bezirk Krems) sind 16 Kinder und Jugendliche im Alter von sieben bis 15 Jahren sowie etwa 20 Mitarbeiter betroffen. Die Klienten, die aus Familien mit schwierigen Verhältnissen kommen und teilweise schon jahrelang in den WGs der Therapeutischen Gemeinschaften untergebracht sind, wurden gestern in andere Einrichtungen gebracht. Die Mitarbeiter als auch die Kinder und Jugendlichen seien dabei vor vollendete Tatsachen gestellt worden. Lediglich ein Bescheid einer Sonderkommission sei am Morgen per Mail an die Geschäftsführung gegangen. In diesem sei gestanden, dass das Kindeswohl gefährdet sei. „Die Sonderkommission hat drei Monate lang die WGs untersucht. Wenn es wirklich Missstände gegeben hätte, wären die WGs sofort und nicht erst drei Monate später geschlossen worden“, behauptet eine Mitarbeiterin.

Kinder werden noch mehr traumatisiert

Birgit Janisch ist seit 2016 hauptberuflich bei den Therapeutischen Gemeinschaften als Mikro-WG-Mama angestellt und betreut einen Buben. Sie selbst erfuhr erst gestern aus den Medien über die Schließung. „Die Kinder, die ohnehin schon schwer traumatisiert sind und nun in Mini-Schritten ein neues Zuhause finden durften, werden jetzt noch mehr traumatisiert. Es stellt sich die Frage, wo die Lebensfähigkeit der Kinder bleibt“, kritisiert sie. „Die Kinder sind jetzt in einer neuen Umgebung, haben keinen Kontakt mehr mit uns und werden komplett aus dem Leben gerissen“, fügt eine andere TG-Mitarbeiterin hinzu. Den Kindern sei gestern als sie abgeholt wurden sogar versprochen worden, sie kämen zurück zu ihren Eltern, wobei es sich jedoch um eine glatte Lüge gehandelt habe.

Kritik an Landesrat Schnabl

Kritik üben die Mitarbeiter der Therapeutischen Gemeinschaften an Landesrat Franz Schnabl (SPÖ), der das Ressort Kinder- und Jugendhilfe über hat. Schnabl  habe im Jänner noch versichert, dass es zu keiner Schließung kommen werde und keine Arbeitsplätze gefährdet seien. „Es geht hier um das Wohl der Kinder und Jugendlichen, die bedauerlicherweise – aus unterschiedlichsten Gründen – nicht im eigenen Familienverbund aufwachsen können. Niederösterreich beherbergt etwa 1100 Kinder und Jugendliche, über 500 weitere befinden sich bei Pflegeeltern. Es war allen Beteiligten ein besonderes Anliegen, dass die Kinder und Jugendlichen in Sicherheit und Geborgenheit aufwachsen können. Es ist mir an dieser Stelle ein Bedürfnis zu betonen, dass im Kinder- und Jugendbereich in Niederösterreich großartige Arbeit geleistet wird - sowohl in den Landes-Einrichtungen, wie auch in den vielen privaten Einrichtungen, die sich in einem besonders sensiblen gesellschaftlichen Bereich engagiert einbringen. Passieren Verfehlungen haben diese umgehend, mit ganzer Konsequenz aufgearbeitet zu werden - wie in diesem Fall passiert und es gehört ein klarer Schnitt gemacht, der aber trotz allem das Kindeswohl zu berücksichtigen hat“, sagte Schnabl in einer Presseaussendung.

Sonderkommission hat Versäumnisse festgestellt

Die Sonderkommission habe seit 11. Dezember 2017 mehrere tausende Seiten an Dokumentationen gesichtet. Mit 54 Personen seien teilweise mehrstündige Gespräche geführt und sechs Besichtigungen in den Einrichtungen vor Ort vorgenommen worden. Die eingerichtete Hotline zählte 25 Anrufe. In dem rund 250 Seiten umfassenden Bericht, so Kommissionsleiterin Simone Metz, habe die Sonderkommission Versäumnisse sowohl auf Seiten der privaten Einrichtung als auch auf Seiten der Kinder- und Jugendhilfe NÖ festgestellt und entsprechende Empfehlungen ausgesprochen. Darunter fänden sich unter anderem die Empfehlungen, dass die Verträge mit dem Träger der geprüften Einrichtungen in Ebenfurth, Sitzendorf und Jaidhof aufgelöst werden, Sachverhalte strafrechtlich und durch die Innenrevision geprüft werden, sowie die Organisation der Aufsicht der Kinder- und Jugendhilfe NÖ evaluiert und verbessert wird. Die Sonderkommission habe nunmehr mit der Erstattung des Berichts ihre Arbeit abgeschlossen. Zum Schutz und im Interesse des Wohls der betreuten Minderjährigen können die festgestellten Missstände nicht näher dargelegt werden.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Kommentare

