Kopf hoch, Generation „head-down“!

Kopf hoch, Generation „head-down“!

Robert Hofer Robert Hofer, Tips Redaktion, 06.11.2018 06:33 Uhr

STEYR. Sind Smartphones mit QR- oder Barcode-Scanner bald Schnee von gestern? Bei der jährlich stattfindenden Veranstaltungsreihe E-Business Best Practices an der Fachhochschule für Management in Steyr beleuchteten Digitalisierungsexperten von Erste Bank, McDonald„s, Thalia, Fronius International und der FH OÖ Chancen und Risiken des digitalen Zeitalters.

Klassifiziert als Digital Native, Gamer, Blogger oder Podcaster. Die digitale Transformation hält Einzug in all unsere Lebensbereiche. Möglich ist alles, Grenzen gibt es keine. So scheint es jedenfalls.

Schweden schafft Bargeld ab

Schweden würde als erstes Land das Bargeld abschaffen, sagt Thomas Schaufler, Vorstand bei Erste Bank Österreich, in seinem Vortrag über Banking 4.0. Verbraucher zahlen dort zunehmend mit Mobiltelefon oder Kreditkarten, Geschäfte verweigern die Annahme von Bargeld und in den Banken findet man oft keine traditionelle Kasse mehr. Die Geschichte des Geldes ist eine lange – vom Tausch von Muscheln und Fellen, über Gold und Schmuck, zu Münz- und Papiergeld, hin zum bargeldlosen Bezahlen.

Bargeldlos im Trend

In der Region Deutschland-Österreich-Schweiz würden Scheine und Münzen in den nächsten zehn Jahren weiter als Zahlungsmöglichkeit bestehen bleiben, ist sich Schaufler jedoch sicher. Obgleich auch hierzulande sich digitale Bezahllösungen, gerade bei der jüngeren Generation, großer Beliebtheit erfreuen. Gerald Petz, Studiengangsleiter für Marketing und Electronic Business am FH OÖ Campus Steyr, unterstreicht dieses Statement: „Noch bequemer wird es künftig, wenn der Kunde beim Bezahlen seine Karte oder Smartphone erst gar nicht aus dem Portemonnaie nehmen muss. Bezahlmöglichkeiten mittels Fingerabdruck, Gesichtserkennung oder RFID-Chips – eine Nahfunktechnik – sind europaweit im Vormarsch.“

Amazon als Vorreiter

In Seattle schafft Amazon mit seinem fortschrittlichen Shop für Lebensmittel „Amazon Go“ das Bezahlen an der Kasse ab. Kunden checken mittels QR-Code oder Smartphone ein und Sensoren erkennen welche Waren aus den Regalen genommen werden. „Auch Smartphones werden künftig abgelöst von Smartwatches, Augmented Reality-Brillen oder -Kontaktlinsen,“ erläutert Andreas Auinger, Studiengangsleiter für Digital Business Management. Die Generation „head down“ – das meint Smartphone-Nutzer mit permanent gesenktem Blick – habe nun die Chance, durch die digitale Transformation zum aufrechten Gang zurückzufinden.

„Hyper Personalization“

Auinger gibt jedoch zu bedenken, dass Kunden auf ihrer Reise bis zum Kauf eines Produktes eine Reihe persönlicher Daten hinterlassen, was datenschutzrechtliche Einwände aufwerfen könnte. Könne beim Einkauf jedoch mit einem Mehrwert in Form einer zielgerichteten, auf den Kunden maßgeschneiderten Beratung gerechnet werden, so würden persönliche Daten gerne preisgegeben. „Die Unterstützung muss nicht zwangsläufig durch das Verkaufspersonal erfolgen“, bringt Auinger ein Beispiel, „auch personalisierte Technologien wie digitale Anzeigen und Einkaufslisten oder intelligente Einkaufswagen mit Navigationsfunktion sind künftig denkbar.“

Fastfood-Riese im Wandel

Auf Personalisierung setzt auch McDonald„s mit seinem Konzept “my burger„. Mit 193 Restaurants österreichweit und mehr als 400.000 Gästen jeden Tag, ist McDonald“s Marktführer im Bereich der Systemgastronomie weltweit. Und dennoch versuchen auch sie mit dem rasant wachsenden digitalen Markt Schritt zu halten. So wurde bis heute so manches entwickelt, um es danach in die Ecke der nicht gebrauchten digitalen Anwendungen zu stellen, erzählt Maximo Buchholz, Digitalisierungsexperte bei McDonald„s Österreich. Eine entscheidende Frage, die sich nicht nur McDonald“s stellt: „Wie schaffen wir es möglichst nahe beim Kunden zu sein, um dessen Wünsche verstehen zu können?“ Auinger antwortet darauf wie folgt: „Am Ende des Tages zählt nicht auf welchem Kanal der Kunde einkauft, sondern wie die unterschiedlichen Kanäle vernetzt sind und zusammenspielen.“

Von der Be- zur Entschleunigung

In ihrem Plädoyer für das gedruckte Buch beleuchtet Andrea Mikhaeel, Marketingleiterin bei Thalia Österreich, Chancen und Risiken der digitalen Wende: „Unser Hauptmitbewerber ist nicht Amazon, sondern sind Facebook, Spotify, Netflix oder Gaming“. Von 2012 bis 2016 musste Thalia Österreich sechs Millionen Leser an andere Freizeitbeschäftigungen abgeben. Während die digitale Welle in rasanter Geschwindigkeit durch die Welt rollt, will Thalia mit der Initiative „Thalisman“ diese wieder entschleunigen und „den Menschen wieder zum Lesen bringen“. Ein Youtube-Tutorial erzeuge keine Phantasie im Kopf wie es beim Lesen eines Buches der Fall sei, sondern sei lediglich eine Bestandsaufnahme, sagt Mikhaeel.

„24 Stunden Sonne“

Auch Volker Lenzeder von Fronius International, befürwortet die Annahme, dass digitale Technologien Chancen und gleichzeitig Herausforderungen für Unternehmen bedeuten: „Die digitale Transformation“, sagt er, „hat aus unseren Produkten ein System gemacht.“ Konkrete Anwendung findet dieser Ansatz in Projekten wie „24 Stunden Sonne“ - durch welches der weltweite Energiebedarf zu 100 Prozent mit erneuerbaren Energiequellen gedeckt werden soll – oder wie Fronius SOLH2UB - eine Pilotanlage, welche aus Sonnenenergie Wasserstoff zum Antreiben von Fahrzeugen erzeugt.

Paul der Roboter

Die Entwicklungen welche die Digitalisierung bereits mit sich gebracht hat, sind so zahlreich wie die Gedanken an die Zukunft: Welche Veränderung erwartet Industrie und Wirtschaft, welche Technologien werden die größte Rolle spielen, werden neue Berufsfelder entstehen, und so weiter und so fort. Andreas Auinger wagt einen Blick in die Sterne und zeichnet ein Bild eines Einkäufers mit einer Augmented-Reality-Linse im Auge, einer Smartwatch am Handgelenk, beraten durch einen Roboter. Völlig absurd? Nicht für Saturn. Denn in Hamburg und Berlin begrüßt bereits Paul der Roboter den Kunden im Geschäft.

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