Welt Down Syndrom Tag – Liebe zählt keine Chromosomen

Welt Down Syndrom Tag – Liebe zählt keine Chromosomen

Wolfgang Macherhammer Wolfgang Macherhammer, Tips Redaktion, 12.03.2018 08:50 Uhr

VÖCKLABRUCK. Der Verein 46+1, Down Syndrom in Vöcklabruck engagiert sich seit 2010 für eine verbesserte Wahrnehmung von Kindern mit Down Syndrom in der Öffentlichkeit. Am Welt Down Syndrom Tag (21. März) werden Mitglieder daher am Vöcklabrucker Wochenmarkt kleine „Liebenswürdigkeiten“ verteilen. Motto: Liebe zählt keine Chromosomen.

„Das größte Problem unserer Kinder ist es, dass sie keine Lobby haben“, beschreibt Obfrau Birgit Brunsteiner, warum es nach acht Jahren Vereinsarbeit immer noch wichtig ist, aktiv zu sein. Kinder mit Down Syndrom werden mit 47 anstelle der üblichen 46 Chromosomen geboren. Ein genetischer Zufall, der nicht vererbbar und statistisch gesehen weltweit gleichmäßig verteilt ist. „90% aller Schwangerschaften in Österreich, in denen auch nur ein Verdacht auf das Down Syndrom besteht, werden frühzeitig abgebrochen“, berichtet Brunsteiner.

Regelmäßige Treffen

13 Familien aus dem Bezirk Vöcklabruck treffen sich bei 46+1, Down Syndrom regelmäßig zu gemeinsamen Unternehmungen und gegenseitigem Austausch. Der Verein freut sich jedes Jahr über Neuzugänge und bietet den Familien inzwischen zwei regelmäßige Spielgruppen, Elterntreffen, Sonderpädagogische Workshops, Ausflüge und andere gemeinsame Aktivitäten an. Kinder mit Down Syndrom sind in ihrer Entwicklung generell langsamer als andere Kinder. Das heißt aber nicht, dass sie nicht die gleichen Interessen, Talente, Fähigkeiten und Begabungen haben. Sie lernen langsamer, sind aber in ihrer emotionalen und sozialen Kompetenz Gleichaltrigen oft weit voraus.

„Besonders wichtig ist für unsere Kinder eine gezielte und auf ihre Bedürfnisse abgestimmte Förderung von Beginn an“, so Brunsteiner. Das beginnt mit Frühförderung, Inklusion in Kindergarten und Schule. Hier sieht Brunsteiner das große Problem von Kindern mit Down Syndrom. „In den Kindergärten und Volksschulen hat sich in den letzten Jahren sehr viel getan. Im Bezirk Vöcklabruck gibt es viele großartige Pädagoginnen, die unsere Kinder im Unterricht mitnehmen und sie als gleichwertige Mitglieder der Schulgemeinschaft sehen“.

Bei den Schulleitern spüren die Eltern allerdings nach wie vor mancherorts Ressentiments gegen eine Aufnahme ihrer Kinder an der Schule. Die ersten Kinder der 46+1, Down Syndrom Familien sind inzwischen Mittelschüler und dort gibt es mit Inklusion noch große Probleme. „Das liegt weniger an den Fähigkeiten der PädagogInnen als an den fehlenden Rahmenbedingungen, den zu geringen finanziellen und personellen Ressourcen und dem oft fehlenden Willen zur Inklusion“, so Brunsteiner. „Hier fehlt unseren Kindern die Lobby“.

Zeit nach der Schule - was nun?

Sorgen macht den Eltern des Vereins die Zeit nach der Schule. Inklusive Arbeitsmöglichkeiten sind auch im Bezirk Vöcklabruck Mangelware. Die Eltern wünschen sich ein System, in dem junge Erwachsene die Möglichkeit bekommen, an einem inklusiven Arbeitsplatz im Rahmen ihrer Möglichkeiten auch Leistung zu bringen und zur Gesellschaft beizutragen. „Ideen, in Vöcklabruck einen inklusiven Arbeitsplatz für Menschen mit Down Syndrom zu schaffen, gibt es in unserem Verein von Anfang an“, sagt Brunsteiner „im Moment sind wir alle damit beschäftigt unsere Kinder möglichst gut durch die Kindergarten- und Schulzeit zu bringen, aber unsere Vision verlieren wir nicht aus den Augen“. Mit der Aktion „Liebe zählt keine Chromosomen“ möchte der Verein am Welt Down Syndrom Tag einmal mehr auf die Bedürfnisse von Kindern mit Down Syndrom aufmerksam machen und sachlich über das Down Syndrom informieren. Neben einer kleinen Liebenswürdigkeit erhalten Passanten die druckfrische neue Vereinsbroschüre.

 

 

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