  1. Gastuser 02.04.2018 02:04 Uhr

    Nur Idioten in der Politik - Wie in jedem anderem Post auch hier, man kann es gar nicht oft genug sagen. Wenn es dazu beiträgt dass die korruppten und verlogenen Politiker weggesperrt werden sage ich das noch 1.000 und aber tausende male. Ich lebte 9 Jahre in der TG Ebenfurht/Neufeld und die Soko hat hier meines Erachtens nach vollkommen falsch und GEGEN das Kindeswohl agiert. Und der Bericht darf nicht zum Wohl des Kindes nicht gezeigt werden sondern weil darin zu viel Märchen der Soko aufgelistet sind, denn bei der Zwangsräumung hat jeder dieser Hohlbirnen aufs Wohl des Kindes einen Dreck gegeben. So viel Scheiße wie einige Politiker diesbezüglich von sich geben, hab ich in den ganzen 9 Jahren meines Lebens nicht von mir gegeben. Und ich würde wenn ich nicht schon zu alt für den Aufenthalt in der TG wäre noch weitere 100 Jahre dort wohnen. Ja richtig gehört weitere 100 !!! Jahre. Ganzen Anschuldigungen und Vorwürfe sind erstunken und erlogen. Man kann auch anders Aufmerksamkeit erregen, dazu muss man nicht rumlügen. Aber Politiker eben, zuerst handeln dann denken, Hohlbirnen wie sie im Buche stehen. Und nein ich halte mich nicht zurück mit meinem Umgangston gegenüber Politiker, nehme für die Gerechtigkeit und Wahrheit sogar eine Gefängnisstrafe in Kauf. Labern hier was von Wohl des Kindes aber bei der Blitzaktion (zwangsräumung) war das Wohl des Kindes an zweiter Stelle wenn es überhaupt an einer Stelle stand. Soviel Lügen und Ungerechtigkeit, da komme ich auf 180, ne auf 360. Ein gepflegtes:" FUCK YOU" trifft es hier nicht mehr ganz. Weggesperrt gehören die Zigeuner. Eine bodenlose Frechheit ist das. Ich steh für die TG mit meinem Leben ein und wenn mein Kommentar einen Teil dazu beiträgt dass die Gerechtigkeit siegt und die Wahrheit ans Licht kommt, verfasse ich dies noch Milliarden Male. Gastuser? tz, ich bin Manfred Sonnbichler und stehe zu dem was ich sage. Heil der Gerechtigkeit, Heil der Wahrheit.

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  2. Gastuser 20.03.2018 10:09 Uhr

    Schockiert - Unsere Politiker haben keine Ahnung was es bedeutet mit traumatisierten Jugendlichen zu Arbeiten. Es ist einfach unvorstellbar, welche Politiker an oberster Stelle sind und wie diese agieren - respektlos, verantwortungslos, lieblos. Vor allem die SPÖ sollte sich überlegen, welche sozialen Kompetenzen noch in dieser Partei herrschen. Mein Vater war viele, viele Jahre aktiver SPÖ Anhänger und hat uns immer vermittelt, dass dies die einzige soziale Partei ist. Das ich nicht lache. Der würde sich im Grab umdrehen.

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  3. Gastuser 09.03.2018 11:27 Uhr

    Kinderwohlgefährdung durch Politiker - Es ist einfach unvorstellbar und schockend, dass man die Kinder und Jugendlichen ohne Vorbereitung aus ihrem vertrauten Umfeld reißt. Der Schwerpunkt der therapeutischen Gemeinschaften sind traumatisierte Klienten, welche in WGs mit Familienähnlichen Umfeld aufwachsen. Wenn man sich etwas mit Psychologie befasst, kann man sich vorstellen, was mit traumatisierten Kindern und Jugendlichen psychisch passiert, wenn sie unvorbereitet aus ihrer eigentlich sicheren Umgebung von Beamten gerissen werden und einfach weggeschafft. Damit ist die JAHRELANGE Arbeit der Trauma Aufarbeitung im einem Moment zunichte gemacht! Weiters können die Pädagogen keinen Kontakt zu den Kindern aufnehmen, so fehlen den Klienten jegliche Bezugspersonen. Diese Vorgehen verletzt in meinen Augen die Menschenrechte. Man fühlt sich in Zeiten zurück versetzt, die es im 21.Jahrhundert nicht mehr geben dürfte....

